1995 boxt Axel Schulz (rechts) gegen Frans Botha aus Südafrika. Foto:  

Immer wieder ist die Schleyerhalle Austragungsort großer Boxkämpfe. Tausende Zuschauer sehen Weltmeister und Herausforderer wanken, triumphieren oder scheitern. Eine Zeitreise zu den prägenden Momenten der vergangenen 25 Jahre.

Stuttgart - Chris Eubank junior boxt an diesem Samstagabend (23 Uhr) in Stuttgart gegen Avni Yildirim. Es geht um den Einzug ins Halbfinale der neuen World Boxing Super Series im Supermittelgewicht. Der Kampf des Briten gegen den Türken verspricht nach Aufsehen erregendem Vorgeplänkel denkwürdig zu werden – wie so manches Duell in der Schleyerhalle in den vergangenen 25 Jahren.

9. Dezember 1995: Schulz gegen Botha

Als Axel Schulz zum zweiten Mal in seiner Karriere um einen Weltmeistertitel boxt, fliegen am Ende Sektgläser und Sektflaschen durch die Schleyerhalle in Richtung Ring. Auf RTL sehen knapp 18 Millionen Menschen, wie Personenschützer Ministerpräsident Erwin Teufel in Sicherheit bringen. Der Frust über Schulz’ Niederlage nach Punkten gegen den Südafrikaner Frans Botha sitzt tief beim Stuttgarter Publikum – rund 11 000 sind in die Schleyerhalle gekommen. Denn die Erwartungen an den Deutschen waren im Vorfeld hoch – so hoch, dass Schulz sie kaum erfüllen konnte. Doch nach Ansicht der deutschen Boxfans ist er der Sieger. Immerhin wäre er der erste deutsche Weltmeister seit Max Schmeling (1930) gewesen. Doch an diesem Abend soll es für Schulz nicht sein. Wenig später wird der „Weiße Büffel“ Botha des Dopings überführt und der Kampf annulliert. Botha bestreitet zwar, absichtlich gedopt zu haben, besucht aber 2012 Schulz zu Hause, bringt ihm den Weltmeistergürtel vorbei und bittet um Verzeihung.

16. März 2002: Klitschko gegen Botha

Sechseinhalb Jahre nach dem Kampf gegen Axel Schulz lässt sich Frans Botha wieder in Stuttgart blicken. 10 900 Zuschauer sind in die Schleyerhalle gekommen, ausverkauftes Haus. Sie empfangen Botha mit Pfiffen. Diesmal kommt der „Weiße Büffel“ als Herausforderer, er hat in der Zwischenzeit gegen Mike Tyson und Lennox Lewis geboxt und will nun den WBO-Weltmeistertitel von Wladimir Klitschko. Im Ring tut sich Klitschko zunächst schwer, Botha ist ein unangenehmer Gegner. Doch nach acht Runden ist der Büffel erlegt – Klitschko siegt mit technischem K.o. Dreimal landet Klitschko eine Links-Rechts-Kombination und streckt Botha nieder. Für den 25-jährigen Ukrainer ist es der 38. Sieg in 39 Kämpfen und sein 35. Sieg durch K.o. „Ich habe im richtigen Moment nachgesetzt, denn im Schwergewicht ist oft nur ein Schlag entscheidend“, sagt Klitschko. Und Botha gibt zu: „Er ist stark und hat eine große Reichweite, ich konnte nichts dagegen tun.“

10. Mai 2003: Ulrich gegen Rocchigiani

Graciano Rocchigiani ist 39 Jahre alt und hat seit zwei Jahren nicht mehr geboxt, als er zu dem Kampf in der Schleyerhalle anreist. Stattdessen saß er fast ein Jahr im Gefängnis – wegen Fahrens ohne Führerschein und Widerstands gegen Vollzugsbeamte. Trotzdem will der Deutsche mit italienischen Wurzeln und dem Kampfnamen „Rocky“ hier in Stuttgart sein Comeback wagen. Immerhin umfasst seine Bilanz bis dahin 41 Siege in 47 Kämpfen. Es geht um den vakanten WBC-Weltmeistertitel im Halbschwergewicht und um viel Geld – für Rocchigiani, der in der Vergangenheit mit Geldproblemen zu kämpfen hatte, gibt es anderthalb Millionen Euro Gage. Rund 6000 Zuschauer in die Schleyerhalle sehen das, was am Ende als letzter Kampf von „Rocky“ in die Annalen eingeht. Sein Gegner ist der 27-Jährige Thomas Ulrich. Das Publikum begrüßt Rocchigiani mit großem Applaus. Er zeigt seine Qualität, trifft mit der schnellen Rechten immer wieder durch die Lücken in Ulrichs Verteidigung dessen Kopf. Erst in der achten Runde bricht er ein, kann sich aber über die Zeit retten. Doch Rocchigianis Comeback endet so mit einem einstimmigen Punktsieg für Ulrich. „Er war mir an Schnelligkeit 13 Jahre voraus“, sagt Rocchigiani hinterher und beendet seine Karriere.

21. März 2009: Klitschko gegen Gomez

Die neunte Runde in der Schleyerhalle hat gerade begonnen, da beginnt Juan Carlos Gomez bereits zu wanken. Er fasst sich immer wieder an den Kopf. In der siebten Runde schickte Witali Klitschko Gomez erstmals zu Boden – in diesem Kampf und in Gomez gesamter Karriere, die bis dahin 44 Siege aus 46 Kämpfen aufweist. Klitschko trifft und trifft. Dann bricht der belgische Ringrichter Daniel van de Wiele den Kampf ab. „Dr. Eisenfaust“ besiegt den „Schwarzen Panther“ vor 12 500 Zuschauern mit einem technischen K.o. und bleibt WBC-Weltmeister im Schwergewicht. Die Strategie des 35-jährigen Herausforderers, auf Fehler des Gegners zu lauern, geht gegen Klitschko nicht auf. Der Ukrainer ist stärker und ausdauernder. Ahmet Öner, Gomez’ Promoter, sagt im Anschluss, er habe seinen Mann „schon nach der achten Runde rausnehmen wollen“. Der 37-jährige Klitschko resümiert: „Ich habe gezeigt, dass ich der Beste bin, aber es war sehr schwer.“ Und Gomez scherzt, er habe eigentlich gar nicht damit gerechnet, so lange durchzuhalten.

25. Januar 2014: Arslan gegen Huck

Als die Kontrahenten Marco Huck und Firat Arslan 2014 in den Ring steigen, haben sie bereits eine bewegte gemeinsame Vergangenheit. 2012 hatte Huck dem aus Süßen im Kreis Göppingen stammenden Arslan in Halle/Westfalen nach Punkten geschlagen – eine knappe und umstrittene Entscheidung. „Ich habe zehnmal so oft getroffen wie er, er hat nur auf die Deckung geschlagen“, beklagte Arslan damals. Auch das Publikum hatte er auf seiner Seite. In der Schleyerhalle findet zwei Jahre später also der ersehnte Rückkampf statt. Ein Heimspiel für Arslan, vor 11 000 Zuschauern will er Gerechtigkeit herstellen. Zu dem Zeitpunkt ist der Deutsch-Türke 43 Jahre alt, Huck dagegen erst 29. In der sechsten Runde bekommt Arslan gleich nach dem Gong mehrere direkte Treffer gegen den Kopf, geht zweimal zu Boden. Er kann seine Deckung nicht aufrechterhalten, verliert mit technischem K.o. „Den ersten Kampf habe ich auf die leichte Schulter genommen, aber jetzt habe ich alles für den Sieg getan und meinen Kritikern den Mund gestopft“, sagt Huck.

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