Simon Zachenhuber ist ein Boxer mit großem Potenzial. Davon will der ungeschlagene Stuttgarter nun endlich profitieren – weshalb er sein PR-Umfeld neu aufstellt.
Das Box-Geschäft ist hart, es kann aber auch ziemlich lukrativ sein. Im September holte sich der US-Amerikaner Terence Crawford in einem Megakampf gegen Saul „Canelo“ Alvarez alle vier WM-Gürtel im Supermittelgewicht (bis 76,2 kg). Dafür kassierte er angeblich eine Börse von 43 Millionen Euro, der unterlegene Mexikaner soll dank eines Kontrakts mit Investoren aus Saudi-Arabien sogar knapp 130 Millionen Euro eingestrichen haben. Es sind schwindelerregende Summen, natürlich auch für Simon Zachenhuber.
Der Boxer, der seit acht Jahren in Stuttgart lebt und trainiert, ist in der selben Gewichtsklasse unterwegs wie Crawford und Alvarez, sportlich zählen ihn zwei der vier großen Verbände in ihren Ranglisten zu den Weltbesten (WBO: 6./IBF: 8.). Finanziell? Wäre er schon zufrieden, wenn das Stück vom Kuchen, das für ihn abfällt, künftig ein bisschen größer wäre. Deshalb hat er nun sein Umfeld neu aufgestellt.
Profiboxer erhalten keine Förderung
Doch von vorne: Profiboxen funktioniert nach eigenen Regeln. Es gibt keine Verbandsstrukturen und keine Förderung, jeder Kämpfer muss sich und sein Umfeld selbst organisieren und finanzieren – dazu gehören der Coach, Trainingslager und -stätte, Sparringspartner und medizinische Versorgung (Physiotherapie, Massagen, Chiropraktik). „Boxen ist seit acht Jahren mein Beruf. Bisher hat das, was ich verdient habe, gerade gereicht, um die Kosten zu decken und im Leben einigermaßen über die Runden zu kommen. Ich habe keine Ersparnisse“, sagt Simon Zachenhuber (27), der alle 28 Kämpfe gewonnen hat, „wenn die Vermarktung funktioniert, können sich die Investitionen, die man tätigt, im Boxen voll auszahlen. Bei mir ist es so, dass ich sportlich abgeliefert habe und mir jeder erzählt, was für ein riesengroßes Potenzial ich habe. Doch leider hat es an der nötigen Unterstützung gefehlt.“
Zweieinhalb Jahre stand Zachenhuber zuletzt bei der Hamburger Promoter-Agentur P2M unter Vertrag. Nach Angaben des Boxers fanden in dieser Zeit weniger Kämpfe statt als ausgemacht, auch deshalb habe er seinen EM-Titel verloren. „Mir wurde eine Entwicklung versprochen, die nicht eingehalten worden ist“, erklärt Simon Zachenhuber, „P2M hat in meinem Fall schlecht gewirtschaftet und schlecht kommuniziert, lieber in andere Boxer investiert.“
Dies führte zu einer kuriosen Situation: Den Kampf gegen seinen letzten Gegner Paulinus Ndjolonimu Mitte Juli hat Zachenhuber quasi selbst finanziert. Ein Sponsor von ihm stellte 100 000 Euro zur Verfügung, dieses Geld ging komplett an die Entourage des bis dahin ungeschlagenen Weltklasseboxers aus Namibia, der dafür in Heidelberg antrat und gegen den Oberbayern aus Stuttgart verlor. „Für mich“, sagt Simon Zachenhuber, „blieb dabei kaum etwas übrig.“
Auftritte in bekannten TV-Shows
Der Supermittelgewichtler, der 2022 zu Deutschlands „Boxer des Jahres“ gewählt wurde, hat sich jedoch nicht nur von seinem Promoter getrennt, sondern auch von seinem Manager. Sieben Jahre betreute Klaus Kärcher ihn mit seiner Fellbacher Agentur, verhalf ihm zu mehreren Auftritten in bekannten TV-Shows („Let’s Dance“, „Klein gegen groß“, „Wer weiß denn sowas?“), aber aus Sicht des Athleten nicht zum Durchbruch. „Ein Manager muss dafür sorgen, dass ich mich als Vollprofi voll auf den Sport konzentrieren kann. Doch mein Trainer Conny Mittermeier und ich mussten viele Dinge – Sponsorensuche, Vermarktung, Organisation rund um die Kämpfe – selbst erledigen. Und dann bekamen wir noch zu hören, dass für Weltklasse-Sparringspartner kein Geld da sei“, erklärt Zachenhuber, „insgesamt kam von meinem Management viel zu wenig Eigeninitiative, niemand war bereit, die Anstrengungen für den nächsten Schritt zu unternehmen. Das war mangelhaft.“
Auf die Frage, wo er stehen würde, wenn alles optimal gelaufen wäre, muss Zachenhuber länger überlegen. Dann sagt er: „Mit der richtigen Vermarktung der Kämpfe, bei den Sponsoren, in der Werbung und den sozialen Medien könnte ich schon Millionär sein.“ Dass es Klaus Kärcher anders sieht, liegt auf der Hand, äußern will er sich dazu nicht: „Von mir gibt es keinen Kommentar.“ Dafür hat Wolfgang Greipl gesprochen.
Der nächste Kampf von Simon Zachenhuber ist am 10. Januar
Der Unternehmer aus Schliersee, der vor zwei Jahren seine letzte IT-Firma verkauft hat, ist der neue Manager von Zachenhuber. Die beiden kennen sich schon lange, und Greipl ist sicher, dem Boxer auch ohne einschlägige Erfahrung in dessen Sportart einen Mehrwert bieten zu können. „Bisher gab es nicht genügend Partnerschaften, um seine sportliche Qualität adäquat zu honorieren“, sagt Greipl, der als „ehrenamtlicher Manager in Vollzeit“ fungieren wird, „der Fokus liegt nicht auf meinem Gewinn. Ich gehe all-in für Simon und will ein Team aufbauen, das ihn ins rechte Licht rückt. Er und sein Trainer müssen von ihrem Beruf und ihrer Leidenschaft gut leben können.“ Hilfreich wäre, wenn die sportliche Bilanz makellos bleibt.
Seinen nächsten Auftritt hat Simon Zachenhuber am 10. Januar in Oberhausen. Organisiert wird der Kampfabend von der britischen Agentur Queensberry, mit der er sich eine intensivere Zusammenarbeit vorstellen könnte, Gegner ist der in 13 Duellen unbesiegte Anthony Zaulig. „Ein Sieg“, sagt Simon Zachenhuber, „ist Pflicht.“ Um weiter vom durchschlagenden Erfolg träumen zu können. Im Ring. Aber auch auf dem Konto.