Der Mann für die große Show: Felix Sturm will an diesem Samstag in der Porsche-Arena in Stuttgart in seinem 47. Profikampf wieder zu alter Stärke zurückfinden Foto: Baumann

An diesem Samstag hat Robert Stieglitz nur ein Ziel: In der Porsche-Arena will der Boxprofi aus Magdeburg Felix Sturm auf die Bretter – und damit in Rente schicken. Für den ehemaligen Box-Weltmeister Felix Sturm (35) zählt in Stuttgart nur ein Sieg.

Stuttgart - Es gibt viele Beispiele, dass Boxprofis auch im hohen Alter noch erfolgreich ihre Fäuste einsetzen. Aktuelle sogar: Floyd Mayweather junior, der derzeit beste Boxer im Welter- und Halbmittelgewicht, ist schon 38. Und es sieht nicht danach aus, dass der mit 70 Millionen Euro Jahreseinkommen reichste Sportler der Welt demnächst die Boxhandschuhe an den Nagel hängt. Oder der Mexikaner Juan Manuel Márquez, der mit 41 Jahren noch auf höchstem Niveau im Weltergewicht auftrumpft. Es sind genau die Kollegen, an denen sich Felix Sturm, immerhin auch schon 35, in diesen Tagen entlanghangelt. „Diese Boxer zeigen mir, dass ich in meinem Sport noch drei, vier gute Jahre vor mir habe“, sagt der frühere Weltmeister aus Leverkusen selbstbewusst.

Allerdings: An diesem Samstag (22.30 Uhr/Sat 1) will Robert Stieglitz Felix Sturm „in Rente schicken“ – und zwar in dem von den Promotern eifrig titulierten „deutschen Box-Höhepunkt des Jahres“. In der Stuttgarter Porsche-Arena wird der Magdeburger Supermittelgewichtler versuchen, der Sturm-Ära endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen. „In den letzten Kämpfen hat man gesehen, dass Felix viel von seiner Schnelligkeit eingebüßt hat, sein Alter merkt man ihm an“, tönt der gerade mal zwei Jahre jüngere Stieglitz.

Das Duell der beiden ehemaligen Champions ist jedoch keine WM-Ausscheidung. Denn der Kampf findet in einer Gewichtsklasse zwischen dem Mittel- (bis 72,5) und dem Supermittelgewicht (bis 76,2) bei einem Limit von 75,5 Kilogramm statt, das es nach den Regeln des Verbandes WBO gar nicht gibt. „Die WBO und Robert Stieglitz wollten es gern als WM-Ausscheid, Felix Sturm aber nicht“, sagt Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer. Trotzdem bedeutet der Kampf für beide viel. Stieglitz winkt bei einem Sieg die Pflichtherausforderung von WBO-Supermittelgewichtsweltmeister Arthur Abraham. Der Deutscharmenier hatte ihm Anfang März den WM-Gürtel entrissen. Und für Sturm wäre ein Erfolg ein sportliches Lebenszeichen nach seiner Schlappe zuletzt gegen den 40 Jahre alten Australier Sam Soliman Ende Mai.

Es steht also viel auf dem Spiel. Vor allem für Felix Sturm. Dessen ist sich der Linksausleger bewusst. Sturm hat Angst vor der Flaute. Zuletzt kassierte er zwei seiner insgesamt vier Niederlagen in den vergangenen fünf Kämpfen – eine maue Bilanz für einen Berufsboxer, der sich noch selbst vermarktet. Deshalb ging Sturm ungewöhnliche Wege. Er trennte sich von seinem langjährigen Trainer Fritz Sdunek und lässt sich nun von Magomed Schaburow betreuen.

Doch was kann der neue Coach noch anders machen? So recht lässt sich Schaburow nicht in die Karten schauen. „Wir haben an seinen Stärken gearbeitet“, sagt er nur, und auf die Frage, ob sein Schützling mit 35 fit sei wie nie, antwortet er mit einem knappen „Ja“. Aber auch der Sdunek-Nachfolger weiß: Bezwingt Stieglitz seinen Mann, könnte der an Marktwert verlieren. Erheblich sogar – und mehr als allen bei „Sturm Promotion“ lieb ist. Vielleicht so viel, dass selbst der übertragende Sender Sat 1 das Interesse an dem gebürtigen Bosnier verliert.

„An eine Niederlage denke ich aber nicht“, sagt Sturm mit ernster Miene. Er klingt dabei so energisch, als wolle er seinen Kontrahenten am Samstag aus dem Ring fegen. Auch weil er damit seinen Kritikern beweisen könnte, dass eine Boxkarriere mit 35 nicht zu Ende gehen muss. Er wäre ja dann auch selbst das beste Beispiel für einen alternden, aber erfolgreichen Champion.

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