Sein Ziel ist die Spitze: Altin Zogaj. Foto: Baumann

Früher machte er alles auf eigene Faust, nun fokussiert sich Altin Zogaj voll aufs Boxen: Der Wahl-Stuttgarter plant in Kanada den nächsten Schritt in Richtung Weltspitze.

Es gibt im Boxsport verschiedene Wege, die an die Spitze führen können – Altin Zogaj (32) wählte einen ganz eigenen. Der Halbschwergewichtler (bis 79,3 Kilogramm) aus Waiblingen-Hohenacker wurde mit 25 Jahren Profi und versuchte es auf eigene Faust. Er war nicht nur Sportler, sondern auch sein eigener Manager und Promoter, veranstaltete und vermarktete seine Kämpfe selbst. Bis er merkte, dass er so nicht weiterkommt. Also veränderte er sein Umfeld, jetzt kann er sich voll aufs Boxen fokussieren. „Ich bin als Athlet viel professioneller geworden“, sagt Altin Zogaj, „mein Ziel ist, es in die absolute Weltspitze zu schaffen.“ Deshalb geht es nun nach Kanada.

 

Im Casino in Montreal bestreitet Albert Ramirez (33), einer der Top-Leute im Halbschwergewicht, am 5. Februar den Hauptkampf. Im Rahmenprogramm trifft Altin Zogaj auf den Türken Mehmet Ünal (33), der in der Rangliste des Weltverbandes WBC auf Position neun geführt wird. Er ist in 14 Kämpfen ungeschlagen, zwölf davon gewann er vorzeitig. „Das ist ein richtiger Puncher, der im Ring mit enormer Wucht auftritt“, sagt Altin Zogaj, der seine bisherigen 17 Duelle allesamt gewonnen hat, aber von keinem der vier großen Verbände unter den Besten gelistet wird, „Mehmet Ünal ist eindeutig mein bisher stärkster Gegner. Wenn ich ihn schlage, mache ich in den Ranglisten einen großen Sprung nach vorne.“ Und wenn nicht? „Über eine Niederlage denke ich nicht nach“, erklärt er, „wenn ich nicht von meinem Sieg überzeugt wäre, würde ich nicht antreten.“

Trennung von Conny Mittermeier

Das Selbstvertrauen von Altin Zogaj wird genährt durch eine intensive Vorbereitung. Derzeit trainiert er mit seinem neuen Coach Istvan Szili (43) und ausgewählten Sparringspartnern in Basel. Der Ungar beendete 2022 mit einem Sieg in der Dortmunder Westfalenhalle gegen Ex-Weltmeister Felix Sturm seine Karriere. Betreut wurde Istvan Szili seinerzeit von Conny Mittermeier (64), bei dem auch Altin Zogaj trainiert hat – bis zur Trennung im April 2025. „Ich bin ihm für seine Arbeit mit mir sehr dankbar, unter ihm habe ich mich sehr gut entwickelt“, sagt Zogaj, „aber es war Zeit für einen Wechsel, ich habe etwas anderes gebraucht. Stuttgart bleibt meine Heimat, doch ich will große internationale Kämpfe machen. Dafür habe ich einst mit dem Boxen begonnen.“

Conny Mittermeier will sich zum Ende der Zusammenarbeit mit dem Halbschwergewichtler, mit dem er zwei EM-Gürtel holte, nicht groß äußern. „Das Thema interessiert mich nicht mehr, es ist abgehakt“, sagt er nur, „Reisende soll man nicht aufhalten.“

Volltreffer: Auch Altin Zogaj kann hart zuschlagen. Foto: IMAGO/Torsten Helmke

Der neue Weg führte Altin Zogaj zunächst zu einem Aufbaukampf gegen einen unbekannten Inder in die Türkei, dann hielt er sich länger in Dubai auf, um dort zu trainieren und Kontakte zu knüpfen. Am 1. Februar wird er von der Schweiz aus nach Montreal fliegen. „Ich habe viel Geld in eine möglichst perfekte Vorbereitung gesteckt“, sagt Altin Zogaj, der dank seiner Gagen und einiger Sponsoren „gut über die Runden“ kommt: „Nun sollen sich diese Investitionen auszahlen – auch wenn Mehmet Ünal ein richtig gefährlicher Mann ist.“