Trennung im Streit: Boxtrainer Conny Mittermeier (li.) und Marco Huck. Foto: PA

Boxtrainer Conny Mittermeier aus Stuttgart trennt sich im Streit von Marco Huck – kurz vor dem Kampf gegen Ola Afolabi. Auslöser war eine streitbare Entscheidung des Cruisergewichtlers.

Stuttgart/Halle - Conny Mittermeier (54) ist ein schillernder Name in der Boxszene. Der Ex-Profi arbeitet seit 25 Jahren als Trainer, einen Großteil dieser Zeit verbrachte er in Stuttgart. Der frühere Leicht- und Mittelgewichtler betreute prominente Boxer wie Witali Tajbert, Alesia Graf oder Juan Carlos Gomez, doch ganz an die Spitze schaffte er es nie. Weshalb es eine große Chance für Mittermeier war, als ihn Marco Huck (31), Ex-Weltmeister im Cruisergewicht, als Cheftrainer für seinen Kampf gegen Ola Afolabi am 27. Februar in Halle/Westfalen verpflichtete. Umso schmerzhafter ist der Tiefschlag, den der Stuttgarter nun mit Huck erlebt hat. Im Streit zog Mittermeier die Reisleine.

Auslöser war eine seltsame Entscheidung des Athleten. Obwohl er die Trainingspläne und die Arbeit Mittermeiers während der gesamten Vorbereitung in Stuttgart und im Camp in Braunlage immer wieder lobte („Er hat mich in Top-Form gebracht“) und den Vertrag mit dem Stuttgarter langfristig verlängern wollte, wird er sich im Duell gegen Afolabi in der Ringecke von seinem Athletik-Trainer Varol Vekiloglu betreuen lassen. Das wäre in etwa so, als würde Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart Coach Jürgen Kramny für ­seine Trainingsarbeit bejubeln, im nächsten Spiel aber Konditionstrainer Matthias Schiffers auf die Bank setzen.

Mittermeier will sich nicht zum Vorfall äußern

Mittermeier wollte die Entscheidung Hucks nicht akzeptieren, die folgenden Differenzen führten letztlich zur Trennung. Wer mit Mittermeier telefoniert, der spürt, wie sehr den Stuttgarter dieser ungewöhn­liche K. o. beschäftigt – auch wenn der ­Boxtrainer seinen Frust für sich behält: „Ich möchte zu diesem Thema nichts sagen.“

Das tut dafür Marco Huck, der nun noch stärker unter Druck steht als ohnehin schon. Nachdem er im August 2015 überraschend den WM-Titel des Verbandes WBO an den Polen Krzysztof Glowacki verloren hat, kämpft er in seinem vierten Duell gegen den Briten Ola Afolabi (zwei Siege, ein Remis) nicht nur um den Gürtel des unbedeutenden Verbandes IBO, sondern auch um seine vorerst letzte Chance, im Geschäft zu bleiben. „Ich schätze den Menschen und Trainer Mittermeier sehr“, sagt Huck, „ich habe aber im Laufe der vielen Sparringsrunden immer deutlicher gespürt, dass Varol Vekiloglu in Stresssituationen besser an mich herankommt und mich besser motivieren kann.“ Schön erzählt, doch die Wahrheit wird wohl eher treffen, was Huck nicht sagt: Dass er und Mittermeier zwei starke Charaktere sind, die letztlich nicht so zueinander gefunden haben, wie es nötig gewesen wäre, um gemeinsam in der Weltspitze zu bestehen.

Was die Trennung für den Kampf zu bedeuten hat? Nichts Gutes – meint zumindest Ulli Wegner (73). „Das ist kein guter Stil von Huck“, sagt der Trainer, der den Cruisergewichtler einst zum Weltmeister geformt hat, „bei mir würde jedenfalls nie ein Assistent meinen Job übernehmen.“

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