Nachdem der Kampf als perfekt gemeldet worden war, obwohl er keinen Vertrag unterschrieben hatte, boxt Anthony Zaulig nicht gegen Simon Zachenhuber – und kritisiert den Veranstalter.
Eigentlich soll bei Simon Zachenhuber ja alles besser werden. Der Boxer, der seit acht Jahren in Stuttgart trainiert und in 28 Kämpfen ungeschlagen ist, trennte sich von seinem Manager und seinem Promoter, um endlich auch finanziell durchzustarten. Zunächst allerdings geht es für den Supermittelgewichtler (bis 76,2 kg) darum, überhaupt mal wieder zu kämpfen, weil er sonst seine Topplatzierungen in den Ranglisten der Weltverbände WBO (6.) und IBF (8.) verlieren könnte – allerdings gibt es schon dabei Schwierigkeiten.
Anthony Zaulig (39), als nächster Gegner von Simon Zachenhuber (27) angekündigt, wird am 10. Januar in Oberhausen nicht gegen den haushohen Favoriten antreten. Sein Kontrahent, das betont der Veteran aus Nürnberg, könne dafür nichts. Vorwürfe erhebt Anthony Zaulig trotzdem – in Richtung derjenigen, die ihn für den Kampf verpflichten wollten. „Boxen“, sagt er, „ist ein dreckiges Geschäft.“
Kritik von Zaulig: „Unprofessionell und unseriös“
Mitte November erhielt Anthony Zaulig, der alle seine 13 Kämpfe gewonnen hat, einen Anruf. Er wurde gefragt, ob er sich vorstellen könne, gegen Simon Zachenhuber anzutreten – zum deutsch-deutschen Duell der Unbesiegten. Zaulig zeigte sich interessiert, auch weil ihm eine Gage von 12 000 Euro in Aussicht gestellt wurde, er ging laut eigener Aussage von einer Netto-Kampfbörse aus. Eine Woche später erhielt er einen Vertrag der britischen Agentur Queensberry, die den Boxabend in Oberhausen veranstaltet. Er bat um Bedenkzeit, um die Inhalte des Kontrakts prüfen zu können. „Doch vier Stunden später wurde, ohne dass ich irgendetwas unterschrieben hätte, öffentlich verkündet, dass ich gegen Simon Zachenhuber kämpfen werde“, sagt Anthony Zaulig, „auf dem Plakat war ein sechs Jahre altes Bild von mir, das von irgendeiner Webseite kopiert worden war. Als ich mich beschwert habe, weil das Duell bereits als perfekt gemeldet wurde, hieß es nur, ich hätte ja die Möglichkeit, später wieder abzusagen. Ich wurde nur benutzt, um den Kampfabend bewerben zu können. So vorzugehen, ist unprofessionell und unseriös.“
Bei der Prüfung des Vertrages zeigte sich dann nach Auskunft des Boxers, dass es sich nicht um ein Netto-Angebot gehandelt habe, dass er die Anreise und Verpflegung seines Teams in der Woche vor dem Kampf selbst hätte bezahlen müssen und dass er für seine Sponsoren nicht genügend Karten hätte kaufen können. „Ich habe meinen Steuerberater alles durchrechnen lassen. Am Ende wären für mich 3600 Euro übrig geblieben“, sagt Anthony Zaulig, „auf einer so großen Bühne werden für deutsche Boxer normalerweise andere Summen bezahlt. So einen Vertrag würde ich niemals unterschreiben.“ Dabei hätte es, wenn es zum Duell gekommen wäre, eine interessante Geschichte zu erzählen gegeben.
Gebäudereiniger und Boxer: Der Werdegang von Anthony Zaulig
Anthony Zaulig ist ein besonderer Athlet. Der Vater von fünf Kindern boxte einst als Jugendlicher, hörte dann aber auf, um beruflich voranzukommen. Der Gebäudereiniger legte 2007 in Rottenburg seine Meisterprüfung ab, war damals der jüngste Gebäudereinigungs-Meister in Deutschland. Mittlerweile hat er sein eigenes Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern. Zwischendurch wog Anthony Zaulig bei einer Körpergröße von 1,76 Metern 147 Kilogramm, doch mit einem strengen Ernährungsprogramm und täglichen Sporteinheiten bekam er sein Gewichtsproblem in den Griff. Innerhalb von eineinhalb Jahren verlor er 71 Kilogramm, er lief Halbmarathons und machte hartes Boxtraining. „Ich wollte über mich selbst hinauswachsen“, sagt er, „und das habe ich geschafft.“ Hinzu kam, dass sein Vater Karl Zaulig früher Boxer war: „Es ist immer mein Ziel gewesen, ihn stolz zu machen.“
Also stieg auch Anthony Zaulig in den Ring. Mit 35 Jahren bestritt er seinen ersten Profikampf – nach einer ungewöhnlichen Vorbereitung. Weil er in seiner Firma 60 bis 70 Stunden pro Woche gefordert ist, stand der Boxer mitten in der Nacht auf, machte seine erste Einheit ab 3.30 Uhr und die zweite in der Mittagspause. Dank seiner Disziplin, Fitness und Willensstärke gewann Anthony Zaulig 13 Kämpfe, schätzt seine technischen Fertigkeiten aber realistisch ein: „Fürs Boxerische habe ich zu spät begonnen.“ Auch deshalb verzichtet er auf den Kampf gegen Simon Zachenhuber. „Er ist jünger und ein sehr gut ausgebildeter Vollprofi. Das Risiko, sich im Duell mit ihm zu verletzen, ist für einen Selbstständigen untragbar hoch – und die Gage deshalb erst recht viel zu gering.“
Der Veranstalter des Kampfabends hat sich auf Anfrage unserer Zeitung zwar darüber gewundert, wie der Boxer auf die Idee gekommen sei, dass es sich bei der Gage um ein Netto-Angebot gehandelt habe. Die Tatsache, dass Anthony Zaulig den Vertrag nicht unterschreiben wollte, wurde derweil gelassen zur Kenntnis genommen. Letztlich handle es sich bei dem Nürnberger um einen „nicht sonderlich relevanten Boxer“, hieß es, man arbeite nun daran, zeitnah einen guten Ersatz zu finden: „Und jemanden, der den Unterschied zwischen brutto und netto versteht.“
Die Sache mit der sportlichen Qualität ist auch für Simon Zachenhuber wichtig. „Ich hoffe, dass ich einen guten Gegner haben werde“, sagt der ehrgeizige Supermittelgewichtler, „damit es einen spannenden Kampf gibt.“ Und anschließend alles besser wird.