Es mangelt auch an der Technik: Feigenbutz (re.) verfehlt de Carolis. Foto:  

Er verfügt fraglos über Kampfgeist und Schlagkraft. Dass aber auch Technik, taktisches Verständnis, eine gute Deckung und vor allem Erfahrung nötig sind, um Weltmeister zu werden, bekommt Supermittelgewichtler Vincent Feigenbutz schmerzhaft zu spüren.

Offenburg - Es dauerte eine Weile, bis die Enttäuschung voll durchschlug. Nachdem sich Vincent Feigenbutz unmittelbar nach seiner Pleite gegen den Italiener Giovanni De Carolis im Ring noch kämpferisch gezeigt hatte („Ich komme wieder“), sah er eine Stunde später bei der Pressekonferenz in der Baden Arena in Offenburg tief getroffen aus. Blass, die schwarze Kappe tief ins Gesicht gezogen, saß er auf dem Podium und versuchte vergeblich, Gründe für seinen schwachen Auftritt zu finden. „Meine Leistung hat einfach nicht gereicht“, meinte Feigenbutz, der jüngster deutscher Weltmeister der Box-Geschichte hätte werden können, „ich weiß auch nicht, woran es lag.“ Trainer Hans-Peter Brenner wirkte ebenfalls ziemlich ratlos: „Irgendwie hat heute alles gefehlt.“

Das traf das Problem zwar nicht ganz, schließlich hatte Feigenbutz Kampfgeist gezeigt und auch seine Schlagkraft angedeutet. Ansonsten aber enttäuschte der Supermittelgewichtler (bis 76,2 kg) im WM-Duell des Verbandes WBA. Der große Techniker ist er ohnehin nicht, er fand aber auch kein taktisches Mittel gegen den sehr beweglichen, zähen Italiener. Und deutlich wurde auch, dass es dem 20-jährigen Karlsruher an Erfahrung fehlt.

In der elften Runde kassierte er einen heftigen Wirkungstreffer, danach einen leichteren (verbotenen) Schlag auf den Hinterkopf. Anschließend setzte De Carolis gegen seinen wehrlosen Gegner so lange nach, bis der Ringrichter den Kampf abbrach. Dabei wäre die Lösung ganz einfach gewesen: Feigenbutz hätte nur hinknien oder zu Boden gehen müssen. Dann wäre er angezählt worden und hätte in diesen zehn Sekunden genügend Zeit gehabt, um sich zu erholen.

„Ich habe mich nicht fit gefühlt“

Am Ende war Feigenbutz niedergeschlagen, ohne niedergeschlagen worden zu sein. „Ich habe mich nicht fit gefühlt“, meinte er nach der schmerzhaften Niederlage. Auch Promoter Wilfried Sauerland war am Boden: „Wir müssen uns Gedanken machen, warum er noch nicht mal das Niveau halten konnte, das er im ersten Kampf gezeigt hat.“ Das Duell im Oktober gegen De Carolis hatte Feigenbutz knapp und aus Sicht einiger Experten umstritten nach Punkten gewonnen. Vielleicht sollten sich die Manager des Karlsruhers aber auch einige ganz andere Fragen stellen.

Zum Beispiel jene, warum sie einen jungen Mann schon mit 20 Jahren zum Retter des deutschen Boxens erklären, ohne dass dieser bis dahin allzu viele Großtaten vollbracht hat. Und warum sie den zweifellos Talentierten, dem aber noch viel fehlt, um ein Boxer mit Klasse zu sein, unbedingt zum Weltmeister machen wollen – nur eines Rekordes wegen. „Der Traum, dass er der jüngste Weltmeister wird“, erklärte Sauerland in Offenburg fast schon trotzig, „ist noch nicht ausgeträumt.“ Nur einer aus dem Sauerland-Stall sah die Sache etwas realistischer – Cheftrainer Ulli Wegner. Er arbeitet zwar nicht mit Feigenbutz, erlaubt sich aber trotzdem eine eigene Meinung: „Vinzent steht die Welt offen, er hat das Potenzial“, meinte er, „aber er muss kontinuierlich aufgebaut werden – nicht mit Gewalt.“

Der Boxer selbst ist anderer Meinung, er hat schon in der Vergangenheit Kämpfe gegen Profis wie Fjodor Tschudinow oder Arthur Abraham gefordert, die noch um einiges stärker einzuschätzen sind als De Carolis. Und in seinem Umfeld werden solche Ansprüche weiter befeuert. Noch im Ring einigte sich Feigenbutz mit dem neuen WBA-Weltmeister aus Italien auf einen Rückkampf, der ohnehin vertraglich festgeschrieben war. „Es war doch ein spektakulärer Fight“, sagte Promoter-Sohn Kalle Sauerland, „jetzt steht es 1:1. Im dritten Duell wird geklärt, wer der Bessere ist.“

Nicht ausgeschlossen, dass Feigenbutz dann wirklich niedergeschlagen sein wird.

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