Gegner im Ring nicht am Brett: Firat Arslan (li.) und Steve Herelius Foto: dapd

Boxchamp Arslan trainiert nicht nur seine Fäuste - sondern auch das Hirn.

Stuttgart - Konzentration auf ein Ziel, Willenskraft, Zielstrebigkeit - wer nach einem Sportler sucht, der dies alles in sich exemplarisch verkörpert, kommt fast zwangsläufig auf Firat Arslan (39).

Bei einem schweren Radunfall hat sich der Boxer aus Süßen vor einem Jahr den Halsmuskel gerissen und zahlreiche Brüche zugezogen. Nun ist er zurück. An diesem Samstag kämpft Arslan in der Stuttgarter Porsche-Arena um den Interims-WM-Titel der WBA gegen den Franzosen Steve Herelius. Vermutlich seine letzte Chance, noch einmal Weltmeister zu werden.

Woher nimmt man diese Zähigkeit für ein solches Comeback, diese Entschlossenheit? Sicher, es steckt hammerharte körperliche Arbeit drin. Ohne Schweiß kein Preis. Aber Arslan trainiert eben nicht nur Muskeln und Fäuste - sondern auch das Hirn. Der Boxer ist begeisterter Schachspieler von respektabler Stärke. Auch im Trainingslager im Ötztal waren das Schachbrett und sein Schachcomputer immer dabei. Der Athlet ist überzeugt, dass das königliche Spiel auch für die Großmeister des Faustkampfs wichtig sein kann.

"Ich lauere auf die Fehler meiner Gegner, dann schlage ich zu"

Arslan zieht einen Vergleich: "Im Boxen musst du dich bis zur letzten Sekunde konzentrieren. Wenn man auch nur einen Schlag übersieht, kann alles aus sein. Und der kann jederzeit kommen." Und so, glaubt der Ex-Weltmeister, sei es eben auch beim Schach: "Konzentration ist gefragt. Wenn du auch nur einmal einen Bauern aus Unachtsamkeit verlierst, kannst du eine ganze Partie lang kämpfen - und doch ist der Nachteil nicht mehr aufzuholen."

In endlosen Partien mit seinem älteren Bruder hat Arslan das Spiel als kleiner Junge gelernt. Als er 15 war, besuchte er regelmäßig das Jugendhaus in Süßen. "Im Stockwerk über uns hatte der lokale Schachverein sein Quartier, und nach dem Training kamen die Mannschaftsspieler runter zu uns. Da habe ich oft meine Kräfte gemessen - und durchaus auch mal gewonnen", berichtet Arslan.

Der Champ hat dafür gesorgt, dass in seiner Trainingsgruppe das Schachspiel intensiv gepflegt wird. "Wir haben während der Vorbereitung auf den Kampf zwischendurch zum Entspannen auch zwei Partien der Schach-WM zwischen Viswanathan Anand und Vesselin Topalov nachgespielt", erzählt er. "Diese Klasse ist Wahnsinn, eine andere Welt."

Eine Welt, von der Arslan noch mehr erfahren will. Im Trainingslager hatte er auch ein Schachbuch von Ex-Weltmeister Gari Kasparow, vermutlich dem besten Schachspieler aller Zeiten, mit im Gepäck. Und wie ist Arslans Schach-Stil? "Ich lauere auf die Fehler meiner Gegner, dann schlage ich zu", sagt der Boxer - und dabei spricht er wohlgemerkt vom Schach. Allerdings will er es in seinem Kampf gegen Herelius genauso machen. Im Schach wird er die höchsten Höhen nicht (mehr) erreichen, aber im Boxen, da ist er wieder ganz dicht dran.

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