Marco Huck will wieder im Rampenlicht stehen. Foto: dpa

Auf dem schwächelnden deutschen Profibox-Markt hat der 32-jährige Huck gute Chancen, bald der neue Ringkönig zu sein – wenn er am Samstag gegen Mairis Briedis gewinnt.

Dortmund - Wer wissen will, wie es derzeit um das Profiboxen Made in Germany bestellt ist, dem genügt ein flüchtiger Blick auf die Liste der amtierenden Weltmeister. Zwei Namen stehen drauf: Da ist zum einen der Berliner Tyron Zeuge, ein lebenslustiger, aber mit gerade mal 24 Jahren noch ungeschliffener Athlet, der den WM-Titel im Supermittelgewicht nach Version der World Boxing Association (WBA) hält. Dazu gesellt sich noch „Golden Jack“ Culcay (31), der im Halbmittelgewicht aber nur der Interims-Weltmeister der WBA ist.

Da hatten die alten Haudegen schon mehr Zugkraft. „Dr. Eisenfaust“ Wladimir Klitschko etwa, der am 29. April vor 90.000 Fans im Londoner Wembleystadion den neuen Schwergewichts-König Anthony Joshua fordert; oder Typen wie Graciano Rocchigiani, der legendäre Sohn eines Eisenbiegers, Kerle wie das „Phantom“ Sven Ottke, der „Tiger“ Dariusz Michalczewski, wie der „Gentleman“ Henry Maske und der liebenswerte Verlierer Axel Schulz. Bis zuletzt regierte noch „King“ Arthur Abraham, der sich am 22. April mit dem zum „Kampf des Jahres“ hochgejazzten Duell gegen den Landsmann Robin Krasniqi in Erfurt aber allmählich der Sportlerrente entgegen boxt.

Der „Käpt’n“ kann also volle Fahrt aufnehmen, wenn es darum geht, auf dem flauen deutschen Profiboxmarkt die Herzen der Fans zu erobern. „Dieser Kampf wird mit Haken und Ösen geführt - wir spielen ganz bestimmt kein Schach. Ich bin von mir überzeugt und weiß, dass ich der Bessere bin“, sagt Marco Huck daher wie gewohnt selbstbewusst vor seinem Fight in der Dortmunder Westfalenhalle an diesem Samstag (22.45 Uhr/RTL) gegen den Letten Mairis Briedis.

Brite Bellew lässt seinen Gürtel ruhen

Für Huck geht es um viel, kann er doch im Alter von 32, wenn die schweren Jungs im Ring in den besten Jahre sind, seiner zuletzt lahmenden Karriere frischen Schwung verleihen. Immerhin ist der Cruisergewichtler (Limit bis 91,5 Kilogramm) seit seiner vermeidbaren K.o.-Niederlage gegen den Polen Krzysztof Glowaki im August 2015, als er den Gegner zuvor selbst am Boden hatte, kein Champion mehr. Also ist das World Boxing Council (WBC), der zweitälteste der vier bedeutsamen Weltverbände, dem Sportler ein bisschen entgegen gekommen. Weil der Brite Tony Bellew, der vor kurzem David Haye ausknockte, seinen Gürtel ruhen lässt, lobte die WBC den Dortmunder Fight als WM-Kampf aus. „Vom grünen Gürtel, den bereits Muhammad Ali oder Mike Tyson trugen, habe ich schon als Kind geträumt. Das gibt mir zusätzliche Motivation“, sagt Huck (44 Kämpfe, 40 Siege, 27 Knockouts). Bezwingt der Bielefelder mit Wohnsitzen in Berlin und Montenegro den in 20 Kämpfen (18 Knockouts) bisher unbesiegten Polizisten Briedis, ist er sportlich rehabilitiert – und finanziell weiter auf der sicheren Seite.

Schließlich sind die Insignien des Weltmeisters im Boxen mindestens gleichzusetzen mit weiteren Börsen im hohen sechsstelligen Euro-Bereich. Vor allem dann, wenn man wie der als Muamar Hukic geborene Faustkämpfer mit dem TV-Sender RTL einen ebenso quotenstarken wie in Sachen Box-Inszenierungen erfahrenen Partner an seiner Seite hat. Weil Wladimir Klitschko bereits 41 Jahre ist, hat er den Kontakt zwischen den Kölnern und ihrem designierten Boxkönig hergestellt.

„Ich gehe immer auf den K.o.“

Formal bringt Huck, den RTL unter dem Motto „No Mercy - keine Gnade“ in den Kampf schickt, alles mit, was das Publikum erfreut: „Die Leute lieben oder hassen mich, aber sie schauen alle zu, weil ich spektakulär boxe. Ich gehe immer auf den K.o.“, sagt der 32-Jährige, für den der Rückwärtsgang im Ring keine brauchbare Alternative ist. Der schlagstarke Huck marschiert nach vorne, ist aber leicht reizbar und technisch längst nicht über sämtliche Zweifel erhaben. „Ich habe mit Marco ein paar boxerische Schönheitsfehler korrigiert, ansonsten ist er ein perfekt ausgebildeter Kämpfer, dem man nichts mehr beibringen muss“, sagt sein vor dem Briedis-Kampf neu verpflichteter Trainer Oktay Urkal aus Berlin, der 1996 in Atlanta Olympiasilber holte.

Doch gerade hier liegt ein Problem. Seit Huck 2014 den Sauerland-Boxstall verließ und sich damit auch dem Zugriff des stets fordernden Trainer-Methusalems Ulli Wegner entzog, fehlt es ihm an einem kritischen Gegenpol. So trennte sich der Sportler von ihm unbequemen Trainern, etwa dem Stuttgarter Conny Mittermeier. Wie sehr sich die Boxwelt des 32-Jährigen um ihn selbst dreht, zeigt auch ein Blick auf die Huck Sports Promotion (HSP). Deren Geschäftsführer ist der Bruder Kenan. Der besitzt im Sport-Management zwar so gut wie keine Erfahrung - ist aber Hucks größter Fan.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: