In Botnang suchen viele ihren Eltern noch Platz für ihren Nachwuchs Foto: Factum-Weise

Die neuen Kindertagesstätten im Bezirk werden später fertig als von der Stadt ursprünglich geplant.

Botnang - Der Frust sitzt tief: Seit Jahren ist die Betreuungssituation für Kinder und Jugendliche in Botnang vernachlässigt worden. So sehen es zumindest viele Eltern und die Bezirksbeiräte. Allein für Kinder im Alter bis sechs Jahre fehlen rund 170 Plätze (Stand: 1. März 2012).

Um die Misere zu entschärfen, sind drei Großprojekte geplant, die für 130 zusätzliche Plätze in Botnang sorgen sollen. Doch wie sich nun herausstellt, verzögern sich die Einweihungen all dieser Kindertagesstätten. Nur um wenige Wochen ist das bislang beim Neubauprojekt der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) der Fall. Nachdem die Arbeiten in der Ortsmitte erst Ende 2014 beendet sein sollen, ist auch erst zu diesem Termin mit der Eröffnung der neuen Kita zu rechnen. 20 neue Plätze für Mädchen und Buben sollen an der Griegstraße geschaffen werden.

Schon Ende 2013 sollte die Einrichtung an der Kauffmannstraße eröffnen. Doch der Termin ist seit wenigen Monaten nicht mehr zu halten. Zuerst gab es von Nachbarn Einwände, die allerdings vom Regierungspräsidium als unbegründet zurückgewiesen wurden, aber dennoch dafür sorgten, dass die Kita erst im Februar 2014 fertig sein soll. Doch auch zu diesem Zeitpunkt werden die 55 Betreuungsplätze nicht geschaffen sein. „Vor Weihnachten haben wir das Bauprojekt ausgeschrieben. Doch es hat sich kein Unternehmen gemeldet, das die Arbeiten durchführen wollte“, sagt Alexander Hofmann vom Hochbauamt. Nun müsse man noch einmal ausschreiben. „Das wollen wir Anfang Februar tun.“ Der Abbruch des Gebäudes Himmerreichstraße 40/2 werde dennoch im März stattfinden. „Und dann hoffen wir, dass die Ausschreibung nicht ein zweites Mal schief geht“, sagt Hofmann. Durch die Ehrenrunde verzögere sich der Baubeginn noch einmal. Im Juli dieses Jahres sollen die Arbeiten dann starten. Im Sommer 2014 sei mit der Einweihung zu rechnen.

Weg vom Hort, hin zur Ganztagsschule

Und auch beim zweiten Großprojekt kommt es zu Verzögerungen. Ende 2015 hätte das sogenannte Kinderhaus an der Kirchhaldenschule eröffnet werden sollen. Das Konzept sieht eine Kindertagesstätte für 55 Mädchen und Buben sowie Räume für die Schulkindbetreuung vor. Während im Mai vergangenen Jahres schon eine Informationsveranstaltung zu dem Thema im Bürgerhaus stattfand, muss nun noch einmal die Konzeption überarbeitet werden. „Die Situation hat sich verändert“, sagt Karin Korn, Leiterin des Schulverwaltungsamtes. „Wir gehen weg vom Hort und hin zur Ganztagsschule.“ Damit müsse nicht nur der Neubau des Kinderhauses in die Konzeption einbezogen werden, sondern auch das bereits bestehende Schulgebäude am Correlliweg. „Das ist dann doch eine größere Nummer als gedacht“, sagt Alexander Hofmann vom Hochbauamt.

Er wartet nun, bis das Jugend- und Schulverwaltungsamt die neue Konzeption erstellt haben. „Wir werden die Planungen im ersten Vierteljahr 2013 konkretisiert haben“, sagt Korn. Wenn das der Fall sei, so Hofmann, könnten einige Architekten damit beginnen, Entwürfe zu erarbeiten. „Mit Ergebnissen rechne ich dann im Herbst dieses Jahres.“ Somit sei mit dem Baubeginn im Herbst 2014 und im Frühjahr 2016 mit der Einweihung des Kinderhauses zu rechnen – allerdings nur, wenn es zu keinen weiteren Zwischenfällen oder Verzögerungen komme. Der Rektor der Kirchhaldenschule, Reinhold Sterra, ist dennoch frohen Mutes: „Das Raumkonzept auf die Ganztagsschule abzustimmen, ist vollkommen richtig. Wir brauchen aktualisierte Pläne. Das kann ich nur unterstützen.“

Das sieht auch Bezirksvorsteher Wolfgang Stierle so. Die Verzögerungen seien zwar nachvollziehbar, aber „nicht schön“. In den kommenden Monaten und Jahren werde sich die Betreuungssituation so definitiv nicht entspannen können. Bezirksbeirat Ernst Hauschild (CDU) drängt seit rund zweieinhalb Jahren darauf, dass die Stadt ein umfassendes Konzept zur Betreuungssituation in Botnang präsentiert. „Immer wieder laufen wir gegen eine Wand. Die Hinhaltetaktik ärgert mich wahnsinnig. Es macht langsam keinen Spaß mehr, Bezirksbeirat zu sein“, sagt Hauschild. Er möchte nun unbedingt von der Stadt Übergangslösungen aufgezeigt bekommen.

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