Der Finanzbedarf bei Bosch ist groß. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Die Gedanken über Teilbörsengänge des Stuttgarter Technologiekonzerns wirken wie ein Sakrileg. Doch sie gehören zu einer Vorwärtsstrategie, kommentiert Klaus Köster.

Seit vielen Monaten macht Bosch fast nur noch durch einen riesigen Stellenabbau von sich reden. Einige Hundert Jobs hier, einige Tausend da – in Summe kommt man auf mehr als 10 000 Arbeitsplätze, die auf der Kippe stehen. Weil das Unternehmen ein breites Spektrum von Geschäftsfeldern bearbeitet, gibt es so viele Einzelentscheidungen, dass der Abbau in der öffentlichen Wahrnehmung viel stärker ausfällt als etwa der bei ZF, wo das Ausmaß noch größer ist.

 

Die Strategie reduziert sich aber nicht auf den Personalabbau. Vor einigen Monaten tätigte das Unternehmen die größte Investition der Firmengeschichte und kaufte das Klima- und Heizungsgeschäft eines US-Konzerns. Das soll Bosch Zukunftschancen auch jenseits der Autobranche eröffnen – und das gesamte Unternehmen stabiler aufstellen.

Finanzielle Unabhängigkeit als Teil der Identität

Der Finanzbedarf ist allerdings riesig – umso wichtiger ist es, auch die Mittelbeschaffung neu zu denken. Auf den ersten Blick erscheint die Börsenfinanzierung eines Stiftungsunternehmens wie ein Sakrileg – doch es ist richtig, dass das Unternehmen Börsengänge von Unternehmensteilen nicht ausschließt.

Zur Identität von Bosch gehört seit jeher finanzielle Unabhängigkeit. Doch diese kann leiden, wenn die erwirtschafteten Mittel zu gering oder die erforderlichen Investitionen zu hoch sind. Einen kompletten Börsengang würde Bosch als Gesamtunternehmen wohl nicht lange überleben – nach gängiger Börsenlogik handelt es sich um ein Konglomerat, das weit weniger wert ist als die Summe seiner Teile und deshalb filetiert gehört. Teilbereiche an die Börse zu bringen, und sei es mit Minderheitsbeteiligen, kann die Unabhängigkeit dagegen noch erhöhen.

Seine Tradition kann das Unternehmen nicht mit Denkverboten bewahren, sondern indem es sich vorausschauend um den Erhalt seiner Unabhängigkeit kümmert. Je mehr Geldgeber es an der Hand hat, desto weniger kann ein einzelner davon ihm hineinreden.