Auch künftig werden die Zellen für die Batterie aus dem Ausland kommen. Foto: dpa-Zentralbild

Bosch ist eine eigene Batteriefertigung zu riskant. Das Nein zum Aufbau einer eigenen Zellfertigung kann sich negativ auf den Industriestandort auswirken, meint Wirtschaftsredakteurin Inge Nowak.

Stuttgart - Die Entscheidung ist gefallen. Bosch wird keine Batteriezellen für Elektroautos fertigen. Seit Jahren forscht der weltgrößte Zulieferer an den Zellen. Zuerst in einem Joint-venture mit dem koreanischen Samsung-Konzern. Als diese Partnerschaft scheiterte, haben sich die Stuttgarter mit GS Yuasa und Mitsubishi aus Japan zusammen getan. Große Hoffnung hat der Konzern auch in das Start-up Seeo aus Kalifornien gesetzt. Jetzt ist damit Schluss. Bosch will die Forschung rund um Batteriezellen abrupt beenden.

Weder Deutschland noch Europa besitzt eine bedeutende Zellkompetenz. Vor Jahren schon hat man sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Ob für Smartphones, Digitalkameras oder Tablets – die dafür nötigen Akkus haben japanische und koreanische Unternehmen produziert. Erst mit dem Elektroauto wurden auch die deutschen Autobauer, die lange fest auf den Verbrenner setzten, auf die Bedeutung der Zelle aufmerksam – und haben eine Aufholjagd gestartet. Sie konnten Erfolge vorweisen, bestätigen Experten. Wären die Erfolge größer gewesen, wenn sich die Autobranche intensiver mit der Zelle beschäftigt hätte? Hätte man vielleicht sogar längst in eine Zellfabrik investieren können?

Forschung ist nicht alles

Experten bescheinigen Bosch & Co, bei der Forschung auf Augenhöhe mit den asiatischen Marktführern zu sein. Aber Forschung ist eben nicht alles. Nicht minder wichtig ist es, den gesamten Fertigungsprozess und zwar in der Großserie zu beherrschen. Die Asiaten haben bewiesen, dass sie es können. Bosch müsste diesen Beweis erst antreten – und das könnte teuer werden. Es geht ja nicht nur um die viele Milliarden teuren Investitionen in den Aufbau und den Betrieb einer Zellfabrik. Man muss auch den zweifellos drohenden Preiskampf finanzieren. Wie teuer es werden kann, sich mit Asiaten anzulegen, haben die Stuttgarter schmerzhaft beim Thema Solarfertigung erfahren. Dieses Risiko scheute der Konzern jetzt ganz offensichtlich.

Was die Entscheidung für den Industriestandort Deutschland bedeutet, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Zellen ein austauschbares Massenprodukt sind, wie es in der Industrie heißt, oder ob sie über die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Systems mitentscheiden, wie Experten etwa von Fraunhofer sagen. Fest steht auf jeden Fall, dass Deutschland erstmals nicht mehr alle Komponenten eines Autos fertigen könnte.

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