So wie in dieser Studie von Bosch könnte das autonome Fahren einmal aussehen. Die Ausrüstung ist allerdings so teuer, dass sie sich zunächst wohl nur für Mietautos im Dauereinsatz lohnen wird. Foto: Bosch

Die Sorge in der deutschen Wirtschaft ist groß: Firmen wie Google sind beim Sammeln von Daten uneinholbar vorn – und damit auch bei digitalen Technologien. Nun wagt Bosch die Aussage: Wir arbeiten an einer Technologie, die auch mit weniger Daten auskommt.

Stuttgart - Der Stuttgarter Bosch-Konzern sieht die Welt angesichts der Künstlichen Intelligenz (KI) vor einer technologischen, ökonomischen und sozialen Revolution, die er global an führender Stelle mitgestalten will. „Wir wollen in der KI-Forschung zur Weltspitze gehören“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Es handle sich um eine Basistechnologie, auf deren Basis nicht nur der Verkehr revolutioniert werde, sondern die auch viele Menschen bei der Arbeit, in der Freizeit und bei Fragen der Gesundheit unterstützen werde. Auch das selbstfahrende Auto, an dessen technologischer Entwicklung Bosch mit hohem Aufwand arbeitet, hängt maßgeblich von den Fortschritten bei der KI ab.

Vision wird zunehmend zur Realität

Die Künstliche Intelligenz und ihre Vorläufertechnologien sind nicht mehr nur eine Vision, sondern eine Realität, die sich in den Geschäftszahlen für 2018 bereits deutlich niedergeschlagen hat. Trotz der weltweit sinkenden Fahrzeugproduktion konnte die Bosch-Kraftfahrzeugsparte (Mobility Solutions) ihren Umsatz ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten um 4,7 Prozent steigern. Dazu trugen nicht zuletzt die Fahrer-Assistenzsysteme bei, bei denen sich Bosch als Weltmarktführer sieht. Die Kraftfahrzeugsparte wuchs damit auch etwas stärker als der gesamte Konzern, dessen Umsatz ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten um 4,3 Prozent stieg. Weil der Euro im Jahr 2018 deutlich stärker war als 2017, stieg der Umsatz in der Stammwährung Euro jedoch nur um 1,5 Prozent auf 77,9 Milliarden Euro. Der operative Betriebsgewinn erreichte 5,3 Milliarden Euro.

Dass die einstigen Visionen das Kerngeschäft zunehmend dominieren, zeigt sich auch an der Personalplanung: In den nächsten fünf Jahren will Bosch 25 000 Software- und Informatikexperten einstellen. Die Zahl der KI-Experten soll bis 2021 sogar auf 4000 vervierfacht werden. Bis 2022 will Bosch für die Automatisierung mit vier Milliarden Euro in Vorleistung treten.

52 Millionen internetfähige Produkte

Denner sieht gute Chancen, den enormen Vorsprung auszugleichen, den chinesische Firmen und US-Konzerne wie Google mit ihrem enormen Datenschatz erarbeitet haben, der ihre KI-Systeme für eine Unzahl von Situationen trainiert. Bosch will dem ein eigenes System entgegensetzen, in dem ein kleinerer Datenbestand mit Expertenwissen des Unternehmens, etwa zum Verkehr, verknüpft wird. Dies biete „weit mehr Potenzial als die von amerikanischen und chinesischen Unternehmen dominierte KI für die Konsumindustrie“. Zudem verfüge Bosch angesichts von 52 Millionen internetfähigen Produkten, die allein im vergangenen Jahr verkauft wurden, ebenfalls über einen umfangreichen Datenschatz.

Kritisch geht Bosch mit der Art und Weise ins Gericht, mit der die EU den Klimawandel bremsen will. Dieses Ziel sei für Bosch nicht weniger als die „Triebfeder der Innovationsstrategie“, sagt Denner. Die Reduzierung der Treibhausgase könne dazu beitragen, Dürren, Missernten, Sturmfluten und einen Anstieg des Meeresspiegels zu verringern und so einen Großteil der zu erwartenden klimabedingten Wanderungsbewegungen zu verhindern. Die EU-Regeln sehen nun vor, dass der CO2-Ausstoß von Fahrzeugen bis 2030 um 37,5 Prozent sinkt. Allerdings sei das Bild von den Emissionen unvollständig, solange die Erzeugung von Kraftstoffen und Strom nicht berücksichtigt werde. So werde beim Einsatz synthetischer Kraftstoffe auch künftig nicht berücksichtigt, dass bei deren Erzeugung CO2 aus der Atmosphäre gebunden werde. Die EU verpasse somit „bedauerlicherweise die Chance, über diese alternativen Kraftstoffe weitere Anreize für emissionsarme Mobilität zu schaffen“. Wichtige Potenziale, um den Ausstoß von CO2 zu verringern, blieben so ungenutzt.

Ziel: Weltmarktführer auch beim E-Auto

Bosch gibt den Diesel keineswegs auf, verfolgt aber gleichzeitig beim Elektroauto ehrgeizige Ziele. „Wir wollen Marktführer im Massenmarkt für Elektromobilität werden“, so Denner. Bis 2025 wolle man den Umsatz mit der Elektromobilität auf fünf Milliarden Euro mehr als verzehnfachen. Eine besonders wichtige Rolle spielt hier trotz der konjunkturellen Abkühlung der Markt in China, in dem Bosch bereits Marktführer ist. Im weltgrößten Markt für Elek­trofahrzeuge wurden im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Million dieser Autos verkauft, was einem Zuwachs von 60 Prozent entspricht. Insgesamt, über alle Produkte und Geschäftsbereiche hinweg, ist allerdings nach wie vor Europa der der wichtigste Markt. Dort erzielte das Unternehmen mit 41 Milliarden Euro über die Hälfte seines globalen Umsatzes.

In das laufende Jahr geht der Konzern mit gedämpften Erwartungen – vor allem wegen geopolitischer Entwicklungen wie dem Handelsstreit zwischen China und den USA sowie dem Brexit. Nicht nur diesen beiden Themen liege das Muster eines „zunehmenden, teils aggressiven Nationalismus“ zugrunde. Bosch verfolge allerdings das Ziel, sich als Unternehmen besser zu entwickeln als die Märkte, auf denen man tätig ist.

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