Kapitän Lars Stindl und die Gladbacher Borussia gehen auf dem Zahnfleisch. Foto: Getty

Der Pokalgegner des VfB Stuttgart leidet nach vielen englischen Wochen unter dem Kräfteverschleiß. Das könnte eine Chance für den VfB sein, kommentiert Sportredakteur Marco Seliger.

Stuttgart - Max Eberl ist das Kämpfen gewohnt. Früher, als er noch als Verteidiger auf dem Platz unterwegs war, da machte er gefühlt auch nichts anderes. Max Eberl grätschte, rannte und rackerte und brachte es so immerhin auf 104 Bundesliga-Spiele. Und das Beste daran war, dass er die Dinge auf dem Spielfeld mit seinem schier unbändigen Einsatz ­direkt beeinflussen konnte. Jetzt, als Manager von Borussia Mönchengladbach, kämpft der Bayer wieder. Aber dieses Mal sind ihm die Hände gebunden. Eberl kann nichts machen, wenn er davon spricht, „dass wir bei der Borussia gerade richtig zu kämpfen haben“. Der Manager meint ­damit die angespannte Personalsituation – und die Tatsache, dass die Fohlen vor dem Zweitrundenspiel im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart an diesem Dienstag (20.45 Uhr) angesichts der vielen englischen Wochen schon zu dieser frühen Saisonphase müde und ausgelaugt daherkommen.

Max Eberl würde in diesen Tagen wohl am liebsten selbst noch einmal eingreifen auf dem Platz und zur Not für fünf Mann auf einmal grätschen. Jetzt bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. „Uns macht die Dreifachbelastung zu schaffen“, sagt der Sportchef, „wir haben extrem viele Verletzte, die uns fehlen.“ Eberl beneidet in diesen ­Wochen die Hoffenheims, Leipzigs, Berlins und Kölns, die nicht international spielen und in der Bundesliga ausgeruht zum ­Höhenflug ansetzen. „Die haben die Möglichkeit der Regeneration. Uns fällt das schwer“, sagt er. „Das Reisen, das ganze Hin und Her. Ich beschwere mich nicht, wir sind froh, dass wir spielen dürfen, aber es ist so: Warum hat Dortmund Probleme, warum hat Leverkusen Probleme, warum hat Gladbach Probleme, Schalke, Mainz, all die Mannschaften, die international spielen und immer diese Reisen haben? Dem zollt man Tribut.“

Die Borussia, sie leidet in dieser Saison unter dem Fluch ihrer guten Taten aus den ­ver­gangenen Spielzeiten. Mönchengladbach ist dank der klugen und kontinuierlichen Entwicklung unter Max Eberl zum konstanten Anwärter auf die Champions-League-Plätze geworden. Die europäische Königsklasse bedeutet aber auch Stress – und Kraftverlust. In der vergangenen Woche rang eine Gladbacher Rumpftruppe Celtic Glasgow auswärts nieder. Ein paar Tage später dann, im Spiel beim FC Bayern (0:2), konnten ­einige Borussen noch immer nicht schmerzfrei geradeauslaufen und taumelten kraftlos auf dem Platz umher.