Doppeltorschütze gegen Inter Mailand: Achraf Hakimi von Borussia Dortmund. Foto: AFP/Bernd Thissen

Spätestens durch das 3:2 gegen Inter Mailand in der Champions League hat Borussia Dortmund aus dem Tal der Tränen gefunden. Vor allem ein Mann ist dafür verantwortlich.

Dortmund - Lucien Favre lief gerade in extrem beschwingter Stimmung zu seinem Wagen, als ihm am Dienstagabend einer der BVB-Spieler – in gelbem Kapuzenpulli und in Begleitung von fünf Freunden – entgegenkam. Dortmunds Chefcoach schaute kurz genauer hin, erkannte unter der Kapuze das Gesicht von Achraf Hakimi – und hob mahnend den Finger. Der junge Marokkaner war tags zuvor 21 geworden, nun wollte er mit den Freunden offensichtlich noch ein bisschen um die Blöcke ziehen. Es war 23.45 Uhr.

Das Signal Favres war klar: Hakimi möge es bloß nicht übertreiben mit dem Nachfeiern – obwohl er ja allen Grund gehabt hätte. Nach dem 3:2 von Borussia Dortmund gegen Inter Mailand in der Champions League war der junge Mann schließlich aus allen Ecken mit Lob überhäuft worden. Der wichtige Erfolg über die Italiener, nach 0:2-Pausenrückstand, brachte in der zweiten Halbzeit die Rückeroberung des atemberaubenden Dortmunder Pressings. Mit Hakimi als leidenschaftlichem Anführer. „Das war richtiger BVB-Fußball. Sehr intensiv, sehr mutig. All das, was wir uns eine ganze Zeit lang erwünscht hatten“, schwärmte der BVB-Lizenzspielerchef Sebastian Kehl.

Hakimi strebt stets nach vorne – aber überlegt

Schon im ersten Durchgang fiel Hakimi, nominell Rechtsverteidiger, immer wieder mit Offensivaktionen auf. Das rauschende Comeback der Schwarz-Gelben nach der Pause schob er dann mit seinem Anschlusstor in Stürmermanier an. Ehe er schließlich, nach Julian Brandts Ausgleich, die Dortmunder Gefühlswelt mit seinem – selbst eingeleiteten – Siegtor endgültig entzündete.

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„Schon in der ersten Halbzeit hatte er ein paar Momente, wo er für uns vorne wirklich den Unterschied ausgemacht hat. Er ist in herausragender Verfassung. Man kann ihn hinstellen, wo man will. Er tut unserem Spiel enorm gut – weil er uns die Gier und diese ­gewisse Verrücktheit bringt“, sagte Kehl über Hakimi. „Er ist extrem offensiv. Er will immer nach vorne. Und er fühlt sehr gut, in welcher Situation er nach vorne laufen kann“, schloss sich Trainer Favre dem Lob an. Ebenso Mario Götze, der sagte: „Gerade mit seinem Speed aus der Tiefe ist er eine große Bereicherung für uns.“

Der Sieg tut dem BVB gut

Vier der fünf BVB-Treffer in der Champions League hat nun Hakimi erzielt, gegen Inter übertünchte der Leihspieler von Real Madrid damit auch die eine oder andere Schwäche in der Defensive. Nach dem bisherigen Saisonverlauf trauen die Chefs der ­Borussia dem Braten allerdings noch nicht ganz. Die Mannschaft sei nicht so schlecht gewesen, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt worden sei, befand Hans-Joachim Watzke. Der BVB-Boss sagte aber auch: „Das waren zuletzt knappe Siege, die uns auch schwergefallen sind.“

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Für die Partie am Samstag (18.30 Uhr) bei den Bayern erhofft sich der vorsichtige Watzke nun „ein bisschen Rückenwind“. Etwas furioser äußerte sich Spielerchef Kehl: „Der Sieg tut extrem gut – gerade in dieser Woche, wo wir diese emotionalen Erlebnisse gut gebrauchen können. Der Sieg gegen Inter beflügelt ein wenig.“

Zu viel Wind wollen die Verantwortlichen den Spielern vor der Reise nach München aber nicht in die frisch geblähten Segel ­blasen – für die allgemeine Zurückhaltung sorgen allein die zahlreichen krachenden Niederlagen bei den Bayern aus der jüngeren Vergangenheit. Anfang April erst setzte es ein 0:5, vier Tore fielen bereits vor der Pause.

Kehl fordert eine „andere Einstellung“ in München

Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels steckte damals noch im Trikot der Bajuwaren und erinnert sich: „Der BVB hat damals nicht dagegengehalten. Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir gewinnen. Das dürfen die Bayern diesmal nicht haben – weil sie dafür eine viel zu starke Mannschaft haben.“ Ähnlich betrachtet die Angelegenheit auch Offensivspieler Brandt, der vorschlägt: „Wir sollten gar nicht so sehr immer auf München gucken – sondern wirklich bei uns bleiben.“

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Sebastian Kehl holt wegen seiner vielen persönlichen Erfahrungen noch weiter aus und fordert für die nächsten Tage unmissverständlich: „Wir brauchen eine andere Einstellung und müssen uns anders vorbereiten als in den letzten Jahren. Die Bayern sind auch verunsichert – wir haben alle Möglichkeiten, auch dort etwas zu holen.“

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