Sichtlich mitgenommen: Boris Johnson nach dem Klinikaufenthalt Foto: dpa/Pippa Fowles

Donald Trump hat das Corona-Virus lange Zeit nicht ernst genommen – nicht als Einziger. Auch Boris Johnson, Alexander Lukaschenko und Bolsonaro taten dies.

Stuttgart/ London - US-Präsident Donald Trump hat die Gefahr durch das Corona-Virus lange Zeit herunter gespielt. Dabei ist er unter den Staatsführern nicht allein: auch Boris Johnson, Alexander Lukaschenko und Bolsonaro taten dies.

Boris Johnson: Ich verdanke den Ärzten mein Leben

Er schien stark zu sein und unverwüstlich wie ein Bär: Der britische Premier Boris Johnson (56) hat ähnlich wie Donald Trump die Gefahren des Corona-Virus lange heruntergespielt. Aber im Frühjahr erkrankte er selbst daran und musste zeitweise sogar auf der Intensivstation behandelt werden.

Wie Johnson gehört auch Trump einer Risikogruppe an: Beide Staatschefs sind Männer mit Tendenz zum Übergewicht, wobei der Brite während seiner Erkrankung stark abgenommen hat. Mit 74 Jahren ist Trump vom Alter her deutlich gefährdeter als der fast 20 Jahre jüngere Johnson.

Ähnlich wie Trump, der in den vergangen Monaten trotz der Pandemie Wahlkampf-Events ohne Maske in vollen Hallen veranstaltete, nahm es Johnson zu Beginn mit der Corona-Disziplin nicht so genau: „Ich schüttle weiterhin die Hand“, ließ er im Frühjahr verlauten.

Doch seine schwere Erkrankung läuterte den Briten: „Ich kann ihnen nicht genug danken“, sagte er kurz nach seiner Entlassung von der Intensivstation über seine Ärzte und Pfleger. „Ich verdanke ihnen mein Leben.“ Zudem kündigte er an, mit allen Mitteln gegen Corona - die von ihm ernannte größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg - zu kämpfen.

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Alexander Lukaschenko: Wodka und Sauna gegen das Virus

Der Präsident von Belarus (Weißrussland), Alexander Lukaschenko gilt als einer der stärksten Corona-Skeptiker. Entgegen dem dringenden Rat der Weltgesundheitsorganisation ließ er – als einziges Land – am 8. Mai in der Hauptstadt Minsk eine Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkrieges mit Tausenden von Soldaten ohne Maske abhalten. Lukaschenko hat die Angst vor der Corona-Pandemie oft als „Psychose“ und „Panikmache“ bezeichnet und als Heilmittel Wodka und Sauna empfohlen hat. Zwei Wochen vor der Präsidentenwahl im August erklärte der Präsident – der heute unter massivem Druck der Bevölkerung steht – dass er selbst an Covid-19 erkrankt gewesen sei. „Sie sehen hier einen Mann, der das Coronavirus aufrecht stehend überlebt hat. Ärzte kamen gestern zu diesem Ergebnis. Ohne Symptome“, sagte Lukaschenko damals.

Jair Bolsonaro: Habe Schimmel in meiner Lunge

Auch Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro (65) hat die Corona-Gefahr lange unterschätzt beziehungsweise klein geredet: Man müsse „dieser leichten Grippe wie ein Mann“ entgegen treten, hatte er im Frühjahr behauptet und sich über Maskenpflicht und Abstandsgebote hinweggesetzt. Ein Gericht musste ihn zum Tragen der Maske zwingen. Inzwischen hat Bolsonaro seinen Ton gemäßigt, schließlich hatte er sich im Juli selbst infiziert, Symptome gezeigt und er musste für drei Wochen in die häusliche Quarantäne, gemeinsam mit seiner ebenfalls infizierten Gattin Michelle. Nach überstandener Erkrankung äußerte sich Bolsonaro selbstbewusst und nahm die Amtsgeschäfte wieder auf: „Ich denke, dass sich alle von Ihnen eines Tages anstecken werden. Wovor haben Sie Angst“, sagte er vor Reportern. Wochen später aber berichtete der Genesene von neuen Gesundheitsproblemen: Er habe „Schimmel in der Lunge“. Mit fast fünf Millionen bestätigten Corona-Fällen ist Brasilien nach den USA (sieben Millionen) das am zweitstärksten von der Pandemie betroffene Land.

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