Borgman Das Böse ganz alltäglich

Von Wolfram Hannemann 

Das Böse als ganz alltäglich ­zeigen – das ist die Absicht des niederländischen Regisseurs Alex van Warmerdam, Spezialist für skurrile und schwarzhumorige Filme. Er lässt dieses Böse von ganz normalen Männern und Frauen verkörpern.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Borgman"

Ohne das Wissen ihres Mannes gewährt ­Marina einem Landstreicher Unterschlupf im Gartenhaus der Villa. Im Laufe der Zeit gewinnt dieser einen zunehmenden Einfluss auf die Frau und ihre drei Kinder. Als plötzlich der Gärtner auf mysteriöse Weise ­verschwindet, nimmt der Obdachlose eine neue Identität an. Als Gärtner Borgman fängt er an, sich in die Familie zu integrieren und sie zu manipulieren. Das jedoch ist erst der Anfang eines höchst perfiden Plans.

» Trailer zum Kinofilm „Borgman

Das Böse als ganz alltäglich ­zeigen – das ist die Absicht des niederländischen Regisseurs Alex van Warmerdam, hierzulande bekannt geworden mit skurrilen und schwarzhumorigen Filmen wie „Noorderlingen“ oder „Die letzten Tage der Emma Blank“. Er lässt dieses Böse von ganz normalen Männern und Frauen verkörpern, die ihren Aufgaben mit Stolz, Vergnügen und einer skrupellosen Gründlichkeit nachgehen.

Gleich zu Beginn des Films bewaffnen sich drei Männer mit spitzen Eisenstangen und Gewehren. Dass einer von ihnen ein Priester ist, macht stutzig. Entschlossenen Schrittes macht sich der zu allem bereit scheinende Trupp auf den Weg in ein nahe gelegenes Waldstück. Wie wild hacken sie mit ihren Eisenstangen auf dem Untergrund herum, bis der schließlich einbricht und eine Art Versteck freigibt.

In letzter Sekunde kann sich der in dem Erdloch hausende bärtige Mann in ­Sicherheit bringen. Auf seiner Flucht warnt er Verbündete, die ebenfalls in Erdlöchern hausen. Erst später wird klar, dass es genau diese Erdlochbewohner sind, die sich bei den Villenbesitzern einnisten werden.

Der Schluss liegt nahe, dass es sich bei diesen Waldmenschen nicht um Menschen, sondern vielmehr um Dämonen in Menschengestalt handelt. Van Warmerdams Film ist dabei alles andere als lustig. Skurril vielleicht, aber niemals lustig. Denn in seiner Radikalität und Kompromisslosigkeit erinnert er an die Filme seines österreichischen Kollegen Michael Haneke („Funny Games“).

Durch den fast kompletten Verzicht auf Filmmusik schafft van Warmerdam eine schier unerträgliche und gleichzeitig dokumentarisch anmutende Grundstimmung, die schon sehr früh ahnen lässt, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird.

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