Passau ist oft der Beginn oder das Ende einer Flussreise auf der Donau. Foto: Bergfee/Adobe Stock

Die Flusskreuzfahrt-Branche steuert auch 2017 ein Umsatz- und Buchungsplus an. Der Durchschnittspreis lag zuletzt bei 1030 Euro. Probleme bereiten überlastete Häfen.

München - Es ist ein Kraftakt für Petra Sinka und ihre 20 Mitarbeiter. Die Geschäftsführerin des mittelständischen Reisebüros Follow Me in München organisiert derzeit die erste Kreuzfahrt-Messe in der Bayern-Metropole. Am 22. Oktober werden in der Wappenhalle München-Riem rund 30 Veranstalter von See- und Flussreisen ihre Angebote präsentieren. Erwartet werden rund 5000 Besucher. „Fast alle für den deutschen Markt wichtigen Reedereien haben zugesagt“, freut sich die umtriebige Chefin, die sich auf Kreuzfahrten spezialisiert hat. Das Interesse bei Kunden sei immens, immer wieder sei nach einer Publikumsmesse gefragt worden, die in München bisher fehle. So packte das Reisebüro das Projekt selbst an. Neben allen Infos zu Schiffsreisen soll es ein Begleitprogramm und eine Jobbörse für Arbeitsplätze auf Schiffen geben.

Gerade bei Flussreisen gebe es noch großes Wachstumspotenzial, sagt Petra Sinka. Derzeit liegt der Anteil am Kreuzfahrtenumsatz ihres Reisebüros erst bei zehn Prozent. „Doch immer mehr ältere Menschen entdecken diese Reiseform für sich“, berichtet die Expertin, „zudem haben sich die Qualität der Angebote und die Vielfalt der Routen stetig verbessert.“

Das Geschäft mit Flussreisen brummt. Fast 436 000 Kreuzfahrten auf Donau, Rhein und anderen Fließgewässern weltweit wurden 2016 in Deutschland gebucht, 12 000 Reisen mehr als im Jahr zuvor. Nach dem drittbesten Ergebnis der letzten Jahrzehnte soll es auch 2017 weiter nach oben gehen, die Rückgänge der Jahre 2012 und 2013 sind Vergangenheit.

Auch die Reisebüros verdienen gut

„Die Buchungen bei Flussreisen laufen diese Saison sehr gut“, freut sich Thomas Rolf, Geschäftsführer der Astoria Reisebüro GmbH in Osnabrück, einem Spezialisten für Kreuzfahrten. Voriges Jahr erreichte der Gesamtumsatz der Branche fast 449 Millionen Euro. Daran verdienen auch die Reisebüros: Große Veranstalter zahlen meist mindestens zehn Prozent schon ab der ersten Buchung.

Der Durchschnittspreis einer Flusskreuzfahrt lag zuletzt bei immerhin 1030 Euro. Das sind fast 80 Euro mehr als noch 2014, als der Preiskampf unter den Anbietern ausartete und kurz danach Nicko Cruises sogar zeitweise in die Insolvenz rutschte. Doch diese Krisenjahre sind überwunden. Der Stuttgarter Veranstalter hat den Neustart erfolgreich geschafft und steuert wie die Branche wieder stramm auf Erfolgskurs.

Das Vorurteil, dass Urlaub auf Flüssen nur was für Rentner sei, will Jörg Eichler endlich aus der Welt schaffen. Der Chef der A-Rosa Flussschiff GmbH in Rostock vermarktet Flusstouren als alternative Städtereisen und hat Yvonne Catterfeld engagiert. Die Schauspielerin wirbt seither als Markenbotschafterin in sozialen Medien und Katalogen für die Kreuzfahrten des Unternehmens auf Donau, Rhein, Mosel und Seine.

So sollen jüngere Gäste für Flusstouren begeistert werden, ohne die ältere Kundschaft zu verprellen. Reisebüro-Chef Thomas Rolf vermisst jedoch vor allem passende Angebote für die mittlere Generation der Kunden zwischen 40 und 60 Jahren: „Da muss es an Bord mehr geben als den Bingo-Abend fürs betagtere Publikum und den Alleinunterhalter aus der Ukraine, der Helene-Fischer-Lieder spielt.“

Angesichts des knappen Platzes auf einem Flussschiff sei es aber schwer, unterschiedliche Geschmäcker zu bedienen, räumt Rolf ein. Auf einem 300 Meter langen Hochseedampfer mit 13 Decks fällt das leichter. Auch der Vertriebsexperte erkennt aber die Anstrengungen der Branche an, mit neuen Schiffen, Häfen und Zielgebieten, mit mehr Komfort und Luxus an Bord, mit Ausflugs-, An- und Abreise-Paketen und vielen Sonderangeboten mehr Gäste an Bord zu holen.

Auch weniger befahrene Flüsse sind gefragt

Rhein und Donau bleiben die beliebtesten Fahrtgebiete von deutschem Flussreisenden. Allerdings verlagerte sich voriges Jahr die Nachfrage leicht auf weniger befahrene Flüsse. Kein Wunder: In Städten wie Passau und Regensburg spuckt in der Hochsaison inzwischen eine Armada von Schiffen oft Hunderte Touristen aus, die sich dann in den engen Gassen der Innenstädte gegenseitig auf die Füße treten. Ähnlich am Main. In Bamberg hat sich die Zahl der anlegenden Schiffe zwischen 2006 und 2015 fast verdreifacht, in Würzburg gar zwischen 2001 und 2014 mehr als verzehnfacht. So fragen sich manche, ob die Flussreise-Branche an die Grenzen ihres Wachstums stößt. Passau ist zeitweise bereits so belagert, dass Donau-Kreuzfahrten mangels Anlegeplätzen erst in Österreich starten können. Die meisten Städte legen sich aber weiter schwer ins Zeug, die recht ausgabefreudigen Schiffstouristen anzulocken. Besonders die Gäste aus Übersee auf den Schiffen von US-Anbietern, die auf Europas Flüssen inzwischen die Nummer eins sind, gelten als zahlungskräftige Besucher. Die lokale Wirtschaft und die Reeder sind sich deshalb meist einig in der Forderung, dass die Hafen-Infrastruktur in vielen Destinationen verbessert und ausgebaut werden sollte.

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