Daimler-Chef Zetsche bekommt neben seinem Jahresbonus noch Millionen aus früheren Jahren. Foto: dpa

Die Streckung von Bonus-Zahlungen ist gut gemeint, führt aber den Gedanken der leistungsgerechten Bezahlung ad absurdum. Das zeigt sich am aktuellen Vergütungsbericht von Daimler, meint Wirtschaftsredakteurin Barbara Schäder.

Frankfurt - Gewinn runter, Bonus runter. Auf den ersten Blick bestätigt die Entwicklung der Vorstandsbezüge bei Daimler den Sinn einer leistungsorientierten Vergütung. Allerdings ist die Kürzung des Jahresbonus leicht zu verschmerzen, wenn ein Vorstand wie Dieter Zetsche noch Millionen-Zahlungen aus früheren Jahren erhält. Gewiss – auch deren Höhe hängt an Erfolgskriterien wie der Entwicklung des Aktienkurses. Doch ob der 2018 geflossene Langfristbonus aus dem Jahr 2014 damals höher oder niedriger veranschlagt wurde, weiß vermutlich nicht einmal mehr Zetsche selber.

Dass Bonuszahlungen zeitversetzt erfolgen, hat seinen Grund: Vorstände sollen motiviert werden, nachhaltig zu handeln. Doch die Vergütungssysteme sind dadurch so kompliziert geworden, dass selbst ihre Nutznießer den Zusammenhang zwischen ihrem Tun und der endgültigen Bezahlung kaum noch erfassen dürften. Und die Öffentlichkeit fühlt sich verschaukelt.

Wie wäre es einfach mit Aktien?

Wenn man Boni für unverzichtbar hält, sollte man sie einfacher gestalten. Beispiel: Der Vorstand bekommt neben dem Gehalt Unternehmensaktien, die er frühestens zwei Jahre nach seinem Ausscheiden zu Geld machen darf. Damit würde man Insidergeschäften vorbeugen und gleichzeitig die Interessen von Vorstand und Aktionären in Einklang bringen.

Gewiss: Es könnte passieren, dass ein schlechter Konzernchef dann vom Talent seines Nachfolgers profitiert. Oder dass ein guter Ex-Vorstand seine Aktien wegen einer Rezession erst einmal nur zu Schleuderpreisen verkaufen kann. Aber erstens können sich Ex-Manager leisten zu warten – und zweitens: Wirklich gerecht sind auch die heutigen Vergütungssysteme nicht.

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