Ein buntes Fest für Jung und Alt mit einem Hauch von Afrika: der 50. Geburtstag der Evangelischen Kirchengemeinde Bonhoeffer-Kirche. Foto: Götz Schultheiss

Die evangelische Kirchengemeinde im Fasanenhof hat den 50. Geburtstag ihrer Kirche gefeiert. Dass dies überhaupt möglich war, hat die Gemeinde dem Eingreifen einer Behörde zu verdanken.

Fasanenhof - Alteingesessene und Einwanderer aus Afrika und Asien haben am Sonntag mit einem Festgottesdienst und Spiel und Spaß für Kinder den 50. Geburtstag des Evangelischen Gemeindezentrums Bonhoeffer-Kirche gefeiert. Vor allem Afrikanerinnen aus Ghana, Nigeria und Kamerun in bunten Batik-Gewändern brachten den Hauch der großen weiten Welt ins Anzug-mit-Krawatte-Einerlei.

Im Grußwort der weltlichen Gemeinde verwies die Bezirksvorsteherin Evelyn Weis auf die Anfänge vor einem halben Jahrhundert: „Vieles war damals noch nicht fertig. Die Orgel fehlte noch und auch die Kapelle musste noch fertiggestellt werden.“

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt

Im Laufe der Jahrzehnte drohte der Kirche der Abriss. „Die Kirche mit Gemeindezentrum war für 5000 Menschen geplant, aber die Mitgliederzahl der Kirchengemeinde ist nach und nach auf 1600 gesunken“, sagte Evelyn Weis. Schließlich habe man den Abriss der Kirche beschlossen. Aber „zum Glück“ habe das Landesdenkmalamt das Gemeindezentrum insgesamt unter Ensemble-Schutz gestellt. „Einige Kirchengemeindemitglieder und der Architekt der Kirche hatten sich dafür starkgemacht“ erinnert sich Pfarrer Jürgen Spohn. Eine Lösung, um mit Kirchensteuerausfällen finanziell umgehen zu können, habe man gefunden. „Wir haben an Gastgemeinden wie das afrikanische Christ Mission Center und die koreanische Gemeinde, aber auch an den Nordkaukasischen Kulturverein und ans Projekt Fair vermietet.“ Sonntagmittags gebe es in der Kirche einen afrikanischen und im Gemeindesaal einen koreanischen Gottesdienst. Bei großen Festen profitiere die evangelische Kirchengemeinde von den Bands der Afrikaner und der Koreaner.

Es herrscht ein herzlicher Umgang

Jürgen Spohn ist unter den Menschen im Fasanenhof glücklich. „Die Leute hier haben ihren eigenen Liebreiz. Im Vergleich zu den Menschen in Möhringen und in Sonnenberg sind sie mehrheitlich nicht so wohlhabend, aber es herrscht ein herzlicher Umgang, auch mit Menschen aus Einwandererfamilien.“ In der Gemeinde herrsche große Offenheit auch gegenüber Muslimen anderen Religionen: „Das alles und die hervorragende Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde schafft ein gutes Miteinander.“

Seit 43 Jahren, seit das Behindertenzentrum (BHZ) von Vaihingen ins Industriegebiet auf dem Fasanenhof umgezogen ist, ist Inklusion im Quartier gelebte Wirklichkeit. „Die Zugehörigkeit zur Bonhoeffer-Gemeinde ist für uns ein Glücksfall, weil viele Gemeindemitglieder das BHZ auf vielfältige Weise begleitet haben“, sagte Oberkirchenrat Helmut Beck in einem Grußwort.

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