Das Landratsamt Böblingen postiert zur Zeit Sicherheitskräfte im Flur. Unser Humorkolumnist vermutet, dass sie eine Wendeltreppe ersetzen.
Wenn die Deutschen statt reißerische Internet-Schlagzeilen ihren guten alten Geheimrat Goethe lesen würden, dann wüssten sie: „Sorgen bringt das liebe Leben, Sorgenbrecher sind die Reben.“ So aber ist des Deutschen liebstes Hobby, sich Sorgen zu machen. Er macht sich Sorgen um die Klimaveränderung, weil ja dann in Zukunft alles wärmer wird, er macht sich Sorgen um die Klimaveränderung, die den Golfstrom anhält, weil ja dann in Zukunft alles kälter wird. Er will im sichersten und wohlhabendsten Land mit der besten Krankenversorgung und den meisten Jobs der Welt keine Kinder in die Welt setzen, weil – sich der Deutsche eben um alles und jedes Sorgen macht. Anstatt ein Fläschchen Wein zu öffnen, den Feierabend zu genießen und die Kinder die Probleme lösen lassen, gerade so in Mode sind.
Und dann machen sich die Leute auch noch ständig Sorgen, weil irgendwelche Typen vor ihren Büros im Flur rumlungern.
Denn das Landratsamt Böblingen sorgt sich natürlich auch. In einer internen Mitteilung, keine Sorge, liebes Landratsamt, wir hängen das nicht an die besonders große Glocke, weil wir absolut vertrauliche interne Mitteilungen generell nicht veröffentlichen, um die Bevölkerung in nicht noch mehr Sorgen zu stürzen, wurde am 17. Juli den Mitarbeitern also folgendes erklärt:
Kein Warten auf den Waffenschein
Weil im Landratsamt Böblingen ein neuer Fluchttreppenturm errichtet wird, muss eine Wendeltreppe abgebaut werden, die als Fluchtweg diente. Damit nun die Sicherheit überall und immer gewährleistet ist, und das Gebäudemanagement sorglos schlafen kann, kam das Landratsamt auf eine glänzende Idee: In jedes Stockwerk wurde ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes postiert, der aufpasst, dass es nicht brennt, und wenn es doch brennt, soll er die Menschen über das Treppenhaus in die Tiefe und anschließend ins Freie geleiten. Falls sich also jemand fragt, warum Tag und Nacht dunkel gekleidete Securitys vor den Büros stehen: Sie warten nicht auf ihren neuen Waffenschein, sondern darauf, dass Feuer ausbricht.
Vorsorglich bittet das Landratsamt, „die Arbeitszeit vor Ort auf die üblichen Arbeitszeiten zu beschränken.“ Logisch, denn die Typen, die vor den Büros stehen, wollen ja auch mal Schluss machen.
Der Hinweis, dass jene Mitarbeiter, die nach Feierabend ihren Arbeitsplatz stets fluchtartig zu verlassen pflegen, sich nicht an die Security zu wenden brauchen, erging nicht.