Foto: Hörner

Auftrag für Wolff & Müller - Mittelständler baut auch Technikgebäude des Tiefbahnhofs.

Stuttgart - Kurz nach dem positiven Gerichtsurteil zum Abbruch der Seitenflügel hat die Bahn am Donnerstag den Auftrag zum Abbruchauftrag des Nordflügels erteilt. Den Zuschlag erhält mit Wolff&Müller eine Firma aus Stuttgart. Die Bauarbeiter könnten schon im Sommer anrücken.

Die Bahn drückt aufs Tempo: Wenige Stunden, nachdem das Landgericht Stuttgart am Donnerstag die Urheberrechtsklage abgewiesen und damit den Abbruch der Seitenflügel des Hauptbahnhofs für zulässig erklärt hat, hat die Bahn das erste Signal zum Abriss gegeben.

Als erstes werden die Bagger am Nordflügel des Bontaz-Baus ansetzen. Den heiklen Auftrag, der mit dem Neubau eines Technikgebäudes für den Tiefbahnhof von Stuttgart21 unter dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz verbunden ist, übernimmt der Stuttgarter Baukonzern Wolff&Müller. Entsprechende Informationen dieser Zeitung bestätigt am Freitag der Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm: "Diese Bauleistungen sind am Donnerstagmittag nach der Urteilsverkündung des Landgerichts vergeben worden", sagt Wolfgang Drexler.

Inhaltliche Details zu dem ersten großen Bauauftrag für Stuttgart21 nannte Drexler nicht. Auch das Bauunternehmen, dessen Mitarbeiter "sehr erfreut" auf den Zuschlag nach europaweiten Ausschreibung reagierten, will sich offiziell erst in der kommenden Woche äußern. Dann sollte auch die zentrale Frage, wann der Abbruch des Nordflügels beginnt, muss noch einige Tage warten.

Drexlers Kommunikationsbüro hat bisher nebulös erklärt, der Abbruch werde "in der zweiten Jahreshälfte" stattfinden. Nun könnte es gut sein, dass die ersten Bauarbeiter schon im Sommer anrücken. Die Schließfachanlage der Post im Nordflügel wird zur Jahresmitte aufgegeben; dem Pächter des kostenpflichtigen Parkplatzes am Nordausgang mit 111 Stellplätzen ist von der Stadt zur Jahresmitte gekündigt worden.

Abbruch ganz langsam, Stein für Stein

Um Teile der Sandsteinfassade für den künftigen Innenausbau der Kopfbahnsteighalle des Bonatz-Baus zu erhalten - und um die Emotionen von Stuttgart-21-Gegnern nicht noch anzuheizen - wird der Abbruch des Nordflügels vermutlich nicht mit großer Wucht, sondern langsam Stein für Stein geschehen. Bis das Erdgeschoss und die zwei Obergeschosse des Nordflügels verschwunden sind und der Boden dort neu befestigt ist, dürften demnach etliche Wochen vergehen. Die entstehende Lücke zwischen Landesbank und Bonatz-Bau bleibt offen; unter anderem als ebenerdige Rettungszufahrt zum alten Hauptbahnhof.

Der Bau des zweigeschossigen Gebäudes mit einer Grundfläche von 1800 Quadratmetern unter dem heutigen Autoparkplatz wird sehr viel aufwendiger. In den Zweckbau, der noch zum kleinen Teil unter dem Bonatz-Bau ragt, wird später die umfangreiche Eisenbahn- und Gebäudetechnik des Tiefbahnhof eingebaut.

Bis zum 31.Dezember 2012 muss das Technikgebäude fertig gebaut sein. Während dieser ersten Bauphase von Stuttgart21 sollen unter anderem auch die Verlegung der Stadtbahntunnel unter dem Kriegsberg und der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie beginnen. Unter dem Fuß des Bahnhofsturm wird eine Anlage zur Grundwasserreinigung errichtet. Wann der größere und schwerer zugängliche Südflügels des Bonatz-Baus fällt, ist noch offen. Mit dem Bau von Stuttgart21 wurde im Februar 2010 begonnen; im Jahr 2019 soll das Projekt samt ICE-Trasse fertig sein.

"Wir haben stets gefordert, dass der Mittelstand bei Stuttgart21 beteiligt wird", sagt am Freitag Klaus Bissinger, Geschäftsführer beim Verband Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Man benötige dringend Impulse aus Großbauvorhaben, betont Bissinger. Darum sei der Auftrag für Wolff&Müller eine "gute Nachricht". Das sieht auch Drexler so. Stuttgart21 und die ICE-Trasse sind mit 6,1 Milliarden Euro veranschlagt. Wie viel Bauvolumen an die deutsche Wirtschaft fließt, lässt sich wegen der europäischen Ausschreibungen nicht vorhersagen.

Wolff&Müller ist 1936 in Stuttgart gegründet worden. Mit 2000 Mitarbeitern und einer Jahresleistung von 600 Millionen Euro gehört die Firma zu den größten familiengeführten Bauunternehmen Deutschlands. Am Stammsitz hat Wolff&Müller zuletzt das Mercedes-Benz-Museum (2005), den Kronprinzbau (2007) und das Hotel Camino (2008) an der Heilbronner Straße gebaut.

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