Mit dem Bagger wird das Erdreich über der Fundstelle vorsichtig abgetragen. Foto: Andreas Rosar

Wo ein Blindgänger vermutet wurde, entdeckte der Kampfmittelbeseitigungsdienst nur Schrottteile einer Fliegerbombe. Bei der Suche hatten die Fachleute mit einer gefährlichen Überraschung gerechnet.

Stuttgart - Die Schule ist geschlossen geblieben, der Friedhof offen: Weder haben die Steinhaldenfelder am Sonntag eine Notunterkunft in den Klassenzimmern der Jörg-Rathgeb-Schule gebraucht, noch mussten sie bei sommerlichen Temperaturen das Gießen der Blumen auf den Gräbern verschieben. Denn die angekündigte Evakuierung mehrere Straßenzüge und die Absperrung eines Sicherheitsbereichs rund um den Friedhof entfiel. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst konnte am Samstag Entwarnung geben: Dort, wo ein noch scharfer Blindgänger im Boden vermutet worden war, fanden die Experten lediglich etwas Metallschrott in der Erde.

Ganz falsch war der Verdacht aber nicht gewesen: Diee Metallteile waren Überreste einer im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle offenbar abgeworfenen und detonierten Bombe, wie sich herausstellte. Wäre die Bombe nicht explodiert gewesen, hätte der Blindgänger am Sonntag entschärft werden müssen. Das hätte die Evakuierung angrenzender Wohngebiete nach sich gezogen – und eben auch die Sperrung des Friefhofes, in dessen Nähe die Fachleute den Einschlagtrichter auf Luftbildern der Alliierten bei einer routinemäßigen Absuche mithilfe der Aufnahmen entdeckt hatten.

Feuerwerker befürchteten, einen gefährlichen Langzeitzünder zu finden

Die Experten waren im Vorfeld von einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit ausgegangen, dass an der verdächtigen Stelle nahe dem Friedhof ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkriegim Boden stecken würde. Die Rede war von „bis zu 90 Prozent sicher“ gewesen. Das hatten die Leute vom Kampfmittelbeseitigungsdienst aufgrund von Luftaufnahmen des Gebiets angenommen. Über Steinhalfdenfeld führte eine von den Amerikanern im Jahr 1944 genutzte Einflugschneise. „Wir mussten aufgrund der Beladungslisten der Streitkräfte, die uns vorliegen, auch befürchten, dass es eine Bombe mit einem gefährlichen Langzeitzünder sein könnte“, sagte der Feuerwerker Christoph Rottner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg. Diese sind deswegen so gefürchtet, weil ihr Zünder aus einem Röhrchen mit einer Chemikalie besteht. Diese sollte sich nach dem Aufschlag langsam durch eine Membran fressen, um dann die Explosion auszulösen. Eine hinterlistige Methode der Angreifer: Die Menschen am Boden sollten sich in Sicherheit wiegen und aus den Bunkern kommen, dann erst zündete diese Art der Bombe. Den Feuerwerkern bleibt dann oft nur, die Bombe an Ort und Stelle kontrolliert zu sprengen. Mechanische Zünder können sie meistens sicher ausbauen.

Beim vorsichtigen Buddeln mit einem kleinen Bagger hätte sich innerhalb von zwei Stunden herausgestellt, dass im Boden nur Bomenreste lagen. „Den Schrott haben wir dann eingesammelt und mitgenommen“, sagt Rottner. Was für eine Bombe es genau war, habe man nicht mehr feststellen können. Außerdem habe man noch andere Schrottteile an der Stelle zwischen dem Hauptfriedhof und der Gemarkungsgrenze zu Fellbach entdeckt. „Das haben wir auch einfach eingeladen“, sagt der Feuerwerker. Fünf Leute vom Kampfmittelbeseitigungsdienst waren im Einsatz.

Nach der Entwarnung war noch nicht Feierabend. Der nächste Alarm folgte. Rottner fuhr nach Metzingen, um eine Granate zu sichern und abzutransportieren.

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