Christoph Rottner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst hat erst im Februar bei Korntal-Münchingen eine britische Fliegerbombe entschärft. Foto: factum/Weise

2600 Menschen müssen in Weilimdorf am Sonntag ihre Häuser verlassen, damit Feuerwerker einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärfen können. Ob der Einsatz reine Routine sein wird, hängt vom Zünder ab, den die Experten nach der Freilegung ausmachen werden.

Weilimdorf - Eine fünf Zentner schwere US-Fliegerbombe, die seit dem Zweiten Weltkrieg unter der Erde geschlummert hat, ist Schuld daran, dass circa 2600 Menschen am Sonntag in Giebel nicht ausschlafen dürfen. Gegen 8 Uhr wird die Polizei Gebäude in einem Radius von rund einem halben Kilometer evakuieren, damit Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg sie entschärfen können. Ob der Einsatz reine Routine sein wird, hängt von dem Zünder ab, den die Experten nach der Freilegung ausmachen werden.

„Wir werden gegen halb 9 vor Ort sein und etwa drei Stunden lang aufbauen“, sagt Christoph Rottner, Feuerwerker beim Kampfmittelbeseitigungsdienst. Sein fünfköpfiges Team muss die Bombe des Typs GP 500 lb zunächst freilegen und anschließend den Zünder ausbauen. „Wenn es sich um einen einfachen, mechanischen Zünder handelt, wird der Ausbau einfach“, erklärt Rottner, der erst im Februar einen ähnlichen Blindgänger des britischen Typs MC 500 auf einem Acker direkt neben der Autobahn 81 bei Korntal-Münchingen entschärft hatte. Sollte es sich um einen chemischen Zünder handeln, würde es sich deutlich schwieriger gestalten. Doch davon geht der Profi aktuell nicht aus. „Seit 2011 kam dies in Baden-Württemberg nur vier Mal vor“, sagt er. Die 20 Blindgänger, die man im vergangenen Jahr im Land beseitigt hatte, besaßen alle einen mechanischen Zünder. 2010 war eine Fliegerbombe, die einen chemischen – auch Säurezünder genannt – besaß, in Göttingen explodiert, als der Kampfmittelräumdienst die Entschärfung vorbereitete. Dabei starben drei Menschen, zwei wurden schwer verletzt. In Baden-Württemberg habe es in jüngster Vergangenheit keine Zwischenfälle mit Verletzten oder Toten gegeben.

Auch die Stadtbahn ist betroffen

Die betroffenen Anwohner wurden vom Amt für öffentliche Ordnung schriftlich über die bevorstehenden Maßnahmen informiert. Im Sicherheitsbereich liegen die Straßenzüge Engelbergstraße 10 sowie 28 bis 86, Giebelstraße 55 und 6, Lurchweg 1 bis 17 und 10, Mittenfeldstraße 79 bis 147 sowie 86 bis 128, Sandbuckel 45 bis 47 sowie 56 bis 70 und Solitudestraße 97 bis 109. Anwohner, die keine Aufenthaltsmöglichkeit für die Zeit haben, können ab 8 Uhr vorübergehend in die Sporthalle beim Solitude-Gymnasium, Spechtweg 40.

Von 8 Uhr an wird der Sicherheitsbereich abgesperrt. Die Einfahrt ist dann nicht mehr möglich. So wird die Engelbergstraße zwischen der Einmündung Giebelstraße und der Einmündung Solitudestraße gesperrt. Die Polizei leitet den Verkehr um. Auch die Stadtbahn ist betroffen. Die Haltestellen „Salamanderweg“ und „Bergheimer Hof“ der Stadtbahnlinie U6 liegen im Sicherheitsbereich. Während der Evakuierung kann die U6 noch genutzt werden. Sobald die Entschärfung beginnt, wird der Fahrbetrieb vorübergehend eingestellt. Die Buslinie 90 bleibt durchgehend in Betrieb.

Gefunden hat man den Weilimdorfer Blindgänger über Luftbilder. Laut Rottner wird er nach der Entschärfung zunächst eingelagert und anschließend vernichtet. Nur in sehr seltenen Fällen wird eine Bombe am Fundort gesprengt. Zuletzt geschah dies am 18. Februar in Nürnberg, wo ein Blindgänger mit chemischem Zünder auf einer Baustelle im Nürnberger Industriegebiet Höfen gefunden worden war.

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