Die Boko Haram terrorisiert den Nordosten Nigerias seit Jahren mit Attentaten und Angriffen auf die Zivilbevölkerung. Foto: dpa

Rund Sechs Monate hält die Terrororganisation Boko Haram einen deutschen Lehrer in ihrer Gewalt. Eine Spezialeinheit des Kameruns befreit ihn nun aus den Fängen der Islamisten.

Jaunde/Berlin - Nach sechs Monaten Geiselhaft ist ein Deutscher von den kamerunischen Streitkräften aus den Fängen der islamistischen Terrororganisation Boko Haram befreit worden. Der im vergangenen Juli in Nigeria entführte Mann sei beim Einsatz einer Spezialeinheit in Sicherheit gebracht worden, teilte Kameruns Staatschef Paul Biya am Mittwoch mit. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, der Deutsche sei inzwischen in Jaunde, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes.

„Ich wusste nicht, ob ich überleben würde“, sagte der Deutsche nach der Ankunft in einer Militärmaschine am Flughafen Jaunde. „Es war komplett dunkel, wo ich gefangengehalten wurde“, sagte der sichtlich ausgemergelt und erschöpft wirkende Mann. Niemand habe mit ihm kommuniziert. Er habe während der Gefangenschaft 50 Kilo verloren. „Unter diesen Bedingungen kann man nicht wissen, ob man überleben wird.“

Strenge Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen ließen es nicht zu, Details über seine Befreiung zu erfahren. Auch die kamerunischen Behörden gaben keine Einzelheiten preis - noch nicht einmal, ob er im Nachbarland Nigeria oder in Kamerun befreit wurde. Offenbar handelt es sich um einen deutschen Lehrer, der im Juli im Nordosten Nigerias von Boko Haram verschleppt worden war. Der Lehrer leitete in Gombe im Bundesstaat Adamawa ein Berufsbildungszentrum.

Der deutsche Botschafter in Kamerun, Klaus-Ludwig Keferstein, sagte, der Mann werde medizinisch untersucht, bevor er nach Deutschland zurückgeflogen werden könne. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte auf die Frage nach dem Gesundheitszustand des Deutschen: „Ich vermute, dass es dem Mann den Umständen entsprechend gut geht.“

Kameruns Staatschef Biya begrüßte das „Happy End“

Kameruns Staatschef Biya begrüßte das „Happy End“ und dankte allen, die zur Befreiung beigetragen hätten, insbesondere auch der deutschen Bundesregierung. Nach der Entführung hatte der Anführer der brutalen Terrorgruppe, Abubakar Shekau, in einer Videobotschaft gedroht, den Deutschen zu töten.

Kamerun hat in dem Gebiet bereits in der Vergangenheit die Befreiung ausländischer Geiseln erreicht. Im Oktober kamen nach Bemühungen Jaundes zehn seit Mai verschleppte Chinesen frei. Im Oktober hatten Bewaffnete in Nigeria einen deutschen Mitarbeiter der Baufirma Julius Berger entführt. Dieser kam nach rund einer Woche wieder frei. Ob ein Lösegeld gezahlt wurde, blieb unklar. Ein weiterer Deutscher, der für einen Subunternehmer von Berger arbeitete, wurde bei der Entführung erschossen. Trotz der Sicherheitsrisiken vor allem im Norden des Landes bleibt das ölreiche Nigeria als größte Volkswirtschaft des Kontinents für deutsche Unternehmen interessant.

Boko Haram terrorisiert den Nordosten Nigerias mit Attentaten und Angriffen auf die Zivilbevölkerung. Schätzungen zufolge sind dabei seit 2009 mehr als 15 000 Menschen getötet worden. Die Gruppe will im Nordosten Nigerias und in den angrenzenden Gebieten Kameruns und des Tschads einen sogenannten Gottesstaat mit strikter islamischer Gesetzgebung errichten.

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