Das Areal vom MTV Ludwigsburg soll aufgeforstet werden. Bundestagsabgeordneter Steffen Bilger (CDU) macht sich vor Ort ein Bild. Besteht noch Hoffnung für die Sportler?
Die Zielscheiben sind schon längst abgebaut, die Sportler trainieren seit Oktober in der Halle. Und doch war am Dienstagnachmittag auf der Bogenanlage einiges los. Mehr als 30 Mitglieder standen in der Nachmittagssonne und hofften auf gute Nachrichten. Der Grund: Der MTV Ludwigsburg muss nach 60 Jahren die Fläche abgeben. Das Gelände, knapp 10.000 Quadratmeter groß und auf einer Lichtung im Osterholzwald gelegen, gehört dem Bund – und der löst den Pachtvertrag zum Ende des Jahres mit einem Aufschub für ein weiteres Jahr auf. Die Abteilung Bogenschießen hat daraufhin Presse und Politik eingeschalten. Gekommen ist Steffen Bilger, CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ludwigsburg.
20 Jugendliche und 25 bis 30 aktive Erwachsene trainieren von März bis Oktober auf der Bogenanlage in der Nähe des Waldhauses zwischen Asperg und Ludwigsburg. Aber eben nur noch bis zum Auslaufen des Vertrags, ist sich Abteilungsleiter Jürgen Uhlmann sicher. „Dann verlieren wir die Abteilung, für uns gibt es keinen anderen Platz“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung vor wenigen Wochen. „Und selbst wenn gibt es im Verein kaum Manpower und Geld für einen Umzug.“
Bima will Gelände aufforsten
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) führt das Grundstück dem Bundesforst zurück. Dieser übernehme die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung und Entwicklung als naturnahe Waldfläche, hieß es von der Pressestelle. Bislang stand außerdem die Möglichkeit im Raum, auf der Fläche Container mit Batteriespeichern für erneuerbare Energie abzustellen. Damit könnte man Schwankungen bei der Stromerzeugung und beim Verbrauch ausgleichen.
Diese Info ist mittlerweile überholt, berichtete Steffen Bilger, der mit der Bima telefoniert hat. „Es geht um die Aufforstung des ganzen Areals, eine andere Nutzung ist nicht angedacht.“ Sein Plan: Er will einen Vor-Ort-Termin mit der Bima, Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht, Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger, dem MTV und ihm organisieren – und das noch in diesem Jahr.
Mitglieder sind frustriert
Bislang sei die Bima nicht zu Gesprächen bereit gewesen, kritisiert Abteilungsleiter Uhlmann. Er investiert seit Wochen viel Zeit in den Versuch, die Pachtauflösung zu verhindern. „Das ist aufwendig und nervenaufreibend“, sagt er. Ständig würden ihn Mitglieder fragen, wie es nun weitergeht.
Steffen Bilger kann den Frust der Mitglieder verstehen. „Da steckt unfassbar viel ehrenamtlicher Einsatz drin.“ Er könne aber auch nachvollziehen, dass die Bima in einem so dicht besiedelten Landkreis brachliegendes Gelände sucht, um es aufzuforsten. Ob sich die Auflösung des Pachtvertrags noch verhindern lässt? Dazu könne er keine Prognose abgeben. „Meiner Erfahrung nach ist die Bima aber gesprächs- und kompromissbereit.“
Jürgen Uhlmann hat nach dem Termin ein klein bisschen Hoffnung. „Oberbürgermeister Knecht hat signalisiert, dass er hinter uns steht, Christian Eiberger hat sich geäußert, Steffen Bilger will jetzt vermitteln: Wenn sich solche Menschen einschalten, geht es vielleicht in die richtige Richtung“, sagt er.
Ansonsten seien das jahrelange Ehrenamt und die viele Stunden auf dem Platz für die Katz. Sollte die Bima dem MTV tatsächlich die Pacht kündigen, muss er sich einen neuen Verein suchen. „Dann aber nur noch als Schütze selbst, eine Abteilung würde ich nach der Erfahrung nicht nochmal aufbauen.“ Für ihn der letzte, logische Schritt: ein einwöchiger Streik über alle Sportarten des MTV hinweg. „Dann hoff’ ich doch, dass ein Aufschrei kommt.“