In Gerlingen präsentieren sich die Ausbilder auch outdoor. Foto: factum/Granville

Der persönliche Kontakt zwischen Schülern und Firmen sei immer noch unschlagbar, sind sich Lehrer, Unternehmen und Arbeitsagentur einig. Die Ditzinger Realschule hat das schon vor längerer Zeit erkannt – und lädt seit mehr als zehn Jahren regelmäßig Betriebe zu sich in die Schule ein. Und auch in Gerlingen gibt es seit diesem Jahr eine Ausbildungsbörse. Allerdings zur gleichen Zeit.

Gerlingen/Ditzingen - Gleich zwei an einem Tag in unmittelbarer Nähe – etwas unglücklich gewählt war der Termin für die Ausbildungsbörse in Gerlingen und den Berufsinfomarkt in Ditzingen. Denn beide Veranstaltungen haben am Donnerstag dasselbe Ziel verfolgt – Schüler und Unternehmen aus der Region zusammenzubringen. So mussten sich Besucher und Aussteller meist für eine der Messen entscheiden.

Die Realschule in der Glemsaue in Ditzingen lädt bereits seit mehr als zehn Jahren Handwerker, Banken, Versicherungen und die Verwaltung dazu ein, sich beim Berufsinfomarkt den 14- bis 17-Jährigen Schülern vorzustellen. „Für unsere Neuntklässler ist es eine Pflichtveranstaltung“, sagt Monika Schleicher, die die jährliche Messe im Foyer der Schule organisiert. Aber auch die Schüler der achten und zehnten Klassen kämen vorbei, um mit den Personalleitern der rund 40 Betriebe ins Gespräch zu kommen. „Unser Ziel ist, dass die Schüler in einem der Unternehmen einen Ausbildungsplatz finden“, sagt Schleicher.

Die Schüler helfen mit – und kommen oft als Azubis wieder

Die Lehrerin bedauert allerdings, dass sich nicht mehr Handwerker präsentieren. „Oft sind es familiengeführte Unternehmen, die nicht jedes Jahr einen Ausbildungsplatz anbieten können.“ Doch über die Zahl und Fülle der Unternehmen kann sich die Organisatorin kaum beklagen: die meisten Betriebe kommen bereits seit Anfang der Börse und immer wieder gesellen sich neuen Firmen dazu. „Vor allem die Schule aus Ausstellungsort und die familiäre Atmosphäre finden die Unternehmen toll“, sagt Schleicher. Auch viele Schüler seien mit Herzblut dabei. Am Auf- und Abbau seien gut 50 Schüler beteiligt. „Die Schüler identifizieren sich mit der Messe. Und wenn sie dann in der Ausbildung sind, kommen sie oft als Aussteller zurück oder überreden ihren Arbeitgeber, an dieser teilzunehmen.“

Außerdem sei es eine gut Gelegenheit für die Schüler, eine realistische Einschätzung von möglichen Berufen und ihren eigenen Fähigkeiten zu erhalten, sagt Helmut Hokenmaier, der kommisarische Rektor der Realschule. „Es macht einen Unterschied, ob die Eltern einem sagen, man solle sich in Mathe mehr anstrengen, oder ob ein Ausbildungsleiter einem mit einer Vier im Zeugnis schlechte Einstellungschancen prognostiziert.“

Ausbildung oder duales Studium?

In Gerlingen verfolgen der Stadtmarketingverein Mein Gerlingen, der Jugendgemeinderat und die Stadt Gerlingen eine ähnliche Idee. Rund 30 Unternehmen haben sich am Donnerstagnachmittag in der Stadthalle gezeigt und ihre Angebote im Bereich Ausbilung und duales Studium vorgestellt. „Wer wusste denn etwa, dass man in Verbindung mit unserem Fitnesstudio auch dual studieren kann?“, sagt Heike Bischoff, die Vorsitzende des Stadtmarketingvereins.

Birgit Festtag, Sprecherin bei der Arbeitsagentur Ludwigsburg hält Ausbildungsmessen auch in der heutigen Zeit für sinnvoll. „Der persönliche Kontakt zwischen Unternehmen und Schüler ist immer noch das Beste“, sagt sie. Denn das Internet liefere nicht alle Antworten. Ähnlich sieht das auch die Industrie- und Handelskammer. Die Börsen seien „nach wie vor ein sehr wichtiger Rekrutierungsbaustein“, sagt Sigrid Zimmerling, die Geschäftsführerin der Bezirkskammer Ludwigsburg.

Im nächsten Jahr wollen sich die Veranstalter der beiden Messen im Strohgäu übrigens besser absprechen – und die Börsen an verschiedenen Tagen ausrichten. In beiden Fällen soll es jedoch bei einem Termin Anfang des Jahres bleiben.

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