Felix Kingreen hat zwei Söhne und hat für die beiden Elternzeit genommen. Foto: Stefanie Schlecht

Der Böblinger Felix Kingreen ist nach der Geburt seiner beiden Söhne in Elternzeit gegangen. Er ist einer der wenigen Väter, die diese Entscheidung nach der Familiengründung treffen – und er hat sie nicht bereut.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts steigt die Zahl der Väter, die Elterngeld beantragen. Nach den neusten Zahlen bezogen 2021 rund 472 000 Männer Elterngeld, ein Anstieg um 2,1 Prozent zum Vorjahr auf 25,3 Prozent. Es ist also erkennbar, dass Familienmodelle immer mehr in Fluss geraten. Obwohl es noch viel Luft nach oben gibt, was die Verteilung der Sorgearbeit für Kinder angeht: Denn wer Elterngeld bezieht, muss nicht zwangsläufig Elternzeit nehmen. Personen, die Elterngeld beziehen, dürfen allerdings in dieser Zeit nicht mehr als 32 Stunden in der Woche arbeiten. Die meisten müssen also ihre Arbeitszeit reduzieren. Allerdings gibt es auch hier noch einen erheblichen Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Dauer des Bezuges: Während Mütter 2021 durchschnittlich 14,6 Monate lang Elterngeld erhielten, bezogen Väter die Leistung im Schnitt nur 3,7 Monate.

 

Felix Kingreen aus Böblingen ist einer der wenigen Väter in Deutschland, die nach der Geburt ihrer Kinder für einige Monate in Elternzeit gegangen sind. Gemeinsam mit seiner Frau Johanna hat er zwei Söhne, der eine ist zweieinhalb Jahre alt, der andere 14 Monate. Bei seinem ersten Kind war er ein halbes Jahr zu Hause, beim zweiten waren es vier Monate. Momentan arbeitet er in Teilzeit 30 Stunden pro Woche. Für das Elternpaar war klar, dass sie sich die Betreuung ihrer Kinder aufteilen. Finanziell habe es keinen Unterschied gemacht, wer zu Hause bleibe, weshalb die beiden die Elternzeit gesplittet haben, erzählt der Böblinger.

Sein Chef war auf seine Anfrage nicht vorbereitet

Bei der Arbeit kennt Felix Kingreen nur einen weiteren Arbeitskollegen – allerdings in einer anderen Abteilung –, der ebenfalls in Elternzeit gegangen ist. Als der 32-Jährige seinen Chef darauf ansprach, dass er nach der Geburt seiner Kinder in Elternzeit gehen wolle, habe dieser zwar nicht mit seiner Entscheidung gerechnet, doch er unterstützte seinen Mitarbeiter. „Das ist schon wichtig, denn als Arbeitnehmer ist man in so einer Situation auf das Wohlwollen des Arbeitgebers angewiesen“, sagt Felix Kingreen. Obwohl an seiner Arbeitsstelle nur wenige seinen Weg gegangen sind, sieht er in seinem Umfeld trotzdem einige Väter, die beispielsweise in Teilzeit gehen und so traditionelle Familienmodelle aufweichen. Nach seinen Erfahrungen sind engagierte Väter längst keine Ausnahme mehr.

Zwar hat der 32-jährige Vater wegen seiner Entscheidung nicht mit Vorurteilen kämpfen müssen. Allerdings kann er nachvollziehen, dass manche Männer die Angst vor Vorurteilen gegenüber dem „Hausmann-Image“ belastet. Er erinnert sich, wie Kollegen und Bekannte zunächst nicht so recht einordnen konnten, was nun Elternzeit für ihn eigentlich bedeute. Fragen kamen auf, was er denn dann zu Hause mache, oder, ob er Renovierungsprojekte für die Zeit geplant habe.

Die faire Aufteilung der Aufgaben schafft Empathie

Felix Kingreen erzählt, dass der Wechsel der Bezugspersonen für seine Kinder kein Problem war. Eine unerwartet stressige Zeit sei es gewesen, auf die Söhne aufzupassen. „Sie brauchen die ganze Zeit volle Aufmerksamkeit, da kann man nebenher nichts anderes machen“, sagt er. Ewig wolle er nicht zu Hause bleiben, doch die faire Aufteilung der Sorgearbeit habe Vorteile: „Die Zeit hat uns beiden geholfen, mehr Verständnis für den anderen aufzubringen“, sagt er. Die Erfahrung, den ganzen Tag zu Hause zu sein – und während der Pandemie noch zusätzlich isoliert – schaffe Empathie, denn Elternzeit sei anstrengend – und keine Auszeit oder gar Urlaub.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot den Kommentar: Sorgearbeit muss fair verteilt werden

Auch schätzt er, dass nach der Elternzeit seine Kinder nicht allein auf die Mutter bezogen sind, sondern dass er gleichermaßen wie seine Frau Ansprechpartner für seine Söhne ist. Er selbst sieht seine Rolle aber pragmatisch: Das Familienmodell der Kingreens hat für beide Elternteile Sinn gemacht und der Staat habe es so ermöglicht. Mittlerweile sind beide Kinder in der Kita. Doch auch in Zukunft soll die Sorgearbeit für den Nachwuchs im Hause Kingreen unter den Eltern aufgeteilt werden: Beide haben vor, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, damit sie die Betreuung ihrer Kinder neben der Arbeit gemeinsam abdecken können.