Der insolvente Anlagenbauer wird derzeit abgewickelt. Nur wenige der entlassenen Mitarbeiter haben bislang einen neuen Job gefunden. Für die Eisenmann-Grundstücke in Holzgerlingen gibt es Interessenten, in Böblingen bleiben vier Firmen ansässig.
Böblingen - Für Helmut Wick ist es „eine ganz schlimme Situation“. Der Betriebsratsvorsitzende des insolventen Anlagenbauers denkt dabei vor allem an die rund 750 entlassenen Mitarbeiter in Böblingen und Holzgerlingen, die es schwer haben, einen neuen Job zu finden. Er meint aber auch den Untergang des einstmals stolzen Unternehmens. Eisenmann war weltweit für hochmoderne Lackieranlagen bekannt und verschwindet nun nahezu vollständig von der Bildfläche.
In Böblingen wird das Firmenschild noch eine Weile hängen bleiben. Jener Teil der Lackieranlagen-Sparte, der an die Nimbus-Gesellschaft verkauft wurde, soll weiterhin mit 110 Mitarbeitern am Standort unter „Eisenmann“ firmieren. Auch andere Abteilungen bleiben vorerst im Verwaltungsgebäude und im Bildungszentrum an der Tübinger Straße. Immerhin rund 300 ehemalige Eisenmann-Mitarbeiter haben dadurch in Böblingen auch in nächster Zeit ihren Platz.
Ganz anders stellt sich die Lage im Industriegebiet in Holzgerlingen dar. Dort wird im Dezember überhaupt niemand mehr sein, das Eisenmann-Gelände ist dann vollends verlassen. „Diese Situation ist enorm bitter“, sagt Holzgerlingens Bürgermeister Ioannis Delakos. Viele Mitarbeiter seien seit Jahrzehnten bei Eisenmann beschäftigt, gewesen, „die Familien kennen gar nichts anderes.“ Das Bürogebäude und die zwei Montagehallen sollen verkauft werden, Interessenten gibt es.
Strategische Fehlentscheidungen
Eisenmann sei durch eine falsche Firmenpolitik und strategische Fehlentscheidungen heruntergewirtschaftet worden sei, heißt es in der Branche. Das Management nahm schließlich zu Dumping-Preisen riskante Großaufträge in der Automobilbranche an, deren Abwicklung mehrfach zu großen Verlusten führte. Den Genickbruch soll schließlich die neue Lackieranlage bei Porsche in Zuffenhausen gebracht haben. In der Auftragsabwicklung habe es massive Probleme gegeben, schließlich war wohl sogar die Inbetriebnahme der Anlage in Gefahr. Porsche forderte im Juli 2019 einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag als Ausgleichszahlung, was Eisenmann nicht leisten konnte und der Firma die Insolvenz brachte. Firmenchef Matthias von Krauland, Schwiegersohn von Unternehmensgründer-Sohn Peter Eisenmann, war bald nicht mehr in Böblingen zu sehen.
Seitdem versucht Joachim Exner die Firma an Investoren zu verkaufen. Der große Deal platzte, nun ist die Eisenmann-Gruppe aufgelöst. Zwar sind Einzelteile erfolgreich veräußert, doch Hunderte von Mitarbeitern haben ihre Kündigung erhalten. Deren Zorn richtet sich vor allem gegen die alten Chefs, von denen die Direktoren Thomas Beck und Kersten Christoph Link das Insolvenzverfahren noch begleiten. Unbeliebter ist nur die Eigentümer-Familie, die jahrelang viel Geld aus dem Unternehmen gezogen hat. Mitarbeiter befürchten, dass aus irgendwelchen Verkäufen Geld in die Familienkasse fließen könnte, was aber beim immensen Schuldenstand der Firma wohl unmöglich ist. Die Meldung, dass die Finca Es Fangar von Peter Eisenmann auf Mallorca verkauft wird, war da ein wenig Balsam für die Seele.
Rund 650 Kündigungen ausgesprochen
Innerhalb der Eisenmann Anlagenbau GmbH mussten rund 650 Kündigungen ausgesprochen werden, etwa 600 Mitarbeiter gingen kurzfristig in eine Transfergesellschaft, die über einen Zeitraum von drei Monaten mit staatlicher Unterstützung noch 75 Prozent des Nettolohns sichert und etwa Bewerbungstraining organisiert. Für einen längeren oder üppigeren Puffer, bevor die Arbeitslosigkeit ansteht, reichte das Geld der Anlagenbau-Sparte nicht. „Es gibt einzelne positive Rückmeldungen, dass neue Jobs gefunden werden“, berichtet Helmut Wick, „aber bislang ist das nur bei einem geringen Anteil der Fall.“
Ebenfalls betroffen: die Eisenmann SE, quasi die Dachorganisation des Unternehmens. Hier waren die Verwaltung, die Grundstücke samt Immobilien, die Patente und die Ausbildung angedockt. Rund 200 Beschäftigte gehören zur Eisenmann SE. „Darunter befinden sich auch etwa 40 Studenten und 30 Auszubildende – für sie sind wir gerade dabei, gute Lösungen zu finden“, sagt Joachim Exner. Alle normalen SE-Mitarbeiter wurden zum 30. November gekündigt und blicken in eine ungewisse Zukunft. Wobei etwa 60 „Eisenmänner“ noch etwas länger bleiben sollen, um sämtliche Restarbeiten im fast abgewickelten Unternehmen zu erledigen.