Schon 1942 fährt die Straßenbahn durch die Böblinger Straße. Wir spazieren sie einmal ganz entlang bis zum Marienplatz – in der Bildergalerie. Foto: Stadtarchiv/101 FN 250

Die Böblinger Straße ist eine der längsten Straßen Stuttgarts. Wie sah sie vor 80 Jahren aus? Das erkunden wir auf einem virtuellen Spaziergang zum Marienplatz.

Die Böblinger Straße hat fast 600 Hausnummern. Das liegt daran, dass sie vom Erwin-Schoettle-Platz bis nach Vaihingen führt, wo sie irgendwann Rottweiler Straße heißt. Wie hat sie vor 80 Jahren ausgesehen? Für den Kaltentaler Teil der Straße beantworten wir die Frage in diesem Beitrag mit mehr als 20 Bildern. Wie es zwischen Vogelrain und Marienplatz weitergeht, zeigt die umfangreiche Bildergalerie zu diesem Text.

 

Der Bereich bis zum Heslacher Friedhof war schon Ende des 19. Jahrhunderts relativ dicht bebaut, wie alte Karten aus dem digitalen Stadtlexikon zeigen. Das historische Straßenbild lässt sich besser jenen Ansichten entnehmen, die im Bestand für unser Projekt „Stuttgart 1942“ enthalten sind – 12 000 im Stadtarchiv verwahrte Fotos fast aller Gebäude und aller Straßen des damaligen Stadtgebiets.

Die Bilder vermitteln den Eindruck eines relativ ruhigen Alltags. Ab und zu rauscht eine Straßenbahn durchs Bild, einige wenige Autos und etwas mehr Passanten sind auf der Straße und den schon damals schmalen Gehwegen zu sehen. Pferdefuhrwerke verlassen das „Stuttgarter Hofbräu“-Gelände. Im Erdgeschoss finden sich meist Geschäfte oder Gastronomie, darüber wird gewohnt. Dieses alte Heslach meint man noch heute zu spüren, wenn man den Spaziergang 80 Jahre später nachgeht, zumindest im relativ kompakten, trotzdem nicht allzu großstädtischen Städtebau.

Was die Fotos (nicht) zeigen

Dass die Realität alles andere als rosig war, versteht sich von selbst. Fast drohend hat die NSDAP ihre Signatur auf das alte Schulhaus gepinselt. Worüber sprechen die drei Menschen am Bihlplatz, vielleicht über die an der Front Gefallenen? Was ist damals übrig vom Stolz des „roten Heslach“, in dem alle Parteien außer jener der Nazis seit fast zehn Jahren verboten sind? Zumal etliche deportiert wurden, sei es aus politischen oder rassistischen Gründen.

Das ist die Realität, die von den Fotos nicht eingefangen werden kann. Sehr wohl aber etliche andere Details im Stadtbild: die großen Telefonzellen und die schmalen Haltestellen-Markierungen zum Beispiel, die Litfaßsäulen, Geschäftsschilder und zum Lüften herausgehängten Kissen und Decken, aber auch Traditionsgeschäfte wie die Papierhandlung Simmendinger.

Manches hat sich in Heslach verändert, die Böblinger Straße fühlt sich heute noch ganz ähnlich an wie vor 80 Jahren. Umso mehr lohnt sich der Blick auf die Details. Viel Spaß beim Spaziergang!