JazzTime in der Böblinger Kongresshalle: Hinter „Vocal & more“ steckte eine starke Besetzung, die einen Ohrenschmaus-Abend versprach . Foto: Epple

Die JazzTime-Macher haben beim letzten Konzert des Jahres drei Landesjazzpreisträger an Bord. Das Publikum ist verzückt.

„Vocal & more“ ist das Konzert übertitelt. Dahinter verbergen sich Tilman Jäger (Piano und Organisation), Martin Grünenwald (Schlagzeug) und die drei Landesjazzpreisträger Franziska Ameli Schuster (Gesang), Sebastian Schuster (Kontrabass) und Christoph Neuhaus (E-Gitarre). Also eine starke Besetzung, die einen Ohrenschmaus-Abend verspricht.

 

Mit „Wave“ nach Brasilien

Das haben sich auch die rund 180 Besucher gedacht, die am Freitagabend den Württembergsaal in der Böblinger Kongresshalle füllten. Sie sollten nicht enttäuscht werden. Im Vorfeld freute sich Organisator Ralf Püpcke, dass inzwischen wieder mehr Jazzfans zu den Veranstaltungen strömen. „Die Leute setzen anscheinend wieder auf analoge Erlebnisse!“, so seine Vermutung. Mit dem Oberbürgermeister zusammen eröffnete er den Abend mit gegenseitig anerkennenden Worten für städtische Unterstützung und kulturelle Vielfalt.

Lange Vorreden sind an diesem Abend jedoch nicht gefragt gewesen, und so kam die Band denn auch auf die Bühne, um umgehend mit „Tune 88“, einem funky Blues loszulegen. Zunächst wurde dieses Warm Up als Quartett dargeboten und die vier Herren deuteten bereits an, wie viel Kreativität in ihnen steckt, allen voran Christoph Neuhaus mit seinen Gitarren-Licks. Danach erschien die, auf die sich Vokal-Fans wohl am meisten gefreut haben: Franziska Ameli Schuster. In der Flyer-Ankündigung wird sie als außergewöhnliche Bühnenpersönlichkeit beschrieben, die mit ihrer Musik Welten verbindet und ihr Publikum in den Bann zieht.

Zunächst holte sie mit der warmen Antonio Carlos Jobim – Nummer „Wave“ Brasilien ins kalte Deutschland; zärtlich und verspielt. In die Vollen griff sie erstmals bei „In a Sentimental Mood“ (Duke Ellington). Mit äußerst präsenter und facettenreicher Stimme bewegte sie sich sowohl in sonoren Tiefen, als auch in schwindelerregenden Höhen, von zart bis schreiend. Tastenwirbler Jäger setzte sie dabei virtuos in Szene. Lasziv und fordernd klang ihre Stimme bei Diana Kralls „Peel Me A Grape“. Neuhaus griff in die Saiten, intensiv und heulend mit WahWah-Effekten. Der Spaß auf der Bühne war nicht zu übersehen! Franziska Schusters Eigenkomposition „Rain“ setzte ein weiteres Vokalelement frei: Scat -und der Groove ging mit den Fünfen durch!

In der Pause zeigte sich die Besucherin Monika Buchheit aus Böblingen noch „ganz verzaubert von den neuen Klängen“, wie sie sagte. „Ich schwebe noch“ fügte die JazzTime Besucherin der ersten Stunde hinzu. Nach längerer, familiär-bedingten „JazzTime-Abstinenz“ freute sie sich über das Gehörte und was noch kommen sollte.

Meditative Session mit „Yakhlinkomo“

„Yakhlinkomo“ glich einer meditativen Session. Bassist Seba Schuster, Franziskas Bruder, hatte das Stück aus Südafrika mitgebracht, wo er 2013 an der „University of Cape Town“ studiert hat. Eine auf nur wenige Akkorde basierende Komposition – ruhig, minimalistisch und mit gelegentlichen Ausbrüchen garniert. „I`m Getting to See The Light” (D.Ellington), ein Swing bei dem sich Jäger hör- und augenscheinlich in seinem Element fühlt und der vielseitige Neuhaus eine wahnwitzige Skalen-Akrobatik an den Tag legte.

Das Genre Folk-Ballade wurde auch noch bedient. „Eye Adaba“ aus Nigeria ging tief unter die Haut, und Jobims „Triste“ mit Grünenwalds Handpercussion am Drumkit atmet Sehnsucht und fulminantes Herausgleiten aus der Tristesse. „Bottled Up Dancer“ von C. Neuhaus rundete das Konzert rockig mit einem ebensolchen Gitarrensolo erster Güte ab. Die Musiker wurden frenetisch gefeiert und gaben mit „Calling You“, einer wunderschönen Ballade, noch eine Zugabe, die ob ihres Tiefgangs keine verjazzten Weihnachtssongs vermissen ließ.