Peter Aue, einer der Sprecher der IG Fernwärme, hatte 2023 ins Böblinger Sparkassenforum eingeladen, um die Preiserhöhung öffentlich zu diskutieren. Foto: tefanie Schlecht

Die Kriege der USA treiben die Energiepreise nach oben. Die Böblinger Fernwärmekunden sind froh, dass sie vorerst von diesen harten Preissprüngen verschont bleiben.

Im Januar 2027 wird sich die Interessengemeinschaft (IG) Fernwärme wieder mit dem Thema Preisgestaltung beschäftigen, denn dann läuft der Vertrag mit den Böblinger Stadtwerken aus, von denen die Fernwärme geliefert werden. Ulrich Priebe, Sprecher der IG Fernwärme, rechnet nicht mit einem riesigen Preissprung, weil es die IG Fernwärme in zähen Verhandlungen geschafft hat, die Preisgestaltung von den Gas- und Ölpreisen zu entkoppeln.

 

Hierfür gibt es eine spezielle Preisformel, die immer für ein Kalenderjahr gültig ist. Die Preise werden turnusmäßig basierend auf statistischen Preis-Indizes jeweils im Herbst neu berechnet. Weil die Fernwärmekunden etwa 70 Prozent ihrer Energie vom Restmüllheizkraftwerk Böblingen (RMHKW) bekommen, bleiben hier die Kosten relativ konstant. Seitdem die Preisformel weitgehend von den fossilen Energiepreisen unabhängig ist, berechnet sich das Entgelt aus den Investitions-, Betriebs und Personalkosten des Kraftwerks, also aus der allgemeinen Inflation.

70 Prozent Restmüll stabilisieren die Preise

Anders sieht es bei den restlichen rund 30 Prozent der Wärme aus, die in Eigenregie von den Stadtwerken Böblingen hauptsächlich mit Gas erzeugt werden.

Das Restmüllheizkraftwerk Böblingen speist etwa 70 Prozent der Energie ins Böblinger Fernwärmenetz. Foto: Stefanie Schlecht

Dieser Anteil in der Kalkulation ist nicht nur von der allgemeinen Inflation abhängig, sondern vor allem von der Einkaufspolitik und den Weltmarktpreisen. Diese Abhängigkeit treibt den Preis nach oben – oder senkt ihn auch, wenn sich der Energiemarkt nach unten bewegt.

„Kleine Preissenkung 2025“

„So haben wir im Jahr 2025 sogar eine ganz kleine Preissenkung gehabt“; erinnert sich Ulrich Priebe, „Herr Trump wird aber auf jeden Fall für höhere Preise im nächsten Jahr – auch in unser Fernwärmeversorgung – verantwortlich sein“, schätzt Priebe.

Gesamt gesehen sind die Böblinger Fernwärmekunden durch den hohen Anteil an Abfallenergie aus dem RMHKW in Böblingen in einer besseren Lage als die Stadtwerke, die vollständig ihre Wärme aus Primärenergie erzeugen.

Dabei genießen die Böblinger den Vorteil ihrer langfristigen Verträge. „Es gibt auch Stadtwerke, die mehrmals im Jahr die Preise verändern können, da bekommen die Kunden den derzeitigen Trend am Energiemarkt kurzfristiger mit“, sagt Ulrich Priebe.

IG Fernwärme zeigte sich wehrhaft

Bei Preiserhöhungen hat sich die IG Fernwärme in der Vergangenheit als ziemlich wehrhaft gezeigt. Als die Preise im Jahr 2023 um 40 Prozent steigen sollten, wurde der Zwist öffentlich ausgetragen. Die Stadtwerke hatten argumentiert, die Wärme des Restmüllkraftwerks sei teuer geworden, die Kraftwerksbetreiber hatten das verneint, der Landrat Roland Bernhard schaltete sich ein und der Streit endete damit, dass sich der Fernwärmepreis künftig nicht mehr am Öl- oder Gaspreis orientieren sollte.

Zuvor hatte es im Jahr 2018 Streit um den Fernwärme-Preis gegeben. Damals geriet das Thema in den Wahlkampf zwischen dem amtierenden Oberbürgermeister Wolfgang Lützner und dem Herausforderer Stefan Belz. Es gibt nicht wenig Leute, die sagen, dass unter anderem dieses Thema den Wahlausgang zu Gunsten von Stefan Belz beeinflusst habe.