Das Aus der Ampel-Regierung macht aus dem Parlamentarischen Staatssekretär Florian Toncar wieder einen einfachen Wahlkämpfer für die FDP, der sogar um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen muss. Trotzdem ist ihm nicht bange.
Florian Toncar fragt gut gelaunt: „Guten Morgen, ein Flyer vielleicht für Sie?“ Er steht an einem Freitagmorgen auf dem Böblinger Elbenplatz. Die Kälte scheint die Marktbesucher fernzuhalten, auf dem Platz tummeln sich zeitweise mehr Wahlkämpfer als Passanten. Doch die gute Laune lässt sich der 45-jährige Politik-Profi davon nicht verderben. Dabei gehörten die vergangenen Monate sicher zu den turbulentesten seiner Karriere: Nach dem Ampel-Aus endete auch Toncars Amtszeit als Parlamentarischer Staatssekretär beim Finanzminister abrupt.
Zwar sah die FDP zunächst wie der Geschasste einer lange vorbereiteten Trennung aus, doch dann kam das sogenannte D-Day-Papier der Liberalen ans Licht. In dem Strategiepapier planten sie ihrerseits minutiös, wie sie die Ampel platzen lassen würden, und wer wann mit welcher Botschaft vor die Kameras treten solle. Darin verwendete militärische Begriffe wie „D-Day“ und „Offene Feldschlacht“ brachten der Partei beißende Häme ein.
„Ich kenne keine erfolgreichen Beispiele für eine Dreier-Koalition“, sagt er. Zwar habe die Ampel in ihrem ersten Jahr viele Erfolge gefeiert, „doch das Heizungsgesetz war der größte Fehler“, sagt er. Von diesem Misserfolg habe sich das Bündnis nicht wieder erholt. Dabei habe es gar nicht an den handelnden Personen gelegen, sagt Toncar. „Die Unterschiede in der Wirtschaftspolitik waren einfach zu groß.“ Deutschland durchlebe das dritte Rezessionsjahr in Folge, es bestehe dringender Handlungsbedarf. Wenig überraschend: Alle anderen Farbkombinationen außer Schwarz-Gelb hält er dafür mehr oder weniger ungeeignet.
FDP verharrt im Umfragetief
An seinem Wahlkampfstand auf dem Elbenplatz höre er vor allem das Thema Bürokratie und die Sorgen um die heimische Wirtschaft. Doch obwohl das Kernkompetenzen der FDP sind, schaffen es die Liberalen bislang nicht aus dem Umfragekeller. „Die Themen gewinnen an Konjunktur“, hält Toncar dagegen. „Es muss den demokratischen Parteien gelingen, in der Mitte der Bevölkerung zu reüssieren.“ Wie will seine Partei das schaffen? Etwa so: „Bei der Transformation der Autoindustrie gilt es, in der Batterietechnologie, beim Autonomen Fahren und in puncto Sicherheit wieder vorne mitzuspielen.“
Den Herstellern muss die Politik wieder mehr Luft geben, befänden sie sich doch in der Zange zwischen einer strengen EU-Regulierung auf der einen und der Konkurrenz aus China auf der anderen Seite. Gelingen werde das nicht mit Subventionen, sondern mit mehr Freiräumen: „Die Hersteller müssen ihre Hausaufgaben selbst machen.“ Elementar wichtig sei außerdem ein gutes Auskommen mit dem Haupt-Handelspartner USA, sagt Toncar. „Bei all der brachialen Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump – Deutschland muss den amerikanischen Unternehmen etwas anbieten, um weiter gute Handelsbeziehungen zu erhalten.“
Das nächste Großprojekt ist nun der Pfaffensteigtunnel, der eine direkte Schienenverbindung von Böblingen an den Stuttgarter Flughafen ermöglichen soll. „Hier steht bereits die Finanzierung, was noch fehlt, ist das Baurecht“, sagt er. Neben den Großprojekten habe er sich regelmäßig für Fördermittel eingesetzt, zuletzt für Sportstätten in Waldenbuch, Böblingen und Weil der Stadt. Seine Position als Staatssekretär sei dabei hilfreich, wenn nicht gar ausschlaggebend gewesen, sagt er.
Überragendes Ergebnis 2021
Bei der vergangenen Bundestagswahl erzielte er ein überragendes Ergebnis in Böblingen für die FDP mit 16,7 Prozent der Erststimmen und sogar 18,1 Prozent der Zweitstimmen, was das beste FDP-Ergebnis in Baden-Württemberg war. Kann Toncar das wiederholen? Eine Regierungsbeteiligung der FDP hält er durchaus für möglich: „Wir glauben, dass das erreichbar ist“, sagt er.
Immerhin sei einer aktuellen Umfrage zufolge mehr als ein Drittel der Wähler noch unentschlossen.
Zur Person: Florian Toncar
1979
in Hamburg geboren, in Weil im Schönbuch aufgewachsen.
1999
Abitur am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen, zuvor Schülersprecher.
ab 2000
Jura-Studium in Regensburg, Cambridge und Heidelberg; Abschluss 2012 mit Promotion.
2005 bis 2013
Mitglied des Bundestages; bei der ersten Wahl mit 25 Jahren jüngster Abgeordneter Deutschlands.
2014 bis 2017
Durch das Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde 2013 schied Florian Toncar aus dem Bundestag aus und war für die Wirtschaftskanzlei Freshfields tätig.
2017
Wiedereinzug ins Parlament und Ernennung zum Fraktionsgeschäftsführer.
2021 – 2024
erneuter Einzug in den Bundestag, von Dezember 2021 bis November 2024 Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium unter Christian Lindner, mit dem er zeitgleich entlassen wurde.