Ein Glücksfall für Waiblingen: Die Galerie Stihl feierte 2018 ihr zehnjähriges Bestehen. Foto: Archiv

Im Gegensatz zu anderen Kreisstädten schneidet Böblingen schlecht ab, weil kaum investiert wurde. Die Stihl Galerie in Waiblingen und das Stadtmuseum in Ludwigsburg sind Publikumsmagneten – aber für einen Preis.

Böblingen - So viel Stillstand wie in Böblingen herrscht in kaum einer anderen Kreisstadt – was die Pflege der Museumslandschaft betrifft. Im Vergleich zeigt sich: Andere Kreisstädte investieren mehr in diesen Bereich, Waiblingen und Ludwigsburg sogar Millionen. Und das zahlt sich bei der Besucherresonanz aus.

Böblingen: Museumsleitung als Halbtagsjob

Lange war in Böblingen die Leitung eines Museums ein Halbtagsjob. Erst vor zwei Jahren wurde die Stelle von Corinna Steimel aufgestockt: Sie kann sich nun in Vollzeit um die Städtische Galerie kümmern. 2018 folgte Cornelia Wenzel, die 75 Prozent für das Bauernkriegsmuseum zur Verfügung hat. Dieses Jahr ist Christian Baudisch vom Fleischermuseum mit der Aufstockung auf 100 Prozent an der Reihe. Alle drei teilen sich ein jährliches Budget von 173 000 Euro für Ausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit, Ankäufe. Zwischen 6000 und 9400 Besucher hatte die gemeinsam von der Galerie und dem Bauernkriegsmuseum genutzte Zehntscheuer zwischen 2014 und 2017, das Fleischermuseum pendelt um die 5000. Seit den 1980er Jahren wurde nicht mehr groß investiert. Der Versuch, auf dem Schlossberg für 19 Millionen Euro eine neue Galerie zu bauen, scheiterte im neuen Jahrtausend.

Sindelfingen: Galerie hat Vorrang

Sindelfingen kann mit seiner Galerie punkten, während Weberei- und Stadtmuseum in der Böblinger Liga spielen: Die Kunst zieht 12 000 Besucher im Jahr an, die Stadtgeschichte 7000. Die Galerie ist mit einer Leitungsstelle und einem Volontär ausgestattet, für die beiden anderen Einrichtungen gibt es eine Leitung sowie eine Vollzeitstelle für Museumspädagogik und andere Aufgaben. Für Ausstellungen und Veranstaltungen dürfen 109 000 Euro im Jahr ausgegeben werden, die Galerie erhält drei Viertel davon. Gegenüber der Kunst hat das Stadtmuseum auch bei der Sanierung den Kürzeren gezogen: 2015 war geplant, das Alte Rathaus für 5,5 Millionen in ein neues Museum zu verwandeln. Jetzt gibt es nur Geld für die Renovierung der Galerie.

Esslingen: viele Museen, wenig Besucher

Esslingen leistet sich gleich fünf Museen plus eine Galerie. Das Stadtmuseum, das Museum für den Verlagsgründer J.F. Schreiber, das Ausgrabungsmuseum St. Dionys, ein Schulmuseum und ein Lapidarium haben offenbar an Popularität verloren: Die Besucherzahlen gingen von zusammen fast 27 000 vor zehn Jahren auf rund 18 000 in 2018 zurück. Für die Einrichtungen gibt es 4,25 Stellen. Vor sieben Jahren kam die Idee auf, Stadtmuseum, Galerie und Bücherei unter ein Dach zu bringen, doch mittlerweile steht nur noch die Bücherei im Fokus. Die Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen, hat 11 000 Gäste im Jahr. Das Team hat sechs Personalstellen und 225 000 Euro für Ausstellungen und neue Kunst.

Waiblingen: Spende als Initialzündung

„Ein Glücksfall für Waiblingen“ sei die Galerie Stihl, sagt Thomas Vuk vom Fachbereich Kultur und Sport im Rathaus. Und ein Glücksfall war auch die „großzügige Spende“ der Eva Mayr-Stihl Stiftung, die Initialzündung für den Bau des rund sechs Millionen Euro teuren Kunstmuseums. Es lockt im Jahr gut 30 000 Besucher an. Die Galerie ist mit etwa sieben Stellen ausgestattet, davon eine für die Leitung, eine für die Öffentlichkeitsarbeit und 75 Prozent für den Kurator. Für die jährlich drei Wechselausstellungen können 312 000 Euro ausgegeben werden. Daneben beschränkt sich Waiblingen auf sein Haus der Stadtgeschichte, das mit dem Hochwachtturm und dem im Mai neu eröffneten Museum im Beinsteiner Tor zwei Außenstellen hat. Auch das Stadtmuseum ist auf recht neuem Stand: Das Gebäude von 1550 wurde vor fünf Jahren saniert, die Ausstellung erneuert. Rund 9000 Besucher schauen es sich im Jahr an. Zwei Vollzeit- und eine 40-Prozent-Kraft kümmern sich darum, ihr Etat: 40 000 Euro.

Ludwigsburg: Konzentration auf ein Haus

Ludwigsburg konzentriert sich auf das 2013 eröffnete MIK. Die Abkürzung steht für Museum, Information und Kunst, weil in dem Gebäudekomplex neben dem Stadtmuseum die Galerie des Kunstvereins, die Tourist-Info und ein Café untergebracht sind. Er besteht aus einem Neubau und einem sanierten Altbau für zusammen gut acht Millionen Euro. Neben acht Vollzeitkräften liegt das Budget bei 150 000 Euro für Ausstellungen, Sammlungsunterhalt und Veranstaltungen. 2018 besuchten 31 000 Menschen das Museum.

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