Der Böblinger Weihnachtsmarkt spürt das Wetter durch rückläufige Besucherzahlen und etwas Kaufzurückhaltung, doch das Märchenmotto ließ Kinderaugen leuchten.
Der diesjährige Böblinger Adventszauber hat seine Pforten geschlossen und die Kerzen auf dem Marktplatz sind erloschen. Einmal mehr hat sich der Marktplatz als zentraler Treffpunkt erwiesen, die heimelige Atmosphäre zog tausende auf den Weihnachtsmarkt. Doch nachdem der Neustart in der Altstadt anno 2023 sogar mit Schnee aufwarten konnte, fiel der Niederschlag in diesem Jahr als Regen vom Himmel – und hielt die Besucher zum Start und am Ende eher fern, wie Organisatorin Martina Kaiser berichtet.
Mit der K2 Eventmanufaktur betreibt sie den Markt seit vielen Jahren, und sagt: „Besonders der Mittwoch und der Sonntag waren verregnet. Das hat uns eindeutig Besucher gekostet.“ Eine Gesamtzählung gebe es wie in den Vorjahren nicht, wenngleich sie auf insgesamt rückläufige Zahlen tippe. Von Donnerstag bis Samstag sei der Zustrom aber stark gewesen. In den ersten beiden Jahren der Neuauflage auf dem Marktplatz schlug es ins andere Extrem: Die Gassen zwischen den Buden wurden dem Andrang nicht Herr und mussten verbreitert werden.
Kunsthandwerk als Ladenhüter
Auch wenn die vorweihnachtliche Stimmung viele anzog, spürten die Beschicker eine gewisse Zurückhaltung bei den Käufen. Dies galt insbesondere für die Kunsthandwerker. „Nicht alle Beschicker sind angesichts des Rückgangs rundum zufrieden“, so Kaiser. Sie erklärt, dass Kunsthandwerk oft eher als „Beiwerk“ wahrgenommen werde und das Geld von den Besuchern dafür insgesamt nicht so leichtfertig ausgegeben werde. Eine Entwicklung, die sich laut Kaiser auch auf anderen Weihnachtsmärkten beobachten lasse und die Umsätze allgemein beeinflusse. Ein Händler aus Bad Liebenzell mit Alpaka-Produkten aus dem Schwarzwald bot beispielsweise aber neue Abwechslung.
Die liebevoll gestalteten Märchenstationen erfreuten sich großer Beliebtheit und ernteten „sehr viel positives Feedback“, sagt Martina Kaiser. Durch gezielte Neuerungen – Rapunzel mit eigenem Turm, ein authentischerer Hintergrund für Sterntaler – fielen die Geschichten noch stärker ins Auge und entführten die kleinen und großen Besucher in die Märchenwelt.
Wolfgang Kimmig-Liebe, der in seiner Rolle als Nikolaus wie immer viele Kinderaugen zum Leuchten brachte, sprach von einem Markt, der „viel bunter, viel schöner“ war und „viel mehr Kinder“ zum Mitmachen animiert habe als in den Vorjahren. Kimmig-Liebe war Teil des Kinderzeltes im Innenhof des Alten Rathauses, das sich großer Beliebtheit erfreute: Nussknacker-Wurfwand und andere Stationen lockten Familien an. Kimmig-Liebe gehört wie viele andere zu den Nostalgikern: „Es tut Böblingen gut, dass der Weihnachtsmarkt wieder auf dem Marktplatz ist.“
Null Vorfälle im Polizeibericht
Etwaige Sorgen um die Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt erwiesen sich als unbegründet, wie die Polizei mitteilt. Es sei zu keinerlei Einsätzen gekommen, sagt ein Polizeisprecher: „Wir hatten eine sogenannte Null-Lage.“ Aufgrund der verschärften Gesetze fiel der Markt allerdings in die sogenannte Messerverbotszone, weshalb Fußstreifen Besucher vereinzelt kontrollierten – ohne Ergebnis.
Mit dabei war in diesem Jahr außerdem die Military Police der US-Panzerkaserne, allerdings auch ohne konkreten Anlass, wie der Sprecher sagt. „Die gemeinsamen Fußstreifen am Freitag und Samstag fanden im Rahmen der Kooperation mit den Amerikanern statt.“ Immer wieder arbeiten die Polizeien der beiden Länder bei Kontrollaktionen zusammen – dieses Mal fiel die Aktivität auf den Böblinger Weihnachtsmarkt.