Ein ambulanter Dienst mit Ehrenamtlichen ist Tag und Nacht im Einsatz. Foto: dpa

30 Bürger haben einen Hospizverein gegründet. Unterstützt werden sie von den Städten, Kirchen, Sozialverbänden und Politikern. Sie suchen nun ein geeignetes Gebäude für Menschen, die dem Tod nahe sind.

Böblingen - Das Vorhaben, ein Hospiz ins Leben zu rufen, soll rasch vorankommen. „Der Bedarf im Raum Böblingen und Sindelfingen ist enorm“, sagt Andreas Senn, der Pastoralreferent der katholischen Kirche. Nun wurde erst einmal ein Verein gegründet, dem 30 Mitglieder angehören. Sie trafen sich im Böblinger Arbeiterzentrum und verabschiedeten ihre Satzung „Im Geiste der Nächstenliebe und der Mitmenschlichkeit“, wie es in der Präambel steht. Im März sollen Arbeitsgruppen gebildet werden, die nach der Stunde Null am vergangenen Samstag alles weitere in die Wege leiten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo ein Hospiz eingerichtet werden könnte und wer als Träger in Frage kommt. „Vielleicht wird diese Aufgabe auch der Verein selbst übernehmen“, sagt Senn.

Pflegeheime nehmen sterbende Menschen auf

Beate Bartholomä ist eines der neuen Vereinsmitglieder. Ihre Aufgabe ist es, als Pressesprecherin das Vorhaben in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen. Sie arbeitet als Hauswirtschaftleiterin im Pflegeheim des evangelischen Diakonievereins Haus an der Schwippe, das im Jahr 2011 eröffnet worden ist.

Die Plätze sind meist ausgebucht, wie auch in anderen Heimen in den beiden Städten. Einer der Gründe ist, dass aus den Krankenhäusern immer mehr ältere Menschen kommen, die Pflege benötigen. „Im vergangenen Jahr nahmen wir 16 auf“, berichtet die Hauswirtschaftsleiterin Beate Bartholomä. Das waren viele angesichts von nur 43 stationären Pflegeplätzen, der drei Plätze für die Kurzzeitpflege, der drei Tagespflegeplätze und einem Zimmer für Betreutes Wohnen. Unter ihnen waren auch vier Menschen, deren Lebensende sich abzeichnete. Diese so genannten Palliativfälle nehmen zu. „Die Angehörigen sind mit der Betreuung oft überfordert und benötigen Hilfe“, sagt Beate Bartholomä.

Finanzielle Unterstützung der Städte

Der Ausweg zeichnet sich ab. Laut Senn wird nun ein Hospiz geplant, das acht sterbende Menschen aufnehmen kann. Ob ein bestehendes Gebäude dafür umgebaut wird oder sogar ein Neubau in Frage kommt, müsse noch geklärt werden. Jedenfalls braucht eine solche Einrichtung auch eine Leitung und sowie festangestellte Mitarbeiter. Die laufenden Kosten für acht Plätze schätzt Senn vorsichtig auf 100 000 bis 120 000 Euro. 95 Prozent könnten die Kranken- oder Pflegekasse übernehmen, den Rest müsste wohl der Träger aufbringen, etwa durch die Unterstützung von Sponsoren. Daneben bedürfe es noch 50 bis 60 ehrenamtlicher Mitarbeiter, die abwechselnd Tag und Nacht die Betroffenen und Angehörigen begleiten, so genannte Sterbebegleiter. Diese könnten bei dem Zeitaufwand gar nicht in einem festen Arbeitsverhältnis entlohnt werden. Das Startkapital für den Verein, der eine Internethomepage mitsamt Logo starten möchte, steuern die Städte Böblingen und Sindelfingen mit jeweils 10 000 Euro bei.

Der Impuls für die Gründung eines Hospiz geht auf die SPD-Fraktion im Böblinger Gemeinderat und deren Fraktionschef Florian Wahl im vergangenen Jahr zurück. Um eine professionelle Sterbebegleitung zu erhalten, mussten die Betroffenen ihre Angehörigen entweder in das einzige Hospiz im Kreis nach Leonberg bringen oder den Weg in die Landeshauptstadt wählen. Das Leonberger Hospiz ist jedoch zumeist voll belegt. „Ich bin deshalb froh, dass wir nun so rasch weiterkommen mit diesem Projekt“, sagte Florian Wahl nach der Bildung der Vereinsführung.

Ambulanter Dienst vor 25 Jahren gegründet

„Unser Verein wird eng mit den ambulanten Hospizdiensten zusammen arbeiten“, sagte Andreas Senn, der bereits zahlreiche Fortbildungen für die ehrenamtlichen Sterbebegleiter durchgeführt hat. Der Hospizverein sehe sich keinesfalls als Konkurrenz zu den Helfern, die zu den Betroffenen ins Haus kommen. Der ambulante Dienst ist vor 25 Jahren von Senn mitgegründet worden und verfügt im Kreis seinen Angaben nach über fast 80 Ehrenamtliche. Weil für die stationäre Hospizarbeit künftig noch viel mehr Einsatzkräfte erforderlich sind, möchte Senn das Schulungsangebot weiter ausbauen.

Auch mit dem Leonberger Hospiz, in dem es acht Plätze gibt, möchte der Hospizverein Region Böblingen-Sindelfingen, wie er sich nennt, eng zusammenarbeiten. Die Arbeitsgruppen, die bald gebildet werden, wollen sich dort und in anderen Hospizen Anregungen holen, wie sie ihr künftiges Angebot konkret gestalten.

Weitere Mitglieder sind willkommen

Aufgabenverteilung
: Die Mitglieder des Hospizvereins Region Böblingen-Sindelfingen haben als erste Vorsitzende Maria Dries-Koblowsky gewählt. Die Stellvertretung übernehmen Elisabeth Kenntner-Scheible, Florian Wahl (SPD-Stadrat von Böblingen) und Martina Sieber. Schatzmeister ist Gianfranco Paradisi, Schriftführer Karl-Heinz Frank. Als Pressesprecherin fungiert Beate Bartholomä. Das Beisitzergremium bilden Andreas Senn (Pfarrer der katholischen Kirche), Birgit Wohland-Braun und Monica Wejwar.

Mitarbeit:
Zur konzeptionellen Vorbereitung der Hospizarbeit zählt vor allem die Qualifikation der künftigen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Das ist eines der Themen, die man bei einem Treffen am 13. März um 19 Uhr im Caritas-Zentrum in Böblingen in der Sindelfinger Straße behandeln wird. Auch weitere Vereinsmitglieder sind willkommen. Der Mitgliedsjahresbeitrag beläuft sich auf 60 Euro.

Kontakt
: Interessierte können eine E-Mail schreiben an: ein.hospiz.fuer.uns@gmail.com. Die Postanschrift lautet: Harbigstraße 45/1, 71032 Böblingen.

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