Böblingen-Sindelfingen Viele würden Doppelstadt begrüßen

Von Ulrich Hanselmann 

 Foto: Piechowski
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Viele Gemeinderatsfraktionen sind für einen Zusammenschluss von Böblingen und Sindelfingen.

Böblingen/Sindelfingen - Bei der Gemeindereform in den 1970er Jahren haben Sindelfingen und Böblingen beim Staatsgerichtshof geklagt, um nicht zusammengehen zu müssen. Heute sind sie auf dem Weg zur Doppelstadt. "Es gibt keine Alternative zur Fusion, sie wird kommen", sagt der Böblinger CDU-Fraktionschef Peter Grotz.

Die Nachbarstädte sollen verschmelzen. Darin waren sich der Sindelfinger OB Bernd Vöhringer und und sein Böblinger Kollege Wolfgang Lützner (beide CDU) im am Dienstag veröffentlichen Interview mit dieser Zeitung einig.  Die Gemeinderatsfraktionen waren zunächst überrascht über den Alleingang der beiden Rathaus-Chefs. Viele würden der Fusion aber sofort zustimmen. Sowohl bei der CDU als auch bei den Grünen sind die Fraktionen beider Städte für einen Zusammenschluss zur Doppelstadt. Bei der SPD dagegen sind beide Fraktionen eher skeptisch. Gespalten sind die Fraktionen der  Freien Wähler und die der FDP. Die Freien Wähler in Böblingen sind offen für eine Fusion, in Sindelfingen ist ein Zusammenschluss bisher kein Thema. Die FDP in Böblingen ist ebenfalls für eine Doppelstadt, die Fraktion in Sindelfingen dagegen ist noch unentschlossen. 

Auch die Bürgermeister anderer Städte in der Region bleiben eher gelassen. Esslingens OB Jürgen Zieger sieht die Pläne entspannt. "Schlimmstenfalls sind wir zwar weiterhin die schönste Stadt der Region, aber nur noch die drittgrößte. Esslingens Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht kennt Sindelfingen aus seiner langjährigen Tätigkeit dort: "Bis die strukturellen und topografischen Fragen geklärt sind, wird noch viel Wasser die Schwippe hinunterfließen." Die Größe einer Stadt sage nichts über ihre Leistungsfähigkeit und Attraktivität aus. Weil auch die Doppelstadt sicher Mittelzentrum bleibe, ändere sich an den regionalplanerischen Gewichten nichts.

"Ich finde die Entscheidung meiner Kollegen Bernd Vöhringer und Wolfgang Lützner mutig und richtig", kommentiert der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich den Vorstoß. Die Idee, die Gewerbesteuer beider Städte in einen Topf zu werfen, sei gut, da beide Städte Schwankungen bei den Einnahmen dadurch ausgleichen könnten. Nürtingen habe sich mit den umliegenden Gemeinden schon im Jahr 2000 zum Gewerbezweckverband Wirtschaftsraum Nürtingen zusammengeschlossen. Ziel sei es gemeinsam Gewerbeflächen zu vermarkten. Weil in der Region Stuttgart auch die ökonomischen Verflechtungen nicht mehr an Gemeindegrenzen Halt machen, verlangt eine erfolgreiche Wirtschaftsförderung nach Ansicht Heirichs eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit. Die Kommunen seien finanziell nicht auf Rosen gebettet. "Daher darf es keine Denkverbote geben", meint der Nürtinger OB.

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