Der 38-Jährige ist schon länger ein Fall für die Justiz. Foto: dpa

20 Monate muss ein 38 Jahre alter Mann hinter Gitter, weil er zum wiederholten Mal versucht hat, Geld zu erpressen. Der Mann ist bei der Polizei längst bekannt, er hat schon mehrfach mit ähnlichen Aktionen versucht, Geld zu erpressen.

Böblingen – Vor dem Böblinger Amtsgericht ist am Mittwoch ein 38 Jahre alter Mann aus einer Kreisgemeinde wegen räuberischer Erpressung zu 20 Monaten Haft verurteilt worden. Der 38-Jährige hatte am 1. Juni diesen Jahres ein Schreiben an den Böblinger Real-Markt gerichtet und ankündigt, dass er „ferngesteuerte Handgranaten“ zünden und Lebensmittel vergiften wolle, wenn ihm nicht eine halbe Million Euro auf sein Konto überwiesen werde. Falls man seiner Forderung nicht nachkommen werde, drohte er außerdem damit, den Geschäftsführer zu erschießen.Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Der Verteidiger sprach sich für ein Jahr und zehn Monate Haft aus, weil er bei seinem Mandanten eine „eigenartige Persönlichkeitsstörung“ feststellte. Der Erpressungsversuch sei aber zum Scheitern verurteilt gewesen. Denn der Täter habe seine Identität preisgegeben, indem er mit seinem Namen unterschrieben und auch sein eigenes Bankkonto angegeben habe, so der Verteidiger. Den jüngsten Erpresserbrief schloss er mit „Sieg Heil“. Zur Begründung räumte der Mann ein, dass er vor vielen Jahren mit der rechten Szene geliebäugelt habe.

Täter gibt seine Identität preis und gesteht alles

Der 38-Jährige ist bei der Polizei und bei Gerichten bereits hinlänglich bekannt. Im Sommer 2011 hatte er das Finanzamt Böblingen mit 50 000 Euro zu erpressen versucht und war zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Seiner Meinung nach hatte die Behörde ihn beim Einkommenssteuerausgleich ungerecht behandelt. Und zuvor war es eine Böblinger Bank gewesen, der er mit einem Anschlag gedroht hatte. Auch wegen Diebstählen und eines versuchten Banküberfalls war er bereits verurteilt worden. Die Strafen hat er weitgehend verbüßt. Zuletzt hatte man ihm ein halbes Jahr Haft erlassen. „Der Knast ist sein zweites Zuhause“, unterstrich ein Böblinger Kriminaloberkommissar, der als Zeuge geladen war. „Ich brauchte Geld wegen meiner Spielsucht und meinen Schulden“, erklärte der 38-Jährige, der von seinen Adoptiveltern 15 000 Euro bekommen und bei Banken Verbindlichkeiten in Höhe von 10 000 Euro hat. Für den Vorsitzenden Richter Werner Kömpf ist der Fall des 38-Jährigen aber noch etwas komplizierter. „Sie suchen die Aufmerksamkeit anderer“, hielt er dem 38-Jährigen entgegen. Therapien und das Engagement von Bewährungshelfern sind bisher allesamt fehlgeschlagen. Der ledige Mann hat eine Maurerlehre abgebrochen und als Küchenhilfe und Hausmeister gearbeitet. In seiner Freizeit gilt er als Einzelgänger, der alleine in einem Haus seiner Adoptiveltern lebt.

Gefahr für die Kunden des Real-Marktes bestand nicht. Der 38-Jährige hat den Erpresserbrief von Berlin aus geschrieben. „Ich bin vor mir selbst geflüchtet“, gab der Mann zu Protokoll. Bevor es den Empfänger erreichte, hat der Erpresser sich bei dem Kriminaloberkommissar gemeldet, ein Geständnis abgelegt und versichert, er werde keine Gewalt anwenden.

Die Polizei hat die Marktkette in Böblingen rechtzeitig informieren können, sodass der Einkaufsbetrieb weitergehen konnte. „Es tut mir leid“, entschuldigte sich der Mann gegenüber dem Real-Geschäftsführer. Der Firma ist indes kein Schaden entstanden. „Hätten wir einige Tage schließen müssen, wäre wohl ein Umsatzverlust von rund einer halben Million Euro zu Buche geschlagen gehabt“, sagte der Marktchef.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: