Weniger Hürden, mehr Gemeinschaft: Beim ökumenischen Tauffest im Juni können Familien ihre Kinder unkompliziert taufen lassen.
Für viele Familien ist die Taufe ein großer Moment – aber auch einer, der Fragen aufwirft: evangelisch oder katholisch, wie formell, wie aufwendig? In Böblingen wollen die katholische und die evangelische Kirche genau hier ansetzen und laden zu einem ungewöhnlichen Format ein: einem ökumenischen Tauffest unter freiem Himmel.
Am Sonntag, 21. Juni, wird um 11 Uhr auf dem Schlossberg bei der Stadtkirche beim Taufstein gefeiert. Der Ort ist bewusst gewählt – und hat eine eigene Geschichte: Vor rund 75 Jahren von Konfirmanden gestiftet, stand der Taufstein lange unbeachtet im hinteren Teil der Kirche. Erst während der Corona-Pandemie wurde er ins Freie versetzt – und blieb dort. Nun wird er zum Mittelpunkt eines neuen Formats.
Ein niedrigschwelliges Angebot
Das Tauffest unter freiem Himmel richtet sich besonders an Familien, in denen die Eltern unterschiedlichen Konfessionen angehören oder nur ein Elternteil christlich ist. „Wir wollen Schwellen senken und die Taufe für die Familien so einfach wie möglich machen“, sagt die evangelische Pfarrerin Gerlinde Feine. Viele empfänden die bisherigen Abläufe als zu kompliziert – „da sind sie froh, wenn es unkomplizierter geht.“
Im Anschluss wird gemeinsam gefeiert
Ganz ohne Entscheidung geht es dennoch nicht: auch bei dem gemeinsamen Fest müssen sich Familien festlegen, ob ihr Kind katholisch oder evangelisch getauft wird. Der Gottesdienst selbst wird jedoch ökumenisch gestaltet. „Für uns ist das ein neues Format, wir probieren aus, wie viele Menschen sich davon ansprechen lassen“, sagt der katholische Pfarrer Klaus Kempter. Die Resonanz sei im Vorfeld bereits positiv.
Getauft wird – je nach Anmeldezahlen – auch an mehreren Stationen parallel. Im Anschluss ist ein gemeinsames Grillen im Stadtpark geplant, sodass Familien weniger organisieren müssen und der Tag in entspannter Atmosphäre ausklingen kann.
Weitere Informationen gibt es am 21. Mai
Angeschrieben wurden gezielt Familien mit Kindern bis acht Jahren, bei denen mindestens ein Elternteil christlich ist und das Kind noch nicht getauft ist. Eingeladen sind aber auch ältere Kinder oder Erwachsene. „Manchmal sind es gar keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen die Taufe, sondern familiäre Gründe, warum die Tauffeier bei Säuglingen verschoben wird“, sagt Kempter. „Dann bietet das eine gute Gelegenheit, die Taufe nachzuholen“. Gerade ältere Kinder könnten sich später bewusst an die Taufe erinnern.
Eine Anmeldung ist bis spätestens eine Woche vor dem Tauffest möglich per E-Mail an kircheontop@elkw.de. Unterstützung für die Zusammenstellung der notwendigen Unterlagen wird angeboten. Ein Informationsabend findet zudem am Donnerstag, 21. Mai, um 19.30 Uhr, im Alfred-Delp-Haus in Böblingen statt.
Für beide Geistliche steht hinter dem Projekt auch eine grundsätzliche Botschaft: „Taufen ist eigentlich etwas sehr Einfaches“, sagt Feine. „Jeder Christ kann taufen – mit Wasser und der richtigen Taufformel.“ Das Tauffest soll genau daran erinnern – und möglichst vielen Familien einen neuen Zugang eröffnen.