Ab Mai 2025 treten in Böblingen neue Parkgebühren in Kraft. Die Stadt reagiert damit auf jährliche Verluste von rund 1,2 Millionen Euro, die durch wenig genutzte Parkhäuser entstanden sind. Was sich ändert, wo es teurer wird und warum sich der Umstieg ins Parkhaus lohnen kann.
Parkgebühren – für viele Autofahrer ein ewiges Ärgernis. Ob beim kurzen Halt fürs Brötchenholen oder beim Stadtbummel am Wochenende: Wer in der Innenstadt parkt, muss nicht nur Zeit für die Parkplatzsuche einplanen, sondern auch das passende Kleingeld oder die Park-App zur Hand haben. In Böblingen wird dieses Thema ab dem 1. Mai noch etwas relevanter. Denn der Gemeinderat hat laut einer Pressemitteilung der Stadt im Februar eine umfassende Anpassung der Parktarife beschlossen. Die Entscheidung ist Teil eines übergeordneten gesamtstädtischen Parkraummanagements, das darauf abzielt, den begrenzten öffentlichen Raum sinnvoller zu nutzen – und gleichzeitig die erheblichen Defizite der städtischen Parkhäuser in den Griff zu bekommen.
Bislang verursachen diese Parkhäuser ein jährliches Minus von rund 1,2 Millionen Euro. Parkplätze, so betont Bürgermeisterin Christine Kraayvanger, seien ein wertvolles Gut, das nicht nur Fläche verbrauche, sondern auch erhebliche Kosten für Bau, Instandhaltung und Kontrolle verursache. Vor allem im Innenstadtbereich sei es entscheidend, dass diese Flächen nicht durch Dauerparker blockiert werden, sondern einem ständigen Wechsel unterliegen – auch zugunsten des Einzelhandels.
Nur noch eine Stunde parken am Schloßbergring
Konkret wird die Innenstadt künftig in verschiedene Parkzonen aufgeteilt werden. Der Schloßbergring bildet dabei die neue Parkzone 1. Dort steigt der sogenannte Brezel-Tarif – also der Preis für die ersten 30 Minuten – von bisher 10 Cent auf 50 Cent. Gleichzeitig wird auf eine minutengenaue Abrechnung im Viertelstundentakt umgestellt. Damit nicht genug: Die maximale Parkdauer wird werktags zwischen 8 und 18 Uhr auf nur noch 60 Minuten reduziert. Bisher durfte man dort zwei Stunden stehen. Wer also einen schnellen Termin oder einen Einkauf plant, ist hier weiterhin gut aufgehoben.
Für längere Aufenthalte aber sollen Autofahrer auf andere Bereiche ausweichen – etwa auf die städtischen Parkhäuser, deren Nutzung mit dem neuen Tarifmodell attraktiver gestaltet wird. Auch der gebührenpflichtige Zeitraum wird ausgeweitet: Künftig muss von Montag bis Samstag nicht nur bis 18 Uhr, sondern bis 22 Uhr gezahlt werden.
Im restlichen Innenstadtbereich, der als Parkzone 2 ausgewiesen wird, gelten zwar die gleichen Preise, jedoch mit einer moderateren Obergrenze bei der Parkdauer: Hier darf weiterhin bis zu 90 Minuten geparkt werden. Die Flächen rund um den Silberweg und das Landratsamt bleiben von der Reform unberührt – hier ändern sich die bisherigen Tarife nicht.
Parkhäuser sollen mehr genutzt werden
Ein besonderer Fokus liegt auf der besseren Auslastung der städtischen Parkhäuser, die bislang nicht ausgelastet sind. Deshalb dürfen Besucher dort ab Mai eine volle Stunde kostenlos parken. Bisher war nur die erste halbe Stunde gratis. Danach kostet jede weitere angefangene Stunde 1,50 Euro. Das beliebte Abendangebot, der sogenannte Dinnertarif, bleibt erhalten: Zwischen 18 und 23 Uhr parkt man für nur einen Euro pauschal. Damit will Böblingen auch künftig ein attraktives Ziel für Restaurant- und Kinobesucher bleiben – und sich im regionalen Vergleich konkurrenzfähig machen.
Auch für Menschen, die regelmäßig im Parkhaus stehen, also Dauerparker, gibt es Anpassungen. Der bisherige Tarif für die Wochentage wird leicht ausgeweitet: Statt von 6 bis 20 Uhr darf man nun schon ab 5.30 Uhr parken, und das bis 20.30 Uhr – zum gleichen Preis von 60 Euro im Monat. Der bisherige Montag-bis-Samstag-Tarif fällt allerdings ersatzlos weg. Wer rund um die Uhr parken möchte, zahlt künftig 85 Euro im Monat.
Parken nach Feierabend und am Wochenende wird günstiger
Eine interessante Neuerung gibt es für Anwohner– oder generell für alle, die eher abends oder am Wochenende einen Stellplatz suchen: Für 30 Euro im Monat kann man künftig von Montag bis Freitag ab 16.30 Uhr sowie an Samstagen und Sonntagen ganztägig parken. Dieses Modell soll den tatsächlichen Bedarf besser abbilden und die Parkhäuser auch in Zeiten außerhalb der klassischen Bürozeiten besser auslasten.
Mit der neuen Regelung verfolgt die Stadt Böblingen ein klares Ziel: Den knappen und teuren öffentlichen Raum effizienter zu nutzen, Dauerparken auf der Straße zu reduzieren und gleichzeitig die finanziellen Belastungen der städtischen Parkinfrastruktur zu verringern. Für viele Autofahrer bedeutet das zwar eine Umstellung und teilweise höhere Kosten – doch wer sich mit den neuen Regeln vertraut macht, kann weiterhin flexibel und günstig unterwegs sein. Und oft lohnt sich künftig womöglich der direkte Weg ins Parkhaus.