Am Landratsamt gibt es noch freie Flächen, wo ein Anbau in Frage käme. Foto: factum/Granville

Das Landratsamt will 180 Mitarbeiter aus gemieteten Gebäuden an den Hauptstandort holen und dadurch Kosten sparen. Zudem sollen die Arbeitsabläufe effizienter werden.

Böblingen - Die Sitzungssäle sind in die Jahre gekommen, in manchen Amtsstuben gibt es kaum genügend Platz für die Mitarbeiter. Die Kreisverwaltung plant deshalb einen Anbau. Zusätzlich 230 Bedienstete sollen einen Arbeitsplatz erhalten. 180 Mitarbeiter sollen von den Außenstellen der Kreisbehörde in dem neuen Gebäude unterkommen. Zudem rechnen die Planer

in den nächsten Jahren mit 50 weiteren Beschäftigten, die im Landratsamt tätig sein werden. Allein für das kommende Jahr wurde ein Bedarf von 24 weiteren Stellen ermittelt, die teilweise auch mit Teilzeitkräften besetzt werden. Das Landratsamt ist so auf dem Weg zu einer Mammutbehörde, zurzeit beschäftigt sie fast 1500 Menschen.

„Die Planung ist noch im Anfangsstadium“, sagt Dusan Minic, der Pressesprecher im Landratsamt, „deshalb stehen die Kosten für den Anbau noch nicht fest.“ Unklar ist, auf welchem Areal das neue Gebäude errichtet werden soll. Und ebenfalls ungeklärt ist noch, ob darin auch neue Sitzungssäle entstehen werden. „Wegen der Schadstoffbelastung durch Mineralstoffe musste die Lüftung stillgelegt werden“, sagt Minic, die gesamte Technik befinde sich weitgehend auf dem Stand des Baujahres 1976. Eine Modernisierung sei dringend erforderlich, dies gelte besonders für die Medientechnik, die nicht mehr den Anforderungen entspreche. Zudem sei eine neue Möblierung fällig. Bisher sind lediglich neue Stühle für den kleinen Sitzungssaal angeschafft worden.

Zeitgemäße Medientechnik

Ein Architekturbüro hat die Kosten für den neuen Innenausbau sowie die Ausstattung mit einer zeitgemäßen Mediensteuerung auf insgesamt 1,6 Millionen Euro beziffert. Möglicherweise sei es sinnvoller, die Sitzungsebene, die sich derzeit im fünften Stockwerk des Hauptgebäudes befinde, in das Erdgeschoss eines Neubaus zu verlegen, erklärt Thorsten Jacob, der Dezernent für Steuerung und Service. Für die Planung des Anbaus mit einem Raumkonzept haben die Räte in der jüngsten Kreistagssitzung einstimmig 100 000 Euro bewilligt, die im Etat 2017 schon eingeplant sind. Zudem sind für das nächste Jahr 800 000 Euro mit einem Sperrvermerk eingeplant, die abgerufen werden können, wenn die Neubaupläne verworfen werden.

„Die Verwaltung ist jedoch bestrebt, die Bürokommunikation zu verbessern“, erklärt Dusan Minic. Dabei gehe es vor allem um die weitere Digitalisierung der Arbeitsabläufe. In einem Erweiterungsbau könnten von vornherein die besten Bedingungen dafür geschaffen werden. Das Ziel sei ein effizienteres Arbeiten. Deshalb sollen auch möglichst viele Dienststellen in der Kreiszentrale in der Parkstraße untergebracht werden.

Auf 22 Standorte verteilt

Momentan sind die Bediensteten der Behörde an insgesamt 22 Standorten im Landkreis tätig. In den Gebäuden gibt es insgesamt rund 15 000 Quadratmeter Bürofläche, zwei Drittel davon müssen gemietet werden. Das kostet jährlich etwas mehr als eine Million Euro. Wenn 180 Mitarbeiter von Dienststellen in den Kreiskommunen – etwa der sozialen Dienste, der Schuldnerberatung, der Jugendgerichtshilfe oder des Versorgungsamts – künftig in der Böblinger Kreiszentrale arbeiten, so wurde von der Verwaltung errechnet, spare man im Jahr fast 600 000 Euro an Miete.

„Es gibt noch weitere Vorteile“, fasst der Dezernent Jakob zusammen. Die Kommunikationswege würden kürzer, das helfe, weitere Kosten zu sparen. Zum Beispiel könne der Kurierdienst an andere Standorte zurückgefahren werden, Poststellen externer Ämter würden entfallen und Sekretariate könnten zusammengelegt werden. Die Kreisverwaltung möchte im ersten Halbjahr 2017 konkrete Pläne vorlegen.

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