, Snadar Harpak Foto: factum/Bach

Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes hat von so genannten Dream-Doctors aus Israel 24 Ehrenamtliche ausbilden lassen, die sich um den Nachwuchs der Flüchtlinge kümmern. Das bisher einmalige Projekt startet in Holzgerlingen.

Böblingen - Hallo, Schalom“, ruft Nimrod Eisenberg den Gästen in der Jugendhilfeeinrichtung Waldhaus in Hildrizhausen mehrmals zu und erhält ein Echo zurück. Er gibt eine kurze Einführung über die Intention der Dream-Doctors: Sie wollen traumatisierten Kindern und Jugendlichen helfen, über ihre

Erlebnisse hinweg zu kommen. Danach geht die Post ab. Mehr als eine Stunde lang ziehen die vier Lach-Therapeuten in Clownskostümen eine perfekte, mitreißende Show ab, mit deutschen und englischen Kinderliedern, Tanz und Nonsens-Reimen – und beziehen die 24 Ehrenamtlichen mit ein, die eine Woche lang von den vier Dream-Docs aus Israel ausgebildet wurden.

„Das ist deutschlandweit ein einmaliges Projekt“, erklärt Wolfgang Heubach, der Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vom Kreisverband Böblingen. Der DRK-Präsident Michael Steindorfner sei auf die Dream-Doctors aufmerksam geworden, die in Israel in 29 Krankenhäusern tätig sind. Sie unterstützen als ausgebildete Therapeuten das klinische Personal und bieten nicht nur Unterhaltung, sondern begleiten die Kinder und Jugendlichen zu medizinischen Untersuchungen und assistieren dabei. Steindorfner hatte die Idee, Dream-Doctors im Kreis Böblingen für Flüchtlingskinder einzusetzen. Auf dessen Initiative wurden Nimrod Eisenberg, selbst ausgebildeter Arzt, Avraham Cohen, Hagar Hofesh und Snadar Harpak engagiert, um die Ehrenamtlichen aus dem Kreis Böblingen in ihrer Kunst zu schulen.

Pantomime, Tanz und Songs

„Dass sich 24 Freiwillige nach einem Aufruf auf Anhieb für dieses Projekt gemeldet haben, ist ein tolles Ergebnis“, bilanziert Heubach. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Frauen und Männer, die bereits als ehrenamtliche DRK-Helfer tätig seien. Sie wurden in die Thematik von Flucht- und Kriegstraumata eingeführt, lernten das pantomimische Spiel und studierten Songs und Tänze ein, mit denen sie die Heranwachsenden aus Flüchtlingsfamilien nicht nur bespaßen, sondern im Endeffekt auch therapieren werden. Zu den 24 Clown- Azubis zählt auch Stephanie Uhle aus Leonberg. Ihre Motivation, bei dem Projekt mitzumachen, bringt die 46 Jahre alte Hausfrau auf den Punkt: „Ich möchte mich für Kinder einsetzen, denen es nicht gut geht.“ Die Kinder sollen ihr Lachen zurückgewinnen.

Auch Sprachbarrieren seien zu überwinden. Dabei soll zunächst die Körpersprache weiter helfen. „Die Kinder gewinnen dadurch ihr Selbstbewusstsein zurück und erfahren ein Gemeinschaftserlebnis“, sagt Heubach. Das sei wichtig für die weitere Integration: dass die Kinder künftig ihren Alltag besser bewältigen und eine Schule besuchen können. „Und später auch eine Ausbildung machen und einen Beruf ergreifen“, fügt Heubach hinzu, „und eben nicht eines Tages Hartz-IV-Empfänger werden.“ Das Dream-Doctor-Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt, mit dem einen Kurs will es das DRK nicht bewenden lassen. Es sollen weitere Trainings folgen.

Besuch in Flüchtlingsheimen

Die nun geschulten Clowns beginnen ihre Arbeit in Holzgerlingen. Dort werden die neuen Dream-Docs eine Flüchtlingsunterkunft besuchen und den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen aufnehmen. Danach sind Heime in Jettingen, Mötzingen, Gäufelden, Bondorf und Renningen an der Reihe, später stehen andere Kreiskommunen auf dem Zeitplan.

Der Ausbildungsstandort des Pilotprojekts ist und bleibt das Waldhaus in Hildrizhausen. Dort testeten die Profi-Dream-Doctors und ihre Clown-Azubis schon einmal, wie sie mit ihrer Show ankommen. Sechs Jugendliche aus Somalia, Eritrea und anderen Ländern werden dort zurzeit betreut. Sie tanzten ausgelassen mit und stimmten mit ein: „Hallo, Schalom!“

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