Wegen der Pandemie findet Steffen Volkmers Pop- und Trinkkultur-Talk „Comics & Bier“ nicht im Böblinger Blauen Haus, sondern nur online statt – Spaß macht die Sache trotzdem.
BÖBLINGEN - Im Blauen Haus sind die Talks von Steffen Volkmer – der Night-Talk und „Comics & Bier“ – längst fester Bestandteil des Programms, mit einer ständig wachsenden Fangemeinde. Also zumindest waren sie es, bevor die Pandemie den Kulturbetrieb lahmgelegt hat.
Im Night-Talk lädt der Journalist mit Begeisterung für Interviews und Bühnengespräche normal alle zwei Monate drei interessante Gäste zum launigen Palaver ein. Darunter waren – neben Sportlern, Weltreisenden und diversen Kunst- und Kulturschaffenden – auch schon Comedian Dodokay, Entertainer Roland Baisch, TV-Koch Timo Böckle, Ninja Warrior Germany-/Let’s Dance-Star Moritz Hans und auch der Böblinger Bürgermeister Stefan Belz, allerdings noch in seiner Funktion als Weltraumforscher, und viele mehr. Neben dem, was die Gästen so erzählen, machen vor allem der lockere Ton und eingestreute Gags das Format bei den Zuschauern so beliebt.
Zwischen den Comics werden Craft-Biere verkostet
Bei „Comics & Bier“ setzte der Talker noch einen drauf: Als „Comicianisches-Quartett“ stellen er und drei weitere „Nerds“ dort Neues aus der Comic-Welt vor. Zuletzt monatlich, im Wechsel im Blauen Haus und Locations in Stuttgart (bei der letzten Ausgabe die Galerie Schacher – Raum für Kunst). Die Besonderheit hier: Zwischen den Comics werden Craft-Biere verkostet. Bier-Kenner – Brauer, Bierexperten, Bier-Sommeliere – klären über die Gebräue auf und das Publikum kann mittrinken. „Wir wollen als Comic- und Bier-Fans zeigen, was es auf dem Gebiet der 9. Kunst und bei den kreativen Bierbrauern an tollen Sachen gibt, die lesens- und trinkenswert sind.“ Das sei schließlich Nahrung für Körper und Geist – flüssig und in bunt, erklärt Steffen Volkmer und sagt weiter: „Aber das Ganze ist auch so schräg und enorm unterhaltend … und wird mit jedem Bier noch etwas schräger und unterhaltender, dass viele im Publikum inzwischen primär wegen des Entertainments kommen, und dann mit Comics im Kopf und Bier im Bauch nach Hause gehen.“
Zudem wird die Show mit Musik angereichert. Bands und Musiker können sich da vor Publikum ausprobieren. „Wir können denen zwar leider kein Geld bieten, aber einen Haufen Comics … und ein paar Biere. Das ist oftmals mehr, als eine kleine Gage wert wäre“, meint Steffen Volkmer und fügt an: „Und es gibt unglaublich viele Kreative, die große Comic-Fans sind, die einfach Bock auf die Show haben.“ Auf die Art kamen auch Top-Forensiker Mark Benecke und Ex-Viva-Moderator Nilz Bokelberg als Gäste in die Show: „Ich wusste, die lieben Comics. Also habe ich sie gefragt, und sie sind gekommen … einfach so.“ Es standen auch schon weitere Promis in den Startlöchern, um das „Comics & Bier“-Team zu ergänzen, erzählt Steffen Volkmer, aber dann kann die Pandemie. „‚Comics & Bier‘ war die bislang letzte Show im Blauen Haus – ich glaube, das steht noch immer auf Tafel am Eingang.“
Pandemiekonformer Talk als Youtube-Show
Um nicht ganz aus dem Tritt zu kommen und auch dem Publikum in der Zeit der Lockdowns etwas zu bieten, hat er dann – wie so viele andere auch – seine Show ins Internet verlegt, wenn auch leicht verändert: „Wenn kein Publikum da ist, fehlt die Dynamik in der Show, deswegen kann man das nicht eins zu eins machen. Die Corona-Einschränkungen machten es zudem nicht möglich, vier Personen vor die Kamera zu bringen – aber es gibt so viele gute Comics und so viel gutes Bier, dass wir unbedingt irgendwas präsentieren wollen.“ Deswegen geht nun, schon seit rund 40 Wochen, jeden Montagabend, eine neue Folge des „Comics & Bier: Doppelbook“ (die phonetische Ähnlichkeit zu „Doppelbock“ ist natürlich gewünscht) online – als YouTube-Show (www.youtube.com/c/ComicsundBier) und auf der „Comics & Bier“-Facebook-Seite (www.facebook.com/ComicsUndBier).
„Wir drehen in meinem kleinen Heimstudio, Corona-konform, immer nur mit einem Gast und entsprechendem Abstand“, erklärt Steffen Volkmer. Kamera und Technik bedient seine Lebensgefährtin Rebecca Haar. Die Comic-Expertin leitet auch bei der Live-Show Ablauf und Redaktion. „Sie hat sich beim ‚Doppelbook‘ auch schon mal vor die Kamera gesetzt“, grinst Volkmer, „obwohl sie eigentlich lieber im Hintergrund bleibt.“ Er selbst schneidet das Material dann – Skills, die er sich im Lockdown angeeignet habe.
Zwei Comics und zwei Biere in 30 Minuten
Bei der kleinen Show werden in rund 30 Minuten zwei Comics vorgestellt und zwei Biere verkostet. „Live wissen wir alle, welche Comics drankommen und bereiten uns vor. Hier weiß ich nicht, was mein Gast vorstellt und anders herum ebenso. Es ist also derselbe Überraschungseffekt wie für die Zuschauer. Dazu verkosten wir dann zwei Biere – was in einer halben Stunde schon auch eine gute Leistung ist – und da ist die Idee, dass möglichst beide den Stoff nicht kennen. Das kann bisweilen dann enorm überraschend und lustig sein.“
Auf die Frage, warum er „Comics & Bier“ und nicht den Night-Talk auf die digitale Ebene gehoben habe, antwortet der Moderator: „Bei C&B habe ich ein festes Talk-Team, auf das ich zurückgreifen kann. Ich hatte zwar auch schon Gäste, aber in der Regel wechseln sich die Gesprächspartner in der Live-Show ab. Das ist deutlich einfacher zu organisieren als der Night-Talk und auch unter dem Gesichtspunkt der pandemiebedingten Überschaubarkeit der sozialen Kontakte sinnvoll. Außerdem will ich mir die Night-Talk-Gäste für die Live-Show aufheben – es ist nämlich gar nicht so einfach, da ein stimmiges Line-up zusammen zu bekommen … Bei Comics und Bier kann ich dagegen aus einem schier endlosen Fundus schöpfen. Da bliebe eher zu viel auf der Strecke, wenn wir nichts machen würden. Und wir wollen das Publikum ja motivieren, sich mit Lese- und Trinkmaterial einzudecken, das ist für die Comic-Shops, Verlage und Brauereien gerade enorm wichtig!“
Fans sind über ganz Deutschland verteilt
Wie lange er das „Comics & Bier: Doppelbook“ so durchziehen will, weiß Steffen Volkmer noch nicht: „Zumindest, bis die Live-Shows wieder möglich sind. Aber eigentlich dann auch noch, vielleicht nur in etwas geringerer Frequenz, weil das doch echt viel Arbeit ist. Aber die Show macht auch Spaß und hat inzwischen richtig viele Fans, die auf ganz Deutschland verteilt sind. Einige haben uns sogar schon Biere aus ihrer Region zum Verkosten geschickt … die wollen wir ja nicht aufs Trockene setzen!“ Trotzdem hofft er natürlich, mit seinen Shows, bald auch wieder auf die Bühne zu können: „Ich habe das Glück – anders als viele andere im Kultur- und Kunstbereich –, dass ich nicht von meinen Shows leben muss. Aber etwas live und vor Publikum machen zu können, fehlt mir enorm. Ich bin aber überzeugt, dass wieder bessere Zeiten kommen – und bis dahin sehen wir uns eben im Netz.“