So soll die Hermann-Hesse-Bahn von Calw nach Renningen führen. Foto: StZ

Gut 30 Jahre haben die Anhänger der alten „Schwarzwaldbahn“ gekämpft, nun hat der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU) das Ziel erreicht. Am Alten Bahnhof in Althengstett (Kreis Calw) hat der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Zusage für Landesmittel gegeben.

Althengstett - Gut 30 Jahre haben die Anhänger der alten „Schwarzwaldbahn“ gekämpft, nun hat der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU) durch jahrelange Lobbyarbeit das Ziel erreicht. Am Alten Bahnhof in Althengstett (Kreis Calw) haben der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und der SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel die Botschaft gemeinsam verkündet: „Das Land übernimmt 50 Prozent der Kosten.“ Damit kann das Projekt beginnen, Riegger spricht von einem „historischen Tag“.

Die Hermann-Hesse-Bahn soll vom Jahr 2017 an Calw an das S-Bahn-Netz der Region anbinden und bis zu 2100 Gäste pro Tag befördern. Bis Weil der Stadt im Kreis Böblingen läuft sie auf der alten Trasse, dann soll sie parallel zur S 6 nach Renningen fortgeführt werden und Anschluss an die S 60 nach Böblingen bekommen.

Im Kreis Böblingen allerdings fühlt man sich übergangen. „Das Vorpreschen ist verfrüht“, sagt der Landrat Roland Bernhard. „Das ist kein guter Stil.“ Fast meint man in Althengstett den Gegenwind spüren zu können – tatsächlich weht an diesem Tag eine kühle Brise. Doch dabei scheint die Sonne, und die Calwer Kommunalpolitiker lassen sich die Feierlaune nicht verderben. „Unser Kreis bekommt eine neue Lebensader“, sagt Riegger und überreicht dem Grünen-Politiker symbolisch den ersten Fahrschein. „Das ‚Hermann‘ bei Hermann-Hesse-Bahn steht für Sie“, sagt Riegger zum grünen Verkehrsminister.

Dieser erinnert daran, wie er mit dem Landrat vor zwei Jahren die 1983 stillgelegte Bahntrasse entlanggeradelt ist. Hermann bezeichnet das Bahnprojekt als „herausragend und vorbildlich“, er spricht gar von einem Leuchtturm für das Land. Gut 48 Millionen Euro soll das Projekt kosten, jüngst haben sich die Calwer Kommunen auf eine Aufteilung geeinigt. Man rechnet zudem mit einem 3,9 Millionen-Euro-Zuschuss aus dem Kreis Böblingen. Doch der dortige Kreistag hat erst am Dienstag Skepsis erkennen lassen und die Informationspolitik Rieggers kritisiert. Das wiederholt sein Böblinger Landratskollege Bernhard, der nicht nach Althengstett gereist ist, am Nachmittag: „Erst kommen die Verhandlungen, dann kommt der Willensbildungsprozess“, sagt er. Man dürfe die Nachbarn nicht erst in letzter Minute einbeziehen, sondern müsse das von Anfang an tun.

Doch es geht nicht nur um Stilfragen – den Böblinger Kreispolitikern liegen die Elektrifizierung und der Ausbau der Schönbuchbahn von Böblingen nach Dettenhausen mehr am Herzen – was bis zu 88 Millionen Euro kosten könnte. „Wir warten seit zwei Jahren auf einen Förderbescheid vom Land“, sagt Bernhard. Viele befürchten, die Hesse-Bahn könnte in Konkurrenz dazu treten. Dieser Sorge tritt der Minister aber entgegen. „Für uns gehören beide Bahnprojekte zusammen“, sagt er in Althengstett. Und in Richtung der Kritiker findet er deutliche Worte : „Die Region hat im Kreis Böblingen erst die S 60 ausgebaut – man kann nicht immer nur die Hand aufhalten.“ Auch die Böblinger würden von der Verbindung nach Calw profitieren – und dafür auch bezahlen.

Noch sind aber einige Fragen offen, etwa ob Diesel- oder Elektrozüge fahren sollen. Hermann wünscht sich explizit Elektroantrieb, doch in Calw sorgt man sich wegen der dann um bis zu fünf Millionen Euro höheren Kosten. Scharfe Kritik gibt es auch aus den Nachbarstädten Renningen und Weil der Stadt, weil die neue Bahn teilweise parallel zur S-Bahnlinie 6 verläuft. „Der S-Bahn-Takt kann dadurch gestört werden“, so der Weiler Bürgermeister Thilo Schreiber. Zudem würden die Anwohner durch Dieselbetrieb belastet. Sein Renninger Kollege Wolfgang Faißt spricht von einer „Politik des Überhörtwerdens“. Beide Kommunen haben einen Anwalt eingeschaltet.

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