Am Bahnhof gegenüber den Mercaden soll ein sechzig Meter hoher Wohnturm entstehen. Foto: Eibner//Drofitsch

Der Technische Ausschuss hat das Baurecht für das Postareal geschaffen, auch wenn die finale Entscheidung noch getroffen werden muss. Damit können das Bibliotheksgebäude und ein 60 Meter hoher Wohnturm gebaut werden.

„Wir schaffen jetzt die Voraussetzung für Investoren und Interessenten am Postareal“, so kommentierte der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) die Diskussion im Technischen Ausschuss am Mittwoch. Es ging um den Satzungsbeschluss, den letzten Schritt, der vollzogen werden muss, bevor ein Bebauungsplan rechtskräftig wird. Es war der letzte Schritt, aber nicht der allerletzte. Den wird der Böblinger Gemeinderat in seiner Sitzung am 27. März vollziehen und die Chancen stehen nach der einstimmigen Zustimmung im Ausschuss sehr gut, dass der Bebauungsplan Postareal rechtskräftig wird.

 

Worum geht es? In dem Gebiet zwischen Bahnhofstraße, Wilhelmstraße, Talstraße und Karlstraße sind drei Baukörper geplant. Im wahrsten Sinne herrausagend ist dabei ein 60 Meter hohes Wohnhaus, dessen Dach optisch bis an den Turm der Stadtkirche heranreichen soll. Die beiden anderen Gebäude beherbergen ebenfalls Wohnungen in den Obergeschossen, in den ersten drei Geschossen sind vielfältige, andere Nutzungen geplant. Der Bebauungsplan sieht deswegen kein Wohnen in den unteren Etagen vor, weil es dort zu laut ist. Für diese Geschosse kann sich die Stadt vorstellen, Gastronomie, Cafés, Geschäfte und Büros unterzubringen. Darüber befinden sich Wohnungen für unterschiedliche Bedürfnisse und Lebenslagen – von klassischen Mehrzimmerwohnungen über Clusterwohnungen und temporäres Wohnen in Mikroappartements bis hin zu Wohnungen für Kreative, die Leben und Arbeiten zusammenführen. Auch öffentliche Nutzungen wie die Stadtbücherei, die Volkshochschule, ein Infopunkt und eine Stadtlobby sollen in dem Areal untergebracht werden.

Auch ein Windrad wäre möglich

Auch wäre ein Windrad mit bis zu sechs Metern Höhe auf den Gebäuden theoretisch möglich, das der internen Energieversorgung dienen könnte. Im Endeffekt wird also an dieser Stelle ein Quartiert entstehen, das die unmittelbare Bebauung in der Nachbarschaft klein aussehen lassen dürfte und das Böblingen in eine neue Dimension der Urbanisierung bringen soll.

Stefan Belz hat den Entwurf 2021 öffentlich vorgestellt.

Die Häuser sind leicht schräg zur Nachbarschaft angeordnet, wodurch relativ schmale Durchlasse entstehen. Schon bei der Auslegung war kritisiert worden, dass sich dort funktionslose Gassen bilden könnten. Dahinter steckte die Befürchtung, dass dunkle Ecken und damit Angsträume entstehen könnten. Der Gegenvorschlag lautete, die neuen Häuser direkt an die bestehenden Gebäude anzuschließen. Ein Argument, das Pascal Panse (CDU) in der Sitzung wieder aufnahm, indem er fragte, wie man verhindern könne, dass die Gassen eben nicht funktionslos werden würden.

Fahrräder sollen ihren Platz finden

Die Böblinger Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger versprach, zusammen mit der Böblinger Baugesellschaft (BBG) den jetzt beschlossenen Plan so auszugestalten, dass im Postareal keine dunklen Ecken entstünden. Für die Belüftung und die Belichtung sei es wichtig, dass die drei Gebäude einzeln stünden.

Markus Helms (Grüne) gab zu bedenken, dass auf beiden Seiten des Bahnhofs Unterstellmöglichkeiten und Wege für Fahrräder geplant werden sollten und dass man dann berücksichtigen müsse, dass die Radfahrer eventuell die Bahnhofsunterführung nutzen würden.

„Positive Einstellung behalten“

Es sind besonders die Mitarbeiter der Böblinger Stadtbücherei, die sich auf das Areal freuen. Das neue Bibliotheksgebäude soll mit der schmalen Seite zur Bahnhofstraße stehen. Auf vier Stockwerken sitzen etwas zurückversetzt zwei weitere, sodass auf dem vierten Stock Platz für eine Dachterrasse entstehen soll. Im selben Gebäude ist dann auch die Volkshochschule (VHS) untergebracht.

Die VHS und die Bibliothek teilen sich zum Beispiel ein Treppenhaus und vom ersten Stockwerk an alle Ebenen. VHS-Besucher sind also zugleich auch Bibliotheksbesucher, brauchen dafür aber keinen Bibliotheksausweis. Die Bibliothek selbst bietet einen besonderen Service. Sie soll mit Ausweis rund um die Uhr zugänglich sein – und daher videoüberwacht werden.

Der neue Wohnturm im Vergleich mit anderen Böblinger Gebäuden. Foto: Stadt

Nach dem einstimmigen Votum des Technischen Ausschusses für den Plan zog OB Belz ein optimistisches Resümee. „Wir haben alle gespürt, wie viel Energie dieses Projekt von uns allen abverlangte.“ Er bat das Gremium darum, die positive Einstellung zu behalten, „damit wir das Projekt gut zum Abschluss bringen können.“

Ausgezeichnetes Bauen

Auszeichnung
Das Postareal wurde in die Liste der Projekte für die Internationale Bauausstellung 2027 aufgenommen. Allerdings scheint es unmöglich, den Zeitplan zu halten, doch „kein einziges der Projekte in der Region Stuttgart wird bis dahin fertig“, meinte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz.

Post
Vor einigen Jahren hat die Post das Gebäude am Bahnhof verlassen und befindet sich jetzt interimsweise im Böblinger Einkaufszentrum.