Stefan Giese erkundet mit dem Magnetometer die Auen bei Süßen. Ziel ist, archäologische Bodendenkmale zu finden. Foto: Staufenpress

In Auen bei Süßen soll ein interkommunales Gewerbegebiet entstehen. Zuvor muss das 6,8 Hektar große Gebiet aber mit einem Magnetometer auf Bodendenkmale untersucht werden. Auf Tour mit zwei Geologen.

Süßen - Zwei Meter breit und etwa 13 Kilogramm schwer ist die Messsonde, die im Wechsel Christian Hübner oder Stefan Giese auf dem Rücken tragen. Zehn Kilometer kämen so am Tag zusammen, wenn sie den Erdboden geomagnetisch kartieren. In der vorigen Woche waren Hübner und Giese in den Auen bei Süßen. Sie haben das Gelände, auf dem das Interkommunale Gewerbegebiet Auen entstehen könnte, auf archäologische Fundstellen untersucht.

 

Mit der Messsonde, die vier Sensoren hat, könne man „im Idealfall bis zu zwei Hektar am Tag“ untersuchen, berichtet Hübner. Auf den Laien wirkt das Gelände zwischen der Auenstraße und der neuen B 466 eben und gut begehbar. Ein Idealfall also? Hübner widerspricht und deutet in eine Richtung: „Zäune verkomplizieren die Messung.“

Zudem haben die Geologen aus Freiburg das Wetter gegen sich. In dieser Woche fällt viel Regen, an diesem Tag permanent. Nasser Boden macht den Gang über Wiesen zur Mühsal. Hübner zeigt nach Süden, in Richtung alte Bundesstraße 10. „Da liegt Kies. Das ist o.k.“ Ungünstiger wird’s weiter nördlich, weil da der nasse Grund tiefer ist.

Anomalien in bis zu zwei Metern Tiefe werden angezeigt

Bei ihrer Erkundung laufen die beiden Geologen in zwei Meter breiten Streifen, die über GPS eingemessen wurden, das Gebiet ab. Das Magnetometer zeige im Boden Anomalien in bis zu zwei Metern Tiefe, erläutert Hübner. Solche Unregelmäßigkeiten in der natürlichen Verteilung der Elemente im Boden können durch Bebauungen entstanden sein. Aber auch Bomben und Granaten könnten das Magnetfeld stören, erläutert der Experte.

Vom Regen geschützt, unter der Heckklappe des Kleinbusses, zeigt Hübner mit dem Laptop Aufnahmen des schon erkundeten Teils der Auen. Flecken stechen hell und dunkel hervor. Ein Laie erkennt kein Muster. Die Daten müssen noch aufgearbeitet werden, dann gehen sie an Reinhard Rademacher. Der Kreisarchäologe wird sie bewerten, um festzustellen, wo archäologische Bodendenkmale verborgen sein könnten. „Es geht darum, Planungssicherheit für eine künftige Bebauung zu schaffen“, erläutert Rademacher. Sind die Daten erst einmal erhoben, mache es keinen Unterschied, ob das umstrittene Gewerbegebiet früher, später oder nie erschlossen wird Sollten aber Bagger anrücken, muss Rademacher bewerten, ob der Boden zuvor an bestimmten Stellen geöffnet wird, um archäologische Funde zu sichern.

Eine Gasleitung zerschneidet die rund 1900 Jahre alte Militärbefestigung

Wobei er den Geologen aus Freiburg durchaus zutraut, selbst die Messdaten zu interpretieren. Er verweist auf deren frühere Einsätze. Zum Beispiel haben sie zusammen mit Professor Manfred Korfmann acht Jahre lang in Troja gearbeitet und dabei die Unterstadt entdeckt. Auch Gordion, die Königsstadt des Phrygischen Reiches, südwestlich von Ankara, haben die Freiburger untersucht. Der Kreisarchäologe lässt am Laptop ein anderes Bild aufrufen. Sie zeigt eine Eislinger Fläche, die direkt an Salach grenzt: „Es ist ein Vorzeigeergebnis der geophysikalischen Vermessung“, sagt Rademacher.

Das Bild zeigt den Umriss eines römischen Kastells. Klar erkennbar sind die Stellen, wo einst Tore und Türme waren. Auf einem Teil des Bildes sind kaum archäologische Spuren zu entdecken. „Etwa 20 Prozent sind kaputt“, sagt Rademacher. Hier grenzt ein Supermarkt an. Außerdem durchschneidet eine moderne Gasleitung die rund 1900 Jahre alte Militärbefestigung.

In der Gegend werden Kelten-Siedlungen vermutet

Rademacher erwartet keine Römerfunde zwischen Süßen und Gingen. Frühere Begehungen, bei denen geschulte Augen Spuren entdeckt haben, lassen den Archäologen vermuten, dass hier im 3. und 2. Jahrhundert vor Christus Kelten siedelten. Aber auch neuzeitliche Funde könnten auftauchen: 1703 sei im Spanischen Erbfolgekrieg das Reichsheer mit 26 000 Mann in dem flachen Gelände an der Fils in Stellung gegangen.

Weitere Truppendurchzüge folgten bis Kriegsende 1714. „Süßen wurde mehrfach geplündert“, stellt Rademacher fest. Im Zuge der französischen Revolutionskriege waren wieder Heere im Filstal unterwegs. Und im Jahr 1806 zogen schließlich Kaiser Napoleon und Kaiserin Joséphine durch Süßen.