Für viele verlockend, für andere tabu: Leberkäswecken. Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie

Essen ist politisch, vor Wahlen erst recht. Die Spitzenkandidaten von CDU und SPD schwören auf Leberkäse – zur Freude der Metzger und zum Kummer von Tierschützern.

Von Entenpastete („ist was Herrliches“) will Andreas Stoch derzeit nichts mehr wissen. Lieber erzählt der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, dass er sich unterwegs beim Metzger gerne einen Leberkäswecken hole. Das soll wohl die Empörung darüber vergessen lassen, dass er seinen Fahrer vor laufender Fernsehkamera zum Delikatessenkauf nach Frankreich schickte.

 

Auch der CDU-Frontmann Manuel Hagel bekennt sich offensiv zu der fein zerkleinerten Fleischmasse zwischen zwei Brötchenhälften. In einem Wahlkampfvideo steuerte er seinen Van eigenhändig in den weltweit angeblich einzigen Leberkäs-Drive-in in seinem Heimatkreis. Schon von dem Duft bekomme man Hunger, schwärmt er am Steuer, und schwört: „Ich lieb’ Leberkäs wirklich.“

Peta-Einladung in die Vegane Fleischerei

Keine Frage: Essen ist politisch, nicht erst seit Markus Söders’ Mampf-Videos. Auch bei Südwest-Politikern gilt Leberkäse wohl als ultimativer Ausweis von Bodenständigkeit. Wer das gleiche isst wie die kleinen Leute, so das Kalkül, wirkt schon nicht abgehoben. Die Bekenntnisse „schaden uns auf keinen Fall“, heißt es bei der Fleischerinnung. Nötig sei die Werbung eigentlich nicht, sagt der Landesinnungsmeister Joachim Lederer. Der „LKW“ sei bei ihm „ein Kultartikel“ und gehe täglich bis zu 500 mal über die Theke.

„Extrem traurig“ findet es hingegen die Tierrechtsorganisation Peta, wenn sich Politiker „auf Kosten von Tieren“ zu profilieren suchten. Der öffentliche Leberkäse-Verzehr à la Söder solle wohl auch signalisieren, dass man sich „nichts verbieten lassen“ wolle. Die zuständige Fachreferentin Lisa Kainz verbindet die Kritik an Hagel und Stoch mit einer Einladung in die Vegane Fleischerei in Stuttgart: Bei einem rein pflanzlichen Leberkäse würde man mit beiden „gerne über Tierschutzthemen sprechen“.