Bodensee Wandern am Wasser

Von Doris Burger 

Der Premiumwanderweg SeeGang führt in mehreren Etappen von Überlingen bis Konstanz Foto: Ulrike Klumpp
Der Premiumwanderweg SeeGang führt in mehreren Etappen von Überlingen bis Konstanz Foto: Ulrike Klumpp

Unterwegs auf dem Premiumwanderweg SeeGang am Bodensee

Überlingen - Unterschätztes Sipplingen! Die erste Überraschung wartet schon zu Beginn der Wanderung. Als Straßendorf hatte man den Ort am Überlinger See bislang wahrgenommen und vor allem auf den Tacho geachtet, denn legendär sind die zahlreichen Blitzer. Kein Problem stellen sie dar, wenn man mit dem Zug ankommt und noch etwas Zeit hat, die Uferpromenade und das hübsche Bahnwärterhäuschen zu betrachten, in dem praktischerweise direkt die Tourist-Information residiert. Hier steht auch die sogenannte Portaltafel, die einen Überblick über den gesamten Premiumwanderweg „SeeGang“ bietet: 54 Kilometer ist er lang, von Überlingen bis Konstanz zieht er sich einmal rund um den Überlinger See.

Das Ziel an diesem Tag ist jedoch nur Überlingen – und der Burghof in Wallhausen bei Konstanz, der letztlich mit dem Schiff erreicht wird. Als „Zuweg“ ist zunächst die Route durch den Ort Sipplingen markiert, die den Bahnhof mit dem Streckenwanderweg oben am Hang verbindet.

Schon dieses erste Stück geht sich genussvoll: Die vielen Fachwerkhäuser sind so gepflegt wie die Hausgärten, die Kirschbäume und Tulpen blühen um die Wette, und zum ersten Mal hat man Gelegenheit, den Ort samt Kirche von oben zu betrachten. Der Weg zieht sich schmal zwischen einer Trockenmauer und den Gärten hindurch, im Gänsemarsch gehen die Wanderer. Am Käsberg trifft der lila markierte „Zuweg“ den Hauptwanderweg, immerhin bereits auf knapp 600 Metern Höhe, also luftige 200 Meter über der Wasserfläche.

Zeit für ein Vesper mit Traumaussicht

Durch lichten Frühlingswald spaziert man nun, Veilchen und Buschwindröschen leuchten am Waldboden. Hier und da auch ganze Büschel von Schlüsselblümchen, in einem Talgrund mit plätscherndem Bächlein dicke gelbe Sumpfdotterblumen. Ein Hinweisschild mitten im Wald erklärt die Feinheiten des „Hödinger Tobels“, eine wild anmutende Landschaft entlang der schluchtartig abfallenden Wände. Vom Örtchen Hödingen hat man ebenfalls bislang nichts gehört, still liegt es auf dem Bergrücken. Noch zwei Schleifen über Acker und Wiesen – und dann öffnet sich ein sagenhafter Blick: Die Alpenkette mit dem Säntis und den sieben Churfürsten scheint zum Greifen nah, noch sind die Gipfel schneebedeckt. Hier auf unserer Sonnenseite blüht der erste Löwenzahn, die Bank unter der Linde ist rasch belegt. Zeit für ein Vesper aus dem Rucksack. Mit Traumaussicht.

Kennzeichen der Premiumwanderwege, die vom deutschen Wanderinstitut zusammen gestellt, geprüft und zertifiziert werden, sind die durchgehende und engmaschige Beschilderung, die möglichst naturnahen Wege (nur 15 Prozent des Weges darf mit Asphalt oder Beton bedeckt sein) und die Abwechslung. Überraschende Ausblicke gehören quasi zum Programm. Dieser hier ist besonders spektakulär, im Vordergrund pflügt ein Bauer seinen Acker, dass es staubt.

Von da an geht’s bergab. Gemütlich durch Wiesen und Obstgärten, vorbei am Schloss Spetzart, in dem die Internatsschule Salem eine Außenstelle unterhält, bis die ersten Gärten der Überlinger Villen in den Blick geraten. Die Fastenklinik Buchinger liegt quasi am Weg, hier specken die Reichen der Welt ab. Mit besten Aussichten, nicht nur auf den See. Zuletzt spaziert man durch den Überlinger Stadtgarten, hinunter zur Promenade, die mit Palmen und exotischen Pflanzen wahrlich mediterran anmutet. Bereits an diesem Tag im April, also noch früh im Jahr.

Vom See aus zeigt sich Überlingen in voller Schönheit

Das Schiff hinüber nach Wallhausen fährt erst in 20 Minuten, so dass noch Zeit für Fotos oder ein Eis bleibt. Die private Schifffahrtslinie Giess & Giess quert hier den See, sie fährt direkt nach Wallhausen, das zu Konstanz gehört. Vom See aus zeigt sich die Stadt Überlingen nochmals in voller Schönheit, die Greth, früher mächtiges Lagerhaus am Hafen, wird langsam kleiner.

Die letzte Etappe der Wanderung führt wieder steil hinauf, durch den kleinen Ort Wallhausen Richtung Burghof. Das historische Restaurant mit seinen schattigen Gewölben bleibt auch im Sommer schön kühl für eine entspannte Rast. Genau wie es im Frühling freundlich im Garten einlädt: Zu einem Wanderimbiss, der lecker schmeckt.

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