Ist es seine Musik oder sein früher Tod, der Bob Marley zur Ikone gemacht hat? "Er ist weit mehr als ein berühmter Musiker, er ist nun ein Philosoph und Prophet", erklärte kürzlich der schottische Regisseur Kevin Macdonald, der 2012 den Dokumentationsfilm "Marley" drehte. Foto: Universal Music

Godfather of Reggae, Ikone der Jugend: Bob Marley wirkt nach. Nicht nur in seiner Heimat Jamaika wird er noch Jahre nach seinem Tod tief verehrt.

Stuttgart - „Meine Musik wird ewig weiterleben“, sagte Bob Marley kurz vor seinem Tod, das seien Fakten. Selbstbewusstsein fehlte dem Musiker nicht. Warum auch, war er doch in seinen nur 36 Jahren Musikgigant, Prophet, Sozialkritiker, Marihuanaikone und Heilsbringer für fast jede Lebenssicht - ob er es wollte oder nicht. Am 6. Februar wäre die Legende 70 Jahre alt geworden.

Marley ist so eine Art Selbstbedienungsladen für viele - vom Althippie bis zum aufbegehrenden Jugendlichen, vom Kiffer bis zum Alternativmediziner, vom Esoteriker bis zum Modernitätsverweigerer. Selbst der unmusikalischste Mitteleuropäer fühlt sich gleich ein ganzes Stück lockerer und cooler, wenn er nur ein Marley-Hemd anhat. Dabei verstehen die meisten nicht, dass sie selbst zu dem Establishment gehören, gegen das Marley sang.

Lieder klagen Rassismus an

Denn Robert Nesta Marley, der Sohn einer 19 Jahre alten schwarzen Jamaikanerin und eines 60 Jahre alten weißen Jamaikaners, sah sich immer als Ankläger gegen Ungleichheit. „So lange es noch Menschen gibt, die alles haben, und welche, die nichts haben, so lange sich noch eine Rasse der anderen überlegen fühlt, so lange wird es Krieg geben in dieser Welt.“ Viele seiner Texte werden als lustige „Bleib locker!“-Songs falschverstanden - und sind doch Anklage gegen Rassismus und ungezügelten Kapitalismus.

In seiner Heimat wird Marley deshalb auch ganz anders verehrt als in der westlichen Welt. In Jamaika verkauft man in den Häfen Touristen zwar gern coole Kühlschrankmagnete mit dem Bildnis des berühmtesten Sohnes, doch im Volk selbst wird er wie ein Prophet verehrt. Die Rastafaris sind, wie der Raggae, durch ihn erst in der Welt bekanntgeworden - obwohl sie durch ihn auch für viele auf die haschrauchenden Gute-Laune-Schwarzen mit den grün-gelb-roten Mützen reduziert werden.

Marihuana-Marke heißt "Marley Natural"

Kein Wunder, dass eine im letzten Jahr in den USA aus der Taufe gehobene Marihuana-Marke sein Bild trägt und auch noch „Marley Natural“ heißt. Da wird nicht das Andenken eines Toten geklaut, sondern ganz offiziell vermarktet: Marleys Witwe Rita ist mit an Bord und erklärte im vergangenen Jahr: „Mein Mann glaubte daran, dass „das Kraut“ ein natürlicher und positiver Teil des Lebens und wichtig für die Welt ist. Er hätte sich auf diesen Tag gefreut.“

15 Jahre, bis zu seinem Tod, war Marley mit Rita verheiratet. Elf Kinder hatte er, zumindest offiziell. Vermutlich waren es mehr, denn selbst die elf hatte er, Ehe hin oder her, mit sieben verschiedenen Frauen. Marley mochte Kinder und im Video für seinen Hit „Is this love?“ tanzte eine ganze Gruppe um ihn herum, darunter die kleine Naomi (7). Die Tochter einer jamaikanischen Mutter machte später selbst Karriere: Als Supermodell Naomi Campbell.

Im Video war Marley schon schwer krank. Krebs. Doch er machte weiter, gab ein Konzert nach dem anderen und stiftete sogar Frieden zwischen den beiden größten Parteien Jamaikas. Obwohl es mit dem Krebs immer schlimmer wurde, lehnte er die traditionelle Medizin ab und suchte Hilfe in Oberbayern, beim umstrittenen Arzt Josef Issels.

Doch Marleys Zustand verschlechterte sich rapide und durch die Behandlung verlor er auch noch seine ihm so wichtigen Haare. Zumindest wollte er in der Heimat sterben und so stieg er, halbtot, ins Flugzeug nach Jamaika. Doch bei der Zwischenlandung in Florida am 11. Mai 1981 war er so schwach, dass er nicht weiterfliegen konnte. Wenige Stunden später starb er in einem Krankenhaus in Miami. Er war 36. In sein Grab legte man ihm einen Marihuanazweig und seine rote Gitarre.

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