Er lässt nur seine Musik sprechen: Bob Dylan verschwendet keine Zeit mit Geplauder. Foto:  

Zum ersten Mal nach der Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis tritt der Musiker in Deutschland auf.

Ulm - Wer ein Bob-Dylan-Konzert besucht, der weiß, was ihn erwartet. Der Musiker betritt grußlos die Bühne und heißt sein Publikum auch später nicht willkommen. Während des Auftritts blickt er griesgrämig drein und zeigt ansonsten keinerlei Mienenspiel. Er verabschiedet sich ebenso grußlos. Er stellt seine Band nicht vor, die wie festgenagelt auf den ihr zugewiesenen Plätzen verharrt. Und er spricht während des gesamten Konzerts kein einziges Wort.

Das alles ist so oder ähnlich seit vielen Jahren von diesem Künstler bekannt, und genau so trägt es sich auch am Donnerstagabend in Ulm zu, wo Bob Dylan den Deutschlandauftakt des diesjährigen Teils seiner „Never ending Tour“ bestritten hat. Man kann dies als finalen Schritt der Metamorphose eines Künstlers deuten, der wirklich ausschließlich seine Musik – und sich über seine Musik – sprechen lassen möchte. Man kann dies verwundert zur Kenntnis nehmen angesichts des Umstands, dass hier doch ein ausgesprochener Mann des Wortes auftritt, und zwar auch noch zum allerersten Mal in Deutschland seit seiner „Entgegennahme“ des Literaturnobelpreises, der ihm allerdings keinen Popularitätsschub beschert hat – die mit viertausend Sitzplätzen relativ kleine Ulmer Arena war nicht ausverkauft. Man kann es allerdings auch schlicht ungehobeltes Benehmen nennen.

Glänzend innovative Interpretationen

Musiziert wird von den fünf Begleitern halbkreisförmig und spärlich beleuchtet vor einem blutroten Brokatvorhang. Vernehmbar ist im gesamten Verlauf des exakt neunzigminütigen Konzerts bei nicht sonderlich gut ortbarem Sound besonders die Pedal-Steel und zumindest am Anfang so gut wie gar nicht der Flügel. Hinter ihm verschanzt sich Bob Dylan, der den ganzen Abend weder Gitarre noch Stromgitarre noch Mundharmonika spielt und zwischenzeitlich nur für die drei Coverversionen des Abends – Stücke von Frank Sinatra, Tony Bennett und Yves Montand – an das Mikro am vorderen Bühnenrand stakst.

Das alles klingt reichlich distanziert und fast schon desillusionierend. Allein: gerettet wird dieses Konzert durch die wirklich vorzüglichen Lieder. Die beiden Hits „Don’t think twice, it’s all right“ gleich als zweites Lied und „Blowin’ in the Wind“ als erstes der beiden Stücke in der Mikrozugabe interpretieren Dylan und seine Band glänzend innovativ, Klassiker wie „Highway 61 revisited“ als klangsatte Rocksongs, anderes (darunter viel vom „Tempest“-Album) in swingendem Mood, boogie-woogieesk oder auch mal sanft instrumentiert.

Am Ende vermag man gar nicht zu sagen vermag, welchem Genre das Konzert eigentlich zuzuordnen wäre, das man vom einstigen Folkgitarristen Bob Dylan soeben serviert bekommen hat. Ein schöneres Kompliment kann man einem Musiker nicht machen. Der amerikanische Song­writer bleibt ein schwieriger Mensch, ein großartiger Künstler ist der bald 77-Jährige jedoch auch noch immer.